Arbeitswelten von Frauen

Menschen in verschiedenen Berufsbekleidungen
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Was bedeutet Gleichstellung in der Arbeitswelt?

Ein wesentliches Ziel von Gleichstellungspolitik: Frauen und Männer sollten gleichermaßen für sich selber sorgen können und gleichermaßen Zeit für Familie und Privatleben haben. Weder Mann noch Frau sollten sich auf andere verlassen: Die Abhängigkeit von staatlichen Leistungen führt zu sozialen Problemlagen. Die Angewiesenheit auf einen Partner kann nicht nur in den Fällen, wenn die Beziehung scheitert oder der Partner erwerbsunfähig oder arbeitslos wird, problematisch sein. Wer auf Dauer sich von Dritten abhängig macht, kann auf Dauer sehr arm sein.

Wo ist das Problem bei der Gleichstellung in der Arbeitswelt?

Es ist inzwischen völlig normal und „akzeptiert“, wenn Frauen erwerbstätig sind. Dennoch ist Deutschland nach wie vor geprägt von einem traditionellen Familienmodell mit dem Mann als Haupternährer. Es sind nach wie vor die Frauen, die sich in erster Linie um Kinder, Haushalt, Familienleben einschließlich der sozialen Kontakte kümmern. Die finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen fördern dieses Familienmodell. Zum Beispiel sind die Vorteile des steuerrechtlichen Ehegattensplitting und der beitragsfreien Familienversicherung dann am größten, wenn einer der Ehepartner nicht erwerbstätig ist bzw. nur geringfügig beschäftigt ist. Und es gibt viele Regelungen, die es ermöglichen, die Erwerbsarbeit zu unterbrechen oder zu reduzieren, um sich der unbezahlten Arbeit im Haushalt widmen zu können.

Was bewirken diese Rahmenbedingungen?

Diese Rahmenbedingungen sind an sich „geschlechtsneutral“, denn auch der Vater des Kindes kann Elternzeit nehmen und für längere Zeit seine Arbeitszeit reduzieren. Von den Partnermonaten abgesehen, die im Rahmen der Elterngeldregelung zunehmend von Vätern in Anspruch genommen werden, passiert das jedoch nur um Ausnahmefall. Warum? Weil es von den Frauen erwartet wird, dass sie sich um diese Aufgaben kümmern. Diese Rollenzuschreibungen sind nicht nur kulturell tief verankert, sie sind auch nicht zu trennen von Vorurteilen über die Geschlechter (Geschlechterstereotypen). Sie führen dazu, dass die üblicherweise von Frauen zu erledigenden Arbeiten wenig Wertschätzung genießen: hier Verhaltensänderungen zu erreichen ist ein langer Weg.

Auf der anderen Seite orientiert sich die Arbeitswelt an einem Normalarbeitsverhältnis:
Die Organisation der Arbeitswelt, das Verständnis über Arbeitszeiten, die Anwesenheit am Arbeitsort und vor allem die Leistung sind geprägt durch den rund um die Uhr zur Verfügung stehenden Beschäftigten. Er hat keine privaten Verpflichtungen und widmet sich voll und ganz seiner Arbeit.

Was sind die Folgen, wo sind die Benachteiligungen?

Bei der Schulbildung haben die Mädchen die Jungen überholt, aber schon bei der Beruflichen Bildung haben Mädchen bzw. junge Frauen mehr Schwierigkeiten, ihre Berufswünsche zu realisieren.
Ein zentraler Punkt: Frauen haben immer noch erhebliche Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie haben in der Regel die Hauptverantwortung für den privaten Lebensbereich. Bei Arbeitgebern gelten sie immer noch als „Risiko“: Wegen der Aufgaben in der Familie, wie z.B. die Betreuung kranker Kinder, die Pflegebedürftigkeit von Familienangehörigen könnten sie „ausfallen“. Vielfach wird angenommen, dass Frauen ihr Beruf nicht so wichtig ist und sie ihre Prioritäten in der Familie sehen.

Weil vieles, was Frauen machen und wie sie es machen, nicht „zählt“, werden Frauen nicht nur in typischen Frauenberufen immer noch erheblich schlechter entlohnt als Männer. Auch das ist ein Grund der nach wie vor bestehenden Entgeltungleichheit zwischen Männern und Frauen.

Aber weil typische Frauentätigkeiten schlecht bezahlt werden und weil viele Frauen nicht kontinuierlich erwerbstätig waren oder eher dem traditionellen Rollenbild entsprechen, arbeiten sie zudem häufig in Prekärer Beschäftigung.

Und selbst dann, wenn sie beruflich etabliert sind, scheitert ihr Weiterkommen, insbesondere in größeren Unternehmen und Institutionen, in der Regel an einer Unternehmenskultur, die geprägt ist von der Vorstellung, dass nur ein Mann, dem am besten noch seine Frau „den Rücken frei hält“, die erwünschten Leistungen bringen kann – ein wesentlicher Grund für die erhebliche Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen.

Und als Selbstständige erwirtschaften sie selten ein Einkommen über dem Existenzminimum.

Das gilt im Prinzip für alle Arbeitswelten, aber die Ausprägungen sind in den einzelnen Bereichen unterschiedlich oder haben andere Facetten. Im öffentlichen Dienst und für die Unternehmen und Institutionen in staatlicher Verantwortung gelten seit Jahren Gleichstellungsgesetze zur Förderung von Frauen. In Berlin gibt es das LGG. Der Bereich Wissenschaft und Forschung hat zum Teil andere, aber auch zusätzliche Rahmenbedingungen. Auch der Bereich Kunst und Kultur hat mit seinem geförderten Bereich und der Kultur- und Kreativwirtschaft ebenfalls andere und auch zusätzliche Rahmenbedingungen.

Frauen sind zudem nicht gleich Frauen. Es gibt junge und ältere Frauen, Frauen mit und ohne Migrationshintergrund, Frauen mit Kindern und ohne Kinder, Alleinerziehende oder mit Partner, alleinstehende Frauen und Frauen in Partnerschaft, sei es heterosexuell oder gleichgeschlechtlich, Frauen mit und ohne Behinderung. Ihre spezifische Situation kann erhebliche Auswirkungen auf ihre Chancen im Erwerbsleben haben – hierauf zu achten und zielgruppenspezifisch Angebote zu entwickeln, ist eine originäre Aufgabe von Gleichstellungspolitik.