Was wissen Sie über das Leben frauenliebender Frauen in den 1950er und 1960er Jahren? Broschüre über Aspekte der Erforschung gesellschaftlicher Ausgrenzung und Diskriminierung lesbischer Frauen in der frühen Bundesrepublik erschienen

Pressemitteilung vom 03.12.2015

Zur Veröffentlichung der neuen Broschüre der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen erklärt Senatorin Dilek Kolat: „In den letzten Jahren haben sich Politik und Öffentlichkeit in Deutschland verstärkt mit der Situation der nach 1945 gem. §175 wegen einvernehmlicher sexueller Handlungen strafrechtlich verurteilten schwulen Männer beschäftigt. Über die Lebenssituationen und Diskriminierungserfahrungen lesbischer Frauen in der frühen Bundesrepublik ist jedoch kaum etwas bekannt.“

Zwar standen lesbische Liebe und Sexualität nicht unter Strafe, doch akzeptiert wurde sie keinesfalls. Die seit dem Nationalsozialismus fortbestehende Repression gegen jegliche Lebensweise, die nicht dem klassischen Familienbild und dem Ideal der Hausfrauenehe entsprach, setzte sich in den 1950er Jahren fort.

In der nun vorgelegten Expertise von Dr. Christiane Leidinger ist zusammengestellt, was über Lebens- und Diskriminierungserfahrungen lesbischer Frauen in der frühen Bundesrepublik bisher bekannt ist. Zudem wird konkret benannt, welche Aspekte wichtig sind und wie vorzugehen ist, um dieses kaum wahrgenommene Kapitel deutscher Frauen- und Homosexuellengeschichte weiter zu erforschen.

Um heute Diskriminierung zu bekämpfen und vorzubeugen, ist es wichtig, staatliche und gesellschaftliche Ausgrenzungsprozesse der Vergangenheit zu erkennen und zu verstehen. Die Dokumentation und Erforschung von Lebensgeschichten, wie dies vom Senat mit dem Projekt „Archiv der anderen Erinnerungen“ der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld unterstützt wird, stellt dazu einen weiteren Baustein dar.

„Zeitzeuginnen, die damals jung waren, sind heute im Seniorinnenalter, manche hochbetagt. Ich möchte sie mit dieser Veröffentlichung ausdrücklich ermutigen, ihre Geschichte zu erzählen – teilen Sie Ihre Erinnerungen mit uns!“ so Kolat weiter.

Im Rahmen der Weiterentwicklung des Berliner Aktionsplanes gegen Homo- und Transphobie, kurz: Initiative Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, ist es dem Berliner Senat ein Anliegen, die Geschichte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen zu erforschen, zu dokumentieren, in der Öffentlichkeit sichtbar und für die Bildung der nachfolgenden Generationen zugänglich zu machen.

Kostenfreier Bezug der 124-seitigen Broschüre „Lesbische Existenz 1945-1969“ ( Nr. 34 in der Schriftenreihe des Fachbereichs für die Belange von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen – LSBTI) über den Buchhandel (ISBN: 978-3-9816391-5-5) oder bei der Broschürenstelle der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung (LADS), Oranienstraße 106, 10969 Berlin; broschuerenstelle@senaif.berlin.de, Tel. 030 9028 1866. Barrierefreie Online-Version: www.berlin.de/lb/ads/schwerpunkte/lsbti/materialien/schriftenreihe