Mobiles Schulungsteam gestartet: Berlin stärkt Kinderschutz in Geflüchteten-Unterkünften

Pressemitteilung vom 10.12.2018

Auf Initiative der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie wird der Kinderschutz in den landeseigenen Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete gestärkt. Ein mobiles Schulungsteam hat damit begonnen, Mitarbeitende der Gemeinschaftsunterkünfte fortzubilden. Im Auftrag der Senatsverwaltung sollen insgesamt rund 2.000 Mitarbeitende in etwa 100 Einrichtungen für das Thema Kinderschutz sensibilisiert und qualifiziert werden. Das Konzept hat Jugendsenatorin Sandra Scheeres heute in einer Lichtenberger Unterkunft gemeinsam mit Vertretern und Vertreterinnen des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), von Wildwasser e.V. und Save the Children Deutschland e.V. vorgestellt.

Scheeres: „Kinder und Jugendliche, die nach einer Flucht in Gemeinschaftsunterkünften leben, sind besonders schutzbedürftig. Ihre Angehörigen sind häufig selbst stark belastet. Traumatische Erfahrungen, mangelnde Sprachkenntnisse und fehlendes Wissen über Hil-femöglichkeiten – all dies erhöht das Risiko, dass Kinder in Gefahr geraten. Betreiber von Unterkünften haben hier eine hohe Verantwortung. Durch eine Weiterbildungspflicht und das mobile Schulungsteam bilden wir kontinuierlich und flächendeckend alle Mitarbeitenden einschließlich der Wachschutzfirmen zu den zentralen Fragen des Kinderschutzes fort und stellen sicher, dass alle über das erforderliche Fachwissen und entsprechende Handlungskompetenzen verfügen.“

Die flächendeckenden Schulungen sind ein weiterer wichtiger Schritt zur Verbesserung der Situation von Kindern und Jugendlichen in den Einrichtungen. In den Anforderungen für Betreiber hat das LAF schon früher festgeschrieben, dass Kinder und Jugendliche Spiel- und Hausaufgabenräume brauchen, wie auch Beratung und Betreuung. Ebenso verpflichtend sind erweiterte Führungszeugnisse für Mitarbeitende und Ehrenamtliche. Seit 2017 enthalten Betreiberverträge darüber hinaus eine explizite Verpflichtung auf Kinderschutzstandards und zur Teilnahme an Schulungen. Die Standards orientieren sich an den Empfehlungen von Unicef. Sie sehen u. a. die Erarbeitung eines Kinderschutzkonzeptes, die Benennung eines Kinderschutzbeauftragten sowie einer Fachkraft Kinderschutz pro Einrichtung und eine Meldepflicht für alle Verdachtsfälle von Kindeswohlgefährdung ans Jugendamt vor.

Das Konzept für das überbezirklich arbeitende mobile Schulungsteam Kinderschutz hat die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie gemeinsam mit dem LAF, den Bezirken und Save the Children Deutschland entwickelt. Für die Umsetzung stehen im Doppelhaushalt 2018/19 pro Jahr bis zu 300.000 Euro zur Verfügung. Mit Wildwasser e.V. wurde ein Träger mit großer fachlicher Expertise im Kinderschutz gewonnen. Das mobile Schulungsteam besteht aus sechs Mitarbeiterinnen des Vereins.

Die Schulung der Mitarbeitenden der Einrichtungen erfolgt in drei Fortbildungsmodulen zu den Themen „Basiswissen Kinderschutz“, „Kinderschutzverfahren und Netzwerk Kinderschutz“ sowie „Intervention“. Inhalte und Intensität der Schulungen variieren je nach Zielgruppe. Die Schulungen richten sich an Leitungskräfte, technische Kräfte (Hausmeister, Küchenkräfte, Sicherheitsdienstleister) und Sozialdienste (z. B. Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen, Ehrenamtskoordinatoren und -koordinatorinnen). Themen, die behandelt werden, sind unter anderem institutioneller Kinderschutz, Rechte von Kindern und Jugendlichen, Kindeswohlgefährdung sowie Wege ins Berliner Hilfesystem und mögliche Ansprechpartner.