Legal, illegal, ganz egal? – Cannabis-Aufklärung bleibt zwingend

Pressemitteilung vom 07.12.2016

Die Debatte um eine Legalisierung oder Regulierung von Cannabis führt in der öffentlichen Wahrnehmung zu einer Verharmlosung der Droge. Dabei kann Cannabis, je nach Häufigkeit und Dosierung des Konsums, vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen weitreichende Folgen für die physische und psychische Entwicklung haben. Daher bleibt eine umfassende Aufklärung über die Risiken der Droge weiterhin notwendig.

Hier setzt die Aufklärungskampagne „Zu breit?“ der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales an. Unter www.zu-breit.de finden Berlinerinnen und Berliner umfassende Informationen zu Wirkung, Risiken und möglichen Folgen des Cannabiskonsums. Seit Ende September sind die giftgrünen Zu-Breit? Plakate mit den skurrilen Cartoons im ganzen Stadtgebiet präsent und sollen vor allem Jugendliche auf das Thema und die Website aufmerksam machen.

Und Aufklärung tut tatsächlich Not. Eine repräsentative Umfrage* im Auftrag der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales hat ergeben:

  • 43 Prozent der Bevölkerung wissen nicht, dass Cannabis die emotionale Reifung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen blockieren kann.
  • 34 Prozent meinen, dass Cannabis als reines Naturprodukt unbedenklicher ist als andere Suchtmittel.
  • Nur 37 Prozent der Berliner Eltern machen sich Sorgen, wenn ihr minderjähriges Kind kifft.
  • Trotzdem fordern 74 Prozent der Berliner Eltern, dass ein risikobewusster Umgang mit Cannabis in der Schule stärker thematisiert werden sollte.

Die Berliner Landesdrogenbeauftragte Christine Köhler-Azara sieht hier jedoch das gesamte soziale Umfeld von Jugendlichen gefordert: „Auch Eltern sollten sich einbringen und mit ihren Kindern über Cannabis sprechen. Auch für sie bietet unsere Website www.zu-breit.de wichtige Basisinformationen sowie ein breites Angebot an Links zu Beratungs- und Hilfsangeboten. Angesichts der aktuellen Debatte um eine mögliche Legalisierung oder regulierte Abgabe von Cannabis bleibt Aufklärung unverzichtbar. Nur wer die nötigen Informationen hat, kann eine verantwortungsvolle und risikobewusste Haltung zu Cannabis entwickeln und den eigenen Konsum kritisch hinterfragen.“

Chancen und Risiken der Legalisierung

In den USA, wo bereits in mehreren Bundesstaaten Cannabis legal erhältlich ist, konnte der illegale Beschaffungsmarkt weitgehend ausgehebelt werden. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen**, dass seit der Aufhebung des Verbots der Cannbiskonsum bei Minderjährigen zugenommen hat. Das zeigt, wie wichtig umfassende Aufklärung bleibt. Christine Köhler-Azara: „Wir haben einen breiten gesellschaftlichen Konsens über die Gefahren von übermäßigem Alkoholkonsum bei Jugendlichen – Stichwort Komasaufen. Hier werden Präventionsmaßnahmen allgemein akzeptiert. Beim Thema Cannabis sind die Gefahren insbesondere für Jugendliche noch nicht hinreichend bekannt. Deswegen haben wir mit unserer Aufklärungskampagne Zu-Breit? einen Vorstoß in die Öffentlichkeit unternommen, und wollen damit vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, aber auch Eltern, Lehrer und Erzieher erreichen. Unser Ziel ist es, mit den zahlreichen Mythen und Halbwahrheiten über Cannabis aufzuräumen und tatsächliche ebenso wie potentielle Cannabis-Konsumenten zur kritischen Reflexion anzuregen.“

Über die Kampagne

Seit September 2016 läuft die landesweite Aufklärungskampagne Zu-Breit? der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales. Auf www.zu-breit.de kann man sein Wissen über Cannabis im Quiz unter Beweis stellen, im Schnelltest das eigene Konsumverhalten einordnen und auch erfahren, wieviel Wahrheit hinter den zahlreichen Cannabis-Mythen steckt. Außerdem gibt es zahlreiche Links zu Berliner Beratungsstellen und Therapieangeboten.

Über die Umfrage

*Die repräsentative Befragung wurde im September 2016 vom Marktforschungsinstitut promio.net durchgeführt. 1.069 Berliner und Berlinerinnen haben sich beteiligt, davon sind 53 Prozent Eltern und weitere 12 Prozent haben beruflich mit Kindern zu tun.

Quellen

** http://www.suchtschweiz.ch/aktuell/medienmitteilungen/article/regulierung-des-cannabis-markts-von-a-anchorage-bis-z-zuerich/