Frauen und Sport

Da bewegt sich was!

Sport, Fitness und Gesundheit gewinnt für Frauen immer mehr an Bedeutung. Das ist nicht zuletzt daran abzulesen, dass in den letzten Jahren die Zahl der im Breiten- und Spitzensport engagierten Frauen weiter gewachsen ist.

Es gibt aber auch noch einiges zu tun

Laut der Bestandserhebung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) aus dem Jahre 2009 liegt in Berlin die in Vereinen organisierte Sportbeteiligung von Frauen mit 36% noch immer unter der der Männer. Besonders eklatante Unterschiede gibt es bei den Kindern und Jugendlichen. Bis zum Alter von sechs Jahren sind 45% der Mädchen im Sportverein organisiert, dann sinkt ihr Anteil kontinuierlich und erreicht bei den 18-Jährigen noch 31%. Das ist von besonderer Bedeutung, weil das in jungen Jahren erlernte Sport- und Bewegungsverhalten das Sportverhalten bis ins Alter beeinflusst.
Die demografische Entwicklung wird die Sportnachfrage verändern. Der Anteil älterer Menschen wird steigen, der Anteil der Kinder und Jugendlichen gleichzeitig abnehmen. Mit dem wachsenden Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist der Sport insbesondere auch mit seiner Möglichkeit zur sozialen und kulturellen Integration zu fördern. Auf der europäischen Ebene steht die Weiterentwicklung der sozialen Integration im und durch den Sport genauso auf der Agenda wie die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter. Das sind Themen, die auch in Berlin einer weiteren Umsetzung bedürfen.

Die Sportverhaltensstudie der Senatsverwaltung für Inneres und Sport kommt zu dem Ergebnis, dass der überwiegende Teil der sportlichen Aktivitäten bei Frauen und Männern in Berlin privat organisiert wird. Darüber hinaus wählen Frauen überdurchschnittlich häufig Sportangebote kommerzieller Anbieter und Männer die Sportangebote der Vereine. Was sind die Hintergründe für diese unterschiedlichen Verhaltensweisen? Gehen kommerzielle Anbieter besser auf die Sportbedürfnisse der Frauen ein, sind die Vereine zu sehr an Wettkampf und Leistung orientiert? Fragen, die weiterhin zu klären sind.

Fachtagung 2011 „Gold für Gerechtigkeit“ - Geschlechtergerechte Partizipation und Förderung im Berliner Sport

Im Rahmen der in Berlin initiierten Gender Mainstreaming und Gender Budgeting Prozesse hat es auf Bezirksebene Maßnahmen im Sportbereich gegeben. Diese Maßnahmen sind im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms 2011 während der Fachtagung am 18.5.2011 dargestellt worden.

Forderungen der Frauen- und Gleichstellungsministerinnenkonferenz 2006

Berlin hat sich im Rahmen der Gleichstellungs- und Frauenministerkonferenz 2006 für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in allen Bereichen und auf allen Ebenen des Sports eingesetzt. Dabei wurden folgende Maßnahmen gefordert:

  • die Beseitigung der Unterrepräsentanz von Frauen in Gremien und Spitzenämtern der Sportbünde, Fachverbände und Vereine
  • die verstärkte Förderung von Sportangeboten für Mädchen und Frauen
  • die Schaffung von Transparenz und Motivation durch die Darstellung von erfolgreichen Projekten oder Maßnahmen in den Organisationen
  • die Umsetzung von Gender Mainstreaming in den Sportorganisationen durch geschlechterdifferenzierte Datenerhebungen auf allen Ebenen, Analyse der Daten und Fakten und der Ableitung entsprechender Schlussfolgerungen
  • die konsequente Berücksichtigung dieser Zielstellungen in den Budgetierungsverträgen zwischen Bund und/oder Ländern einerseits und den Sportbünden andererseits (Zielvereinbarungen, Erfolgskennziffern, Bonusmodelle etc.).

Beschluss der Sportministerkonferenz zur Geschlechtergerechtigkeit im Sport

In dem Zusammenhang ist es als Erfolg anzusehen, dass es im September 2006 einen Beschluss der Sportministerkonferenz zur „Geschlechtergerechtigkeit im Sport“ gab und vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und Sportministerkonferenz eine Studie zur genannten Thematik veröffentlicht wurde. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Verwirklichung von Geschlechtergerechtigkeit im Sport in den Bundesländern durch formale Vorgaben die Nachhaltigkeit, Reichweite und Effektivität der Maßnahmen sehr unterstützt.

Neufassung der Sportanlagen-Nutzungsvorschrift in Berlin

In Berlin wurde mit Blick auf die genannte Studie 2009 im Rahmen der Neufassung der Ausführungsvorschriften über die Nutzung öffentlicher Sportanlagen Berlins (Sportanlagen-Nutzungsvorschrift – SPAN) die „geschlechterspezifische bzw. geschlechtergerechte Vergabe“ von Sportanlagen in die SPAN aufgenommen, um den Mädchen- und Frauensport besser fördern zu können. Im Weiteren haben die Vereine im Rahmen der Neufassung die Auflage erhalten, die Anzahl der die öffentlichen Sportanlagen nutzenden Personen nach Geschlecht zu erfassen. So werden zukünftig aussagekräftigere Daten über das Sportverhalten der Geschlechter in Berlin zur Verfügung stehen.

Sportentwicklungsleitplanung Berlin

Im Rahmen der Sportentwicklungsleitplanung – Leitbild für die Sportmetropole Berlin ist 2009 unter den strategischen Zielsetzungen die geschlechtergerechte Teilhabe im Sport verankert worden. Für die Zukunft ergeben sich vielfältige Ansatzpunkte, um Gleichstellung im Sport zu verwirklichen. Ein Ziel könnte die Erhöhung der Sportaktivität bei Mädchen in der Altersgruppe der 7 bis 18-Jährigen sein und hier insbesondere bei der Gruppe der Mädchen mit Migrationshintergrund.
Die Förderung von Angeboten für eher geschlechtsuntypische Sportformen, z.B. Mädchen- und Frauenfußball, könnte eine weitere Zielsetzung sein.