Frauenspezifische Gesundheitsfelder

Reproduktive Gesundheit

Die reproduktive Gesundheit umfasst alle spezifischen Gesundheitsbelange von Frauen, die mit ihrer Fähigkeit verbunden sind, Kinder zu gebären und zu stillen, einschließlich ihrem Recht auf ein sexuell selbstbestimmtes Leben.

Kinderwunsch und seine Verwirklichung

Frauen zwischen 20 und 49 Jahren wünschen sich durchschnittlich 1,75 Kinder, Männer dieser Altersgruppe im Schnitt 1,6 Kinder. Tatsächlich werden aber im Schnitt weniger als 1,4 Kinder pro Frau geboren. Ein Leben mit Kindern wird nur von 44 % der Kinderlosen mit einer Bereicherung ihres Lebens, mit größerer Lebensfreude und Zufriedenheit verbunden, während 46 % weder eine Verbesserung noch eine Verschlechterung ihrer Lebensfreude erwarten. »Man sollte erst Kinder bekommen, wenn man sich sicher ist, dass man als Paar zusammenbleibt«, meinen 61 % der Frauen und 73 % der Männer laut einer Studie der Robert-Bosch-Stiftung. Kinderlose stimmen der Aussage häufiger zu als Eltern; das sind 63% gegenüber 73 %. Laut Befragungsergebnis sollte – als Voraussetzung für eine aktive Familienplanung – mindestens ein Lebenspartner über einen sicheren Arbeitsplatz verfügen.

Frauen in Deutschland sind im Schnitt dreißig Jahre bei ihrer ersten Entbindung. In den alten Bundesländern sind sie damit drei Jahre und in den neuen Bundesländern 5 Jahre älter als 1991, in dem das Durchschnittsalter 27 bzw. 25 Jahre war.

Zahlen für Berlin

Entgegen der bundesdeutschen Entwicklung einer gleichbleibend niedrigen Geburtenrate ist in den letzten Jahren in Berlin die Zahl der Geburten leicht ansteigend. So wurden 2009 insgesamt 32.104 Kinder geboren, 168 Kinder mehr als im Vorjahr. Die Geburtenziffer liegt mit 9,3 Lebendgeborenen je 1.000 Einwohner höher als im Bundesdurchschnitt, der 8,3 beträgt. Sie schwankt stark von Bezirk zu Bezirk und ist mit 11,9 in Friedrichshain-Kreuzberg am höchsten und in Bezirken mit sehr guter Sozialstruktur, zum Beispiel in Steglitz-Zehlendorf bei 7,4 pro 1000 Einwohner, am geringsten.

Die Geburtenhäufigkeit liegt allerdings mit 1,3 Geburten je Frau am untersten Ende.

Immer mehr schwangere Frauen entscheiden sich gegen einen Schwangerschaftsabbruch und für das Kind. Je 1.000 Lebendgeborene gab es in Berlin 2009 292; 2008 302; 2007 309 und 2005 367 Schwangerschaftsabbrüche.

Sexuelle Selbstbestimmung – ein Frauenthema in Berlin?

Sexuelle Selbstbestimmung – zunächst verstanden als das Recht der Frau, sich im Spannungsfeld der Verantwortung einerseits für das eigene und andererseits für das ungeborene Leben in ihrem Körper für oder gegen das Austragen einer Schwangerschaft zu entscheiden – bezieht sich in der aktuellen Debatte auf viele weitere Felder. Zu ihnen gehören die Freiheit der sexuellen Orientierung und Identität, die Freiheit der Partner/-innenwahl, des Ortes und des Zeitpunkts Sexualität zu leben – hier vor allem das Recht auf vorehelichen Geschlechtsverkehr.

Eingriffe in die Selbstbestimmung von Mädchen und Frauen durch Genitalverstümmelung oder den religiös und/oder kulturell begründeten Zwang zum „Nachweis“ der vor der Hochzeit bestehenden Jungfräulichkeit der Frau oder Zwangsverheiratungen widersprechen dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung.

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