Kinderarmut verhindern, finanzschwache Familien unterstützen: Landeskommission tagt zum ersten Mal

Pressemitteilung vom 15.06.2017

Die Landeskommission zur Prävention von Kinder- und Familienarmut ist heute zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammengekommen. Die Kommission soll eine ressortübergreifende Strategie entwickeln, wie das Armutsrisiko von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien verringert werden kann und wie arme Familien und ihre Kinder besser unter-stützt werden können.

Der Landeskommission gehören Staatssekretärinnen und Staatssekretäre mehrerer Senatsverwaltungen sowie Vertretungen der Zivilgesellschaft und der Bezirke an. Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, begrüßte die Teilnehmer der konstituierenden Sitzung. Vorsitzende des Gremiums ist Sigrid Klebba, Staatssekretärin für Jugend und Familie.

Sandra Scheeres: „Berlin boomt. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier besonders viele Familien leben, die arm oder armutsgefährdet sind. Wir müssen dafür sorgen, dass sie nicht abgehängt und an den Rand gedrängt werden, sondern von der positiven Entwicklung der Stadt profitieren können. Derzeit wächst jedes dritte Kind in Berlin in einer Familie auf, die Grundsicherung bezieht. Das sind 173 000 Kinder und Jugendliche. Besonders groß ist das Armutsrisiko bei alleinerziehenden Eltern, bei Familien mit drei und mehr Kindern und Familien mit ausländischen Wurzeln. Wir brauchen nachhaltige, ressortübergreifende Konzepte, wie diese Familien unterstützt werden können. Das ist nicht nur eine Frage von finanziellen Hilfen. Es geht vor allem auch um Bildungschancen sowie um Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben.“

Kinder aus armen Familien seien besonders auf eine gute Förderung in Kitas und Schulen angewiesen, so die Senatorin. Die Ausweitung des Kita-Rechtsanspruchs, verpflichtende Sprachförderung, mehr Ganztagsschulen und die Schulstrukturreform seien einige Beispiele dafür, was bereits im Bildungs- und Familienbereich erreicht wurde. Hinzu kommen zahlreiche Angebote, die besonders Kindern aus finanzschwachen Familien eine gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, wie Ferien- und Familienpass, Ferienprogramme und Jugendkulturzentren.

Armutsprävention betrifft aber verschiedene Ressorts – etwa, wenn es um die Frage günstiger Wohnungen, Vermeidung von Obdachlosigkeit oder Hilfen bei chronischen Krankheiten geht. Dasselbe gilt für Fragen der beruflichen Qualifizierung und Arbeitsplatzsuche. Erwerbstätigkeit der Eltern, die ausreichend entlohnt wird, ist ein wesentlicher Aspekt bei der Vermeidung von Familienarmut. Es sei daher unerlässlich, eine ressortübergreifende Strategie zu erarbeiten, so die Senatorin. Auch die Bezirksämter, die in der Regel der direkte Ansprechpartner von Familien bei Beratungs- und Unterstützungsbedarf sind, müssten eingebunden werden, ebenso wie die Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

In der Landeskommission sind sieben Senatsverwaltung vertreten (Bildung, Inneres, Arbeit und Soziales, Gesundheit, Stadtentwicklung, Finanzen, Wirtschaft), die Bezirke, der Landesjugendhilfeausschuss, der Beirat für Familienfragen, die Landesarmutskonferenz, die Sportjugend, die LIGA der Wohlfahrtsverbände, die Berliner Wirtschaft und Wissenschaft, der Landesbeirat für Menschen mit Behinderungen sowie die Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen und für Integration und Migration. Die Geschäftsstelle der Kommission ist in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie angesiedelt.

Die Landeskommission zur Prävention von Kinder- und Familienarmut ist auf Dauer angelegt und wird durch Facharbeitsgruppen unterstützt. Sie soll bis Mitte der Legislaturperiode einen ersten Bericht erarbeiten.