Weltnichtrauchertag 2012: Berliner Infokampagne über ausbeuterischen Tabakanbau in Entwicklungsländern

Pressemitteilung vom 30.05.2012

Anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai informiert die Projektgruppe des Landesprogramms „Berlin qualmfrei“ über die Folgen des Tabakanbaus in Entwicklungsländern. „Lass Dich nicht einwickeln! Rauchen kennt nur einen Gewinner: die Tabakindustrie“ ist das diesjährige Motto des Weltnichtrauchertags.

An diesem Tag wird auf die Menschen aufmerksam gemacht, die an den Folgen des Tabakkonsums sterben. Das sind bundesweit jährlich 140.000. Hinzu kommen rund 3.300 Nichtraucherinnen und Nichtraucher, die wegen Passivrauchens sterben müssen. Es gibt jedoch noch andere Verlierer – diejenigen, die den Tabak anbauen. Unter erbärmlichen Bedingungen in den ärmsten Regionen der Erde mit hohen gesundheitlichen Risiken wird der Tabak auf Plantagen angebaut und geerntet. Die Akteure des Landesprogramms „Berlin qualmfrei“ wollen darauf aufmerksam machen und verteilen 10.000 Infocards und Plakate in Berliner U-Bahnen, in öffentlichen Einrichtungen der Berliner Bezirke und in Krankenhäusern.

Der Senator für Gesundheit und Soziales Mario Czaja : „Ich begrüße diese Kampagne, da sie Raucherinnen und Raucher dazu anregt, sich mit den unterschiedlichen Folgen des Tabakkonsums auseinanderzusetzen. Nicht nur die eigene Gesundheitsgefährdung, auch die sozialen Folgen in den tabakexportierenden Ländern sind Themen, auf die die Fachstelle für Suchtprävention zu Recht aufmerksam macht.“

Die Tabakproduktion und der Tabakhandel haben für Entwicklungsländer große Bedeutung. So steht z. B. Malawi, eines der ärmsten Länder der Welt (Human Development Index: Platz 166), mit 118.000 Tonnen produzierten Tabak (70% der gesamten Exporterlöse) an achter Stelle der tabakexportierenden Länder. Auf die Festlegung auf den Tabakanbau in Entwick-lungsländern folgen Bodenverarmung, Ausbeutung der Bevölkerung, Kinderarbeit und die gesundheitliche Gefährdung, auch durch den Einsatz von Pestiziden. Allein in Malawi arbeiten etwa 78.000 Kinder auf Tabakplantagen. Aber auch in Brasilien, Indien, den USA und anderen Ländern ist Kinderarbeit im Tabakanbau weit verbreitet. Die Tabakindustrie versucht häufig, das Rauchen mit Weltoffenheit, Charme, Lässigkeit und Charakterstärke zu assoziieren – Eigenschaften, die sich mit der Ausbeutung von Kindern in der sogenannten „dritten Welt“ nicht vereinbaren lassen. Auch Jugendliche sind sich mehr und mehr dieser Tatsache bewusst. Einige haben in einer Diskussion im Rahmen des Schulunterrichts einen bekannten Slogan der Tabakindustrie kreativ in „Don’t be a bloodsucker“ umgewandelt.

Kerstin Jüngling , Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention: „Der Imagewandel des Tabakrauchens zeigt sich auch in aktuellen Zahlen. Die Raucherquote von Jugendlichen ist im Jahr 2011 mit 11,7 % auf einen historischen Tiefstand gesunken. Diesen Trend wollen wir fortführen und möchten mit der diesjährigen Kampagne Jugendliche sowie Raucherinnen und Raucher dazu bewegen, Stellung zu beziehen.“