„Tatausgleich“ – Jugendverwaltung startet Modellprojekt zum Umgang mit Kindern, die Straftaten begangen haben

Pressemitteilung vom 06/21/11

Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung fördert seit Anfang Juni das Modellprojekt „Tatausgleich“ für strafunmündige Kinder im Alter von 12 und 13 Jahren. Zielgruppe sind Kinder sowie die geschädigte Person.

Im Jahr 2010 wurden von der Polizei 5.360 tatverdächtige Kinder registriert. Das waren 3,9 % aller Tatverdächtigen. Auch wenn es sich in den meisten Fällen um Bagatelldelikte handelt, so gibt es doch in der Regel Menschen, denen durch die Straftat Schaden zugefügt wurde – oftmals handelt es sich dabei ebenfalls um Kinder, darunter Geschwister und Schulkameraden.

Im Rahmen des Tatausgleichs erfolgt nun unter professioneller Anleitung eine Konfliktschlichtung. In mehreren Ausgleichsgesprächen wird zwischen dem Kind und der geschädigten Person vermittelt. Ziel ist dabei nicht nur, lang andauernde Streitigkeiten oder eine Verschärfung der Konflikte zu verhindern, sondern auch eine kindgerechte Form der Wiedergutmachung zu finden. Im Ausgleichsgespräch können Vereinbarungen über symbolische und/oder materielle Leistungen getroffen werden. Es besteht die Möglichkeit, sich zu entschuldigen und so etwas wieder in Ordnung zu bringen. Die Betroffenen können dann wieder ohne Angst auf die Straße oder in die Schule gehen. Die Beziehungen zwischen Geschwistern können verbessert werden. Ein Gegenstand, der gestohlen wurde, kann vielleicht ersetzt werden.

Der Tatausgleich ist erzieherisch sinnvoll, da das Kind lernt, die Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und Konflikte im Gespräch zu klären. Insofern wird für die Zukunft erwartet, dass das Kind bestehende Normen und Regeln akzeptiert und beachtet. Aber auch für die in das Verfahren einbezogenen Eltern versteht sich der Tatausgleich als Unterstützung und trägt dazu bei, ihre Erziehungskompetenz zu stärken.

Umgesetzt wird das Projekt Tatausgleich durch die Integrationshilfe beim Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk. Hier arbeiten Mitarbeiter/innen mit langjährigen Erfahrungen auf dem Gebiet der Konfliktschlichtung. Für den Tatausgleich entstehen für die Beteiligten keine Kosten. Finanziert wird das Projekt durch die für Jugend und Familie zuständige Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung mit einer jährlichen Zuwendung in Höhe von 32.000€.

Die Vermittlung zum Tatausgleich erfolgt durch die örtlich zuständigen Jugendämter.

Redaktion: Christian Walther