Einige wichtige Reformen der letzten Jahre auf einen Blick ...
Neues modernes Schulgesetz (2004) – erstes Bundesland nach PISA
Der PISA-Befund für Deutschland war verheerend. Berlin hat sofort reagiert – mit einem neuen, modernen Schulgesetz, das tief greifende Reformen einleitete. Zu viel Reform, zu wenig Reform – beide Vorwürfe wurden hernach erhoben. Beides ist falsch:
- Die Berliner Bildungsreform musste umfassend sein, denn ein Bildungssystem ist ein komplexes Bedingungsgefüge – hier können nicht einzelne Teile isoliert voneinander reformiert werden.
- Die Reformen hätten gewiss auch für zwei Legislaturperioden gereicht – aber im Interesse der nachwachsenden Generation war keine Zeit zu verlieren.
- Mehr und schnellere Reformen hätten alle Akteure von Schule überfordert. Eine Reform folgt sinnvollen Schrittfolgen, die ineinander greifen wie Zahnräder. Eine Reform muss sich prozesshaft entfalten können – dafür braucht sie Zeit und Ruhe.
- Wer aus einer Bildungsreform der letzten 4 Jahre schnelle sichtbare Erfolge in Vergleichsstudien erwartet, hat keine Ahnung von Bildungspolitik. (Die bei PISA getesteten 15-Jährigen sind Mitte der 90er Jahre in die Schule eingetreten.)
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Umgestaltung der Kitas zu Bildungseinrichtungen
Kitazeit ist in Berlin Bildungszeit. Denn nie wieder sind Kinder so lernbereit und lernfähig wie in den frühen Kindheitsjahren. Nichts interessiert die Kleinen so sehr wie zu wissen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Das für alle Berliner Kitas verbindliche Kita-Bildungsprogramm greift diese kindliche Neugierde auf.
Es wurde erarbeitet von der Arbeitsgruppe Berliner Fachwissenschaftler und Praxisberater unter Leitung der INA – FU Berlin, Leitung: Dr. Ch. Preissing). Grundlegende Aussagen zum Bildungsbegriff, zu den Zielen und Aufgaben der Erzieherinnen und Erzieher werden mit der ausführlichen Beschreibung von sieben Bildungsbereichen verknüpft. Die konzeptionelle Rahmenvorgabe und konkretes Arbeitsmaterial für die Praxis unterstützt die pädagogischen Fachkräfte bei Orientierung an der Lebenssituation der Kinder. Alle Kitas erhielten die Bildungsprogramme. Um die Eltern mitzunehmen wurden Kurzinfos in fünf Sprachen verteilt. Das Bildungsprogramm stößt auf große Zustimmung in Berlin, bundesweit und auch im Ausland. Das Saarland und Hamburg haben es übernommen, die Bernard van Leer Foundation lässt es ins Englische übersetzen. Alle Berliner Erzieherinnen und Erzieher wurden über ein Stufensystem zu diesem Programm fortgebildet. Die Überprüfung der Erfolge der Anwendung erfolgt in mehreren Schritten bis 2009 in jeder Kita.
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Übertragung von Kitas an freie Träger - Ziel: mehr Vielfalt, Qualität
Berlin hatte sich 2003 vorgenommen, das Verhältnis von Kindertageseinrichtungen von zwei Dritteln in kommunaler zu einem Drittel in freier Trägerschaft umzukehren. Denn mehr Konkurrenz bringt mehr Qualität, und Eltern sollen aus einer Vielfalt von Kita-Profilen wählen können – von der sportbetonten über die Kneipp-Kita bis zur bilingualen Kita.
Das ist nun geschafft:
Seit 2004 wurden 273 Kitas mit 30.000 Plätzen in freie Trägerschaft übertragen. Insgesamt sind damit dann zwei Drittel aller Kitaplätze in freier Trägerschaft. Alle verbleibenden kommunalen Kitas wurden in 5 Eigenbetrieben, in denen sich jeweils 2-3 Bezirke zusammenschließen, zusammengefasst. Die Finanzierung wurde über Kostenblätter gesichert und damit eine einheitliche Qualität ermöglicht. Besser früh investieren als spät reparieren ist Berlins Devise. Im Kitabereich ist Berlin Spitze – in Vielfalt, in Qualität und in Quantität. In Berlin sind Beruf und Familie vereinbar.
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Deutschtest und Deutschpflichtkurs vor der Einschulung (ab 2004)
Seit 2004 gibt es den für alle verpflichtenden Sprachtest Deutsch-Plus. Der Test erfolgt im Zusammenhang mit der Schulanmeldung – bei Kitakindern durch die Kitaerzieher, bei Nicht-Kita-Kindern in der Grundschule. Alle Kinder, die Sprachdefizite aufweisen, sind zur Teilnahme an der daran anschließenden Sprachförderung verpflichtet. Kita-Kinder werden in der Kita gefördert, denn Sprachförderung ist ein Schwerpunkt im Kita-Bildungsprogramm. Zusammen mit dem grünen Sprachlernordner zur Sprachförderung, dem Sprachkoffer und dem Sprachlerntagebuch für jedes Kind stehen den Erzieherinnen entsprechende Materialien zur Verfügung.
Kinder mit Sprachdefiziten, die keine Kita besuchen, müssen am halbjährigen Sprachförderkurs in einer Grundschule teilnehmen, den Lehrerinnen mit der Ausbildung „Deutsch als Zweitsprache“ und Erzieherinnen verantworten: 2005 waren es 2 Stunden, seit 2006 sind es 3 Stunden Sprachförderung täglich (insgesamt 330 Stunden). Ziel dieser Pflicht: Jedes Kind soll vom ersten Schultag an dem Unterricht folgen können, damit keine Lücken entstehen.
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Flexible Schulanfangsphase
Nicht das Kind muss „schulreif“ sein, sondern Schule muss sich so wandeln, dass sie jedes Kind vom ersten Tag an individuell fördern kann. Ein hohes Ziel – wie kann man sich dem nähern?
Das 1. und 2. Schuljahr werden zur flexiblen Schulanfangsphase zusammengefasst, in der die Kinder – je nach Voraussetzungen beim Schuleintritt und folgendem individuellem Lernfortschritt – ein, zwei oder drei Jahre bleiben.
Die flexible Schulanfangsphase gibt es auch in anderen Bundesländern; Berlin führt sie schrittweise seit 2004/05 ein. Seit 2007/2008 ist sie für alle Grundschulen Pflicht. Genug Zeit also für Lehrkräfte, sich in den speziellen Fortbildungen, die das LISUM dazu anbietet, fortzubilden und in Schulen, die das z. T. als Schulversuch bereits seit vielen Jahren erfolgreich praktizieren, zu hospitieren.
Vorteile: Das individuelle Lerntempo entscheidet, Schnelle werden nicht ausgebremst, bei langsamer Lernenden entstehen keine Lücken, die sie dann durch die Schullaufbahn schleppen. Kein Kind wechselt allein die vertraute soziale Gruppe.
Das soziale Lernen wird intensiviert – jeder kann etwas anderes gut und hilft dem anderen. Auch zunächst lernschwächere Kinder können in bestimmten Bereichen Jüngeren helfen. Die Klassen sind ruhiger, denn Erstklässler werden durch die erfahrenen Kinder in die Abläufe eingeführt.
Auch Skeptiker haben diese positiven Erfahrungen inzwischen überzeugt.
Bereits jetzt gibt es in einem altershomogenen Erstklässlerjahrgang bereits Entwicklungsunterschiede von bis zu drei Jahren. Die flexible Schulanfangsphase ermöglicht einen besseren Umgang damit.
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Senkung des Einschulungsalters von 6,7 auf 6,2 Jahre (2005)
Im europäischen Vergleich wurden deutsche Kinder spät eingeschult und damit wurde wertvolle Bildungszeit im schulischen Kontext verschenkt. Mit der Neustruktur des Schulbeginns (flexible Schulanfangsphase) und anderer methodisch-didaktischer Arbeitsansätze ist Schule fit auch für jüngere Kinder. Seit dem Schuljahr 2005/06 werden alle Kinder eingeschult, die im laufenden Kalenderjahr 6 Jahre alt werden. Somit kommen Berliner Kinder nun mit durchschnittlich 6,2 Jahren in die Schule.
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Keine Rückstellungen mehr
Grundsätzlich werden alle Kinder in dem Jahr schulpflichtig, in dem sie das sechste Lebensjahr vollenden. Seit dem Schuljahr 2005/2006 gibt es daher in der Regel keine Zurückstellungen mehr. Die Grundschule hat sich in der Phase Schulanfangs mit der flexiblen Schulanfangsphase, in der die Jahrgangsstufen 1/2 eine pädagogische Einheit bilden, kindgerecht verändert. In der Schulanfangsphase wird der Fokus stärker als je zuvor auf die unterschiedichen Voraussetzuhngen und Bedürfnisse der Kinder gelegt. Die Erfahrung zeigte, dass Entwicklungsverzögerungen, die zu Rückstellungen führten, häufig soziale Gründe hatten. Rückstellungen führten häufig dazu, dass sich diese Defizite um ein weiteres Jahr verfestigten, weil das Kind in diesem Umfeld verblieb. Die flexible Schulanfangsphase nimmt das Kind fördernd in seinen Lernvoraussetzungen und -möglichkeiten an und ermöglicht ihm - angepasst an seine Lernvoraussetzungen und sein individuelles Lerntempo - anschlussfähige Lernschritte. Kinder, die mehr Zeit benötigen, können drei Jahre in der Schulanfangsphase verweilen.
Sollte der Entwicklungsstand eines Kindes allerdings so starke Verzögerungen aufweisen, dass eine bessere Förderung in einer Kindertagesstätte zu erwarten ist, kann auf Antrag der Eltern die regional zuständige Schulaufsicht - auf Grundlage einer Begründung der Eltern, einer Stellungnahme der besuchten Kindertagesstätte sowie eines Gutachtens des zuständigen Schularztes oder des Schulpsychologischen Dienstes - eine Zurückstellung von der Schulbesuchspflicht für ein Jahr genehmigen, sofern dann eine entsprechende Förderung in einer Kita erfolgt. Eine Rückstellung nach Beginn des Schulbesuchs ist ausgeschlossen.
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Verlagerung der Horte an die Schulen - alle Grundschulen sind offene oder gebundene Ganztagsschulen (2005)
Ganztagsschule – Bildung, Erziehung und Betreuung aus einem Guss; Unterricht und Freizeit kindgemäß rhythmisiert und aufeinander bezogen. Berlin verlagerte alle Horte in die Zuständigkeit – und wo irgend möglich auch räumlich – in die Grundschulen. 162 Mio ¤ wurden und werden dafür in Bau und Ausstattung investiert. Ein schwieriger Umstellungsprozess über Jahre, dessen Erfolge und Chancen bereits jetzt offensichtlich sind. Grundschule ist in Berlin flächendeckend Ganztagsschule – von 6 – 18 Uhr. Von solcher Qualität und Quantität in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie träumen Eltern anderswo.
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Alle Grundschulen sind verlässliche Halbtagsschulen (2005) – 7.30-13.30 Uhr kostenlos
Montags erst zur 3. Stunde Unterricht oder sommers hitzefrei – nach der 4. Stunde Schluss - aber die Eltern arbeiten: Wohin mit dem Kind?
In Berlin kein Problem mehr. Seit dem Schuljahr 2005/06 bietet jede Grundschule verlässliche Betreuung auch außerhalb der Unterrichtszeiten in der Zeit von 7.30 – 13.30 Uhr an – kostenlos für alle und ohne gesonderte Anmeldung durch die Eltern. Nicht jeder will die Ganztagsschule nutzen und trotzdem.
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Zusätzliche Stunden für Leseförderung, Fremdsprache ab Klasse 3 (2003) und Naturwissenschaften in der Grundschule (2005)
Grundschule stärken – denn dort werden, neben der Kita – die entscheidenden Weichen für den Bildungserfolg gestellt. Die flächendeckende Ganztagsgrundschule ist ein tragendes Element dabei. Berlin hat darüber hinaus auf diagnostizierte Defizite reagiert:
Eine Stunde mehr Leseförderung im 2. Jahrgang für alle, denn die Ergebnisse der Orientierungstests Leseverständnis konnten vielerorts nicht zufrieden stellen. Jüngere Kinder lernen Sprachen schneller, deshalb wurde der Start der ersten Fremdsprache auf die 3. Klasse vorgezogen – zur Wahl steht Englisch und Französisch.
Vergleichstests wiesen auf Mängel in der naturwissenschaftlichen Bildung. Berlin führte daher das Fach Naturwissenschaften in der Grundschule ein.
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Unterstützung für Lehrkräfte in migrantenstarken Jahrgängen
Die Quote von Kindern nicht-deutscher Herkunftssprache in den Einschulungsjahrgängen steigt steil an. Häufig kommen Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern und haben neben massiven Sprachproblemen auch Defizite in ganz basalen Fähigkeiten wie dem Umgang mit einem Stift oder gar einer Schere. Um Lehrkräfte hier zu unterstützen, wurde die sonst übliche Zumessung in Grundschulen (1 Lehrkraft für 24 Kinder) bei Jahrgängen mit mehr als 40 % Kindern nicht-deutscher Herkunftssprache abgesenkt auf 1 Lehrkraft für 20 Kinder. Im Schuljahr 2005/06 zunächst für die 1. Klassen, im Schuljahr 2006/07 wurde das auch auf die 2. Klassen ausgedehnt. Die Schulen können diese zusätzlichen Lehrerstunden für eine Frequenzabsenkung, für Doppelsteckung oder Teilungsstunden verwenden – auf jeden Fall kommt sie Kindern und Lehrkräften zugute. Zusätzlich gibt es in solchen Jahrgängen eine weitere zusätzliche Stunde Deutschunterricht.
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Alle Gesamtschulen zu Ganztagsschulen ausgebaut (2006)
Alle gemeinsam zu bestmöglichem Bildungserfolg – das ist das Kurzkonzept der Gesamtschule. Für ein Mehr an Zeit sind in Berlin seit dem 1. August 2006 nicht nur alle 400 Grund-, sondern auch alle 49 Gesamtschulen Ganztagsschulen. Rhythmisierter Unterricht, Entspannungszeiten und Zeiten für Hausaufgabenbetreuung und vielfältige Anregung zu anspruchsvoll gestalteter Freizeit mit Arbeitsgemeinschaften und Clubs, die auch von außerschulischen Trägern angeboten werden machen die Schule zum Lern und Lebensort – für mehr Spaß am Lernen und ein Mehr an Bildungserfolg.
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Arbeitsprogramm Hauptschule (2005)
In Berlin schaffen 10 % mehr Jugendliche das Abitur als in Bayern, in Berlin besuchen 10% eines Jahrgangs die Hauptschule – in Bayern mehr als das Doppelte. Hauptschule ist eine Schule mit Chancen – sie ist weitaus besser als andere Schulformen mit Personal ausgestattet: 1 Lehrkraft für ca. 9 Schüler. Das ist gut und richtig so – denn hier kommen Kinder und Jugendliche zusammen, die familiär, sozial und bildungsbiographisch nicht die besten Startchancen hatten. Um sie noch besser zu Unterstützung, wurde 2005 das Arbeitsprogramm Hauptschule aufgelegt: mehr Praxisorientierung, mehr Förderung und Forderung in Bildung und Erziehung, Sozialarbeiter an jede Hauptschule, Zusammenwachsen mit Realschulen. So geht es vorwärts in einer schwierigen Schulform, die – das hat das Beispiel Rütli-Schule gezeigt – mit den richtigen Personen und der richtigen Motivation einen guten und selbstbewussten Weg gehen kann.
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Mittlerer Schulabschluss für alle (ab 2006) - ersetzt den Realschulabschluss
Mehr Transparenz: Der Mittlere Schulabschluss (MSA) wird – für alle gleich – in allen Schularten der weiterführenden Schule abgelegt. Er ersetzt den Realschulabschluss.
Vorteile: Schulen, Schülerinnen und Schüler, Eltern und Ausbildungsbetriebe wissen, woran sie sind, denn die Abschlüsse sind nun vergleichbar.
Die neu eingeführte Präsentationsprüfung birgt zusätzliche Chancen für die Jugendlichen, erworbene Kompetenzen einzubringen.
Die Erfahrungen mit dem ersten MSA waren positiv.
Eine Prüfung, die alle bestehen, ist keine Prüfung; auch im MSA zeigen sich Berlins Ansprüche an Qualität: 78 % haben den MSA bestanden. Besonders bemerkenswert: Gut vorbereitet haben 3 % mehr Hauptschüler als bislang diesen Abschluss geschafft. Die Schulen erhielten genaue Rückmeldung z.B. über Defizite in mathematischen Kompetenzen – hier werden jetzt gezielt Fortbildungen angeboten.
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Verkürzung der Zeit zum Abitur auf 12 Jahre (an Gesamtschulen weiter 13 Jahre möglich)
Unsere Kinder kommen zu spät aus der Schule, zu spät in den Job – im europäischen Vergleich. Neben der Stellschraube „frühere Einschulung“ wurde auch am Ende der Schulzeit optimiert: Die Siebtklässler des Schuljahres 2006/07 werden an Gymnasien das Abitur bereits nach 12 Jahren ablegen. Die Stunden des 11. Jahrgangs wurden auf die Jahrgänge 5-10 als zusätzliche Stunden verlagert – für alle. In Berlin kommen also auch Kinder, die nicht das Abitur anstreben, in den Genuss dieses Mehr an Unterricht.
Wer nicht so schnell ist oder später durchstartet, behält seine Chancen: An Gesamtschulen ist das Abitur weiterhin nach 13 Jahren möglich.
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Zentralabitur (ab 2007)
Viele Länder haben es schon – ab Frühjahr 2007 nun auch Berlin: Das Zentralabitur. In den Fächern Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen wird mit zentraler Aufgabenstellung geprüft. Das schafft Vergleichbarkeit und Gerechtigkeit. Und es entlastet die Lehrkräfte, die selbst keine Abituraufgaben mehr entwerfen müssen. Berlin ist mit seiner Abiturquote von 39,6 % eines Jahrgangs Spitze. Die Quote stieg stetig an. Allein um mehr als 3 % in den letzten drei Jahren – ein Zeichen für bessere Qualität und mehr Leistungsbereitschaft.
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Regelmäßige Vergleichsarbeiten in allen Schulformen
Messen allein hilft nicht – natürlich, aber eine valide Datenlage gibt detaillierte Rückmeldung, die der erste Schritt ist, um Verbesserungen in Gang zu setzen. Berlin hat ein System von Vergleichsarbeiten und Lernstandstests installiert, das die Leistungsentwicklung jedes einzelnen Kindes, der Klasse, der Schule regelmäßig überprüft und dieses an die Schule zurückmeldet. Dieses Wissen muss Konsequenzen haben – Diskussion in schulischen Gremien, problemangemessene Maßnahmen zur Veränderung, erneute Überprüfung.
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Transparenz sowie interne und externe Überprüfung der Schulqualität
Was gab es vor 5 Jahren an Maßnahmen zur Qualitätsüberprüfung und –entwicklung an Berliner Schulen? Fehlanzeige! In einem Land, das für Qualitätsarbeit bekannt ist, kann auch Schule nicht länger ausgenommen werden.
Neben der gewachsenen Bereitschaft, sich internationalen Vergleichsstudien zu stellen und dem System von Orientierungs- und Vergleichsarbeiten sind viele wirksame Qualitätsinstrumente installiert worden, die einem Paradigmenwechsel nahe kommen: Schulen schärfen mit ihrem -> Schulprogramm ihr Profil, setzen sich Ziele und überprüfen, ob sie sie erreichen. Seit 2006 ist eine -> Schulinspektion etabliert. Teams aus Lehrkräften, Schulleitern, Eltern, der IHK und den Unis überprüfen die Qualität einer jeden Schule im 5-Jahresturnus und geben Anregung zu Verbesserungen. Das neu eingeführte -> Schulporträt auf unseren Seiten im Internet veröffentlicht standardisierte Daten über die einzelne Schule und schafft so mehr Transparenz auch für Eltern bei der Suche nach einer geeigneten Schule für ihr Kind. Dort werden auch „harte“ Daten zum Unterrichtsausfall veröffentlicht, der in Berlin durch gemeinsame Anstrengung auf dem niedrigsten Stand seit 1999 ist – aber natürlich trotzdem noch zu hoch.
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Konzept zur vielfältigen Förderung Hochbegabter (2004)
Berlin hat ein ausgefeiltes Konzept zur Förderung besonders begabter und hoch begabter Kinder und Jugendlichen. Dabei wird fein abgestimmt: So viel Separation wie nötig, so viel Integration wie möglich. Berlin bietet Superschnellläuferklassen, die in 11 Jahren zum Abitur führen, Durchlässigkeit, Klassen zu überspringen bzw. einzelne Fächer in nächst höheren Klassenstufen zu besuchen. Die vier Hochbegabten-Netzwerke Nord, Süd, West, und Ost ermöglichen kurze Weg und Zugang zu Projekten und zusätzlichem Nachmittagsunterricht in Begabtengruppen. Jährlich finden auf der Insel Scharfenberg erfolgreiche Sommercamps für Hochbegabte statt, von denen Kinder, Lehrkräfte, Wissenschaftler und Eltern begeistert sind.
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Stärkung der Mitbestimmung von Eltern und Schülerinnen und Schülern sowie externer Kompetenz (Schulkonferenz)
Berlin hat mit seinem neuen Schulgesetz die Mitbestimmung von Eltern und Schülerinnen und Schülern weiter gestärkt und zeigt damit: Sie sind neben den Lehrkräften mitentscheidende und mitverantwortliche Akteure von Schule und können viel bewegen. Höchstes Entscheidungsgremium der Schule ist die Schulkonferenz, besetzt zu jeweils einem Drittel mit Lehrkräften, Eltern und Schüler/innen sowie einer externen, nicht zur Schule gehörenden kompetenten Person.
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Schulen erhalten Vertretungsreserve (2007)
Schulen erhalten mehr Mittel und Verantwortung mit neuer Vertretungsreserve. Ab dem Schuljahr 2007/2008 kann jede Schule auf freiwilliger Basis in eigener Verantwortung für kurzfristige Vertretung sorgen. Schulen, die sich für diese dezentrale Vertretungssteuerung entscheiden, erhalten einen Etat in Höhe von drei Prozent ihres Unterrichtsbedarfs – entsprechend etwa 1.350 Euro pro Vollzeitstelle. Aus diesen Mitteln können sie befristete Einstellungen finanzieren, die bis zu drei Monate dauern können. Wenn Lehrerinnen und Lehrer länger als drei Monate ausfallen und die Ausstattung der Schule dadurch unter 100 Prozent fällt, finanziert das Land eine befristete Einstellung.
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Konzept für Kinderschutz beschlossen (2007)
Jeder Fall von Verwahrlosung und Vernachlässigung von Kindern ist einer zu viel. Die schlimmen Fälle in der Vergangenheit zeigen, dass die Kinder und Jugendlichen in Hilfesystemen betreut wurden, die aber nicht immer wie erforderlich funktionierten. An irgendeiner Stelle wurden Informationen nicht weitergereicht, andere Behörden nicht einbezogen oder es wurde zu einem späteren Zeitpunkt nicht noch einmal nachgeschaut. Klar ist: Es darf keine Sackgassen geben und keiner darf sich die Hände in Unschuld waschen.
Der Senat verfolgt das Ziel, den Kinderschutz weiter zu verbessern, risikohafte Entwicklungen frühzeitiger zu erkennen und schneller zu handeln. Er hat deshalb ein Konzept für ein Netzwerk Kinderschutz beschlossen. Das erfordert eine verbesserte Zusammenarbeit insbesondere zwischen Kinder- und Jugendgesundheitsdiensten, Kinderärzten, Jugendämtern, Kindertageseinrichtungen, Schulen, Gerichten und Polizei. Dafür werden Haushaltsmittel in Höhe von mehr als 1,1 Mio. Euro eingesetzt. Mit diesem Netzwerk nimmt Berlin eine Vorreiterrolle im Kampf gegen Verwahrlosung und Vernachlässigung ein.
Außerdem wurde eine zentrale „Hotline-Kinderschutz“ unter der Telefonnummer 610066 freigeschaltet. Die Hotline ist rund um die Uhr von Kinderschutzberatern besetzt. Bei jeder eingehenden Meldung nehmen die Beraterinnen und Berater eine Risikoeinschätzung vor und leiten gegebenenfalls Kinderschutzmaßnahmen ein.
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