Arbeitssenatorin Kolat: Betriebe müssen mehr ausbilden!

Pressemitteilung vom 21.10.2014

Die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen legt das Betriebspanel 2013 vor. Dabei handelt es sich um eine repräsentative Arbeitgeberbefragung in Berlin auf der Grundlage eines bundeseinheitlichen Fragenkatalogs.

Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen erklärt: „Die Ergebnisse des Betriebspanels stellen für uns eine wichtige Ergänzung der amtlichen Statistik dar. Sie ermöglichen einen tieferen Einblick in betriebliche Beschäftigungsprozesse und machen diese damit transparenter.“ Dilek Kolat ergänzt: „Gerade in einer dynamischen und wachsenden Stadt wie Berlin sind solche zusätzlichen Erkenntnisse von großer Bedeutung, um die Ausrichtung, die Ziele und Initiativen unserer Arbeitsmarktpolitik zu überprüfen und an den Erfordernissen der betrieblichen und Arbeitsmarktentwicklung zu messen.“

Zu den wichtigsten Ergebnissen des Betriebspanels Berlin 2013 gehören:

1. Die Entwicklung des Berliner Arbeitsmarkts ist insgesamt positiv

Die Anzahl der Betriebe in Berlin ist weiter gestiegen und hat mit 90 136 einen neuen Höchstwert erreicht. Mit der gestiegenen Anzahl von Betrieben hat auch die Anzahl der Beschäftigten in Berlin zugenommen. Seit dem Jahr 2005 stieg die Zahl der Beschäftigten um rund 17 Prozent an und dies deutlich kräftiger als im Bundesdurchschnitt mit rund 13 Prozent. Besonders erfreulich: Berlin verzeichnet vor allem eine deutliche Zunahme von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen. So gab es im Jahr 2013 in Berlin rund 21 Prozent mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse als noch 2005. Auch hier lag Berlin klar über dem Bund mit rund 12 Prozent.

2. Nachfrage nach Fachkräften weiterhin hoch

Rund jeder dritte Betrieb (32 Prozent) hatte die Absicht, qualifizierte Fachkräfte neu einzustellen – also für Tätigkeiten, die eine Berufsausbildung oder einen Hochschulabschluss voraussetzen. Die Anzahl der nachgefragten Fachkräfte lag im ersten Halbjahr 2013 mit etwa 90 000 leicht unter dem Vorjahresniveau (rund 100 000). Es ist also noch immer ein großer Bedarf vorhanden. Berlin folgte damit der bundesweiten Entwicklung, die ebenfalls durch eine leicht nachlassende Fachkräftenachfrage gekennzeichnet war. Trotz der leichten Abschwächung lag der Bedarf der Berliner Wirtschaft auf dem zweithöchsten Stand seit 2000. Für die Berliner Betriebe ist es auch zunehmend schwieriger geworden, den Fachkräftebedarf vollständig zu decken. Besonders gravierend ist die so genannte Nichtbesetzungsquote, also der Anteil der unbesetzten Stellen an allen angebotenen Fachkräftestellen. Danach wurden in Berlin 30 Prozent der Stellen nicht besetzt (im Bund sind es 24 Prozent).

3. Betriebe gehen für Fachkräfte Kompromisse ein

Fast jeder dritte Betrieb, der im ersten Halbjahr 2013 neue Fachkräfte eingestellt hat, machte bei mindestens einer der vorgenommenen Einstellungen Kompromisse. Die betroffenen Betriebe antworteten auf die Frage nach Art und Häufigkeit der eingegangenen Kompromisse wie folgt: Am häufigsten wurde von diesen Betrieben ein höherer Einarbeitungsaufwand genannt, der aufgrund der geringeren fachlichen Qualifikation der Bewerber und Bewerberinnen höher als ursprünglich vorgesehen war. Ebenso bedeutsam war betriebsinterne Weiterbildung, wodurch fehlende fachliche Qualifikation ausgeglichen wurde. An dritter Stelle stand die Reduzierung der Ansprüche an die fachliche Qualifikation. Etwa jeder fünfte Betrieb machte Zugeständnisse hinsichtlich der Bezahlung. Fast ebenso viele Betriebe passten sich an die Arbeitszeitvorstellungen der Bewerber und Bewerberinnen an.

4. Ausbildungsbeteiligung der Berliner Betriebe ist völlig unzureichend

Von allen Betrieben in Berlin bilden lediglich 19 Prozent aus (im Bund sind es 29 Prozent). Damit ist ein neuer Tiefstand erreicht (im Jahr 2012 waren es noch 21 Prozent). Die Erhebungen des Betriebspanels zur Ausbildungsbeteiligung basieren dabei auf einer sehr weit gefassten Definition „Ausbildungsbetrieb“. Hier wird etwa auch der geplante Abschluss von Ausbildungsverträgen berücksichtigt.

5. Atypische Beschäftigungsformen auch weiterhin Herausforderung

Der Anteil atypischer an allen Beschäftigungsverhältnissen lag auch 2013 in Berlin bei 42 Prozent und hielt damit den Höchststand vom Vorjahr. Im Bund lag der Anteil gegenüber dem Vorjahr ebenfalls gleich bei 39 Prozent. Unter atypische Beschäftigungsformen fallen etwa Teilzeittätigkeiten, befristete Beschäftigungsverhältnisse und Mini-Jobs. Viele Menschen sind vor allem in Teilzeitbeschäftigungen (in Berlin sind es 15 Prozent, im Bund 14 Prozent), Mini-Jobs (in Berlin 10 Prozent, im Bund 12 Prozent) und befristeten Arbeitsverhältnissen (in Berlin 12 Prozent, im Bund 8 Prozent) beschäftigt. Der Anteil der Mini-Jobs hat sich dabei seit 2010 von 7 auf 10 Prozent erhöht und ist damit deutlich angestiegen. Im selben Zeitraum lag der Anstieg im Bundesdurchschnitt bei 1 Prozentpunkt auf 12 Prozent. Damit waren in Berlin anteilig etwas weniger Beschäftigte in Mini-Jobs tätig als im Bundesdurchschnitt. Mini-Jobs sind in der Berliner Wirtschaft vor allem in den Dienstleistungsbereichen verbreitet. Die im Betriebspanel als „Übrige Dienstleistungen“ bezeichnete Branche (u.a. Gaststätten, Beherbergungsgewerbe sowie überwiegend persönliche Dienstleistungen) weist den mit Abstand höchsten Anteil von Minijobs an allen Beschäftigten auf: Bei fast jedem vierten Arbeitsplatz (24 Prozent) handelt es sich hier um einen Minijob. Teilzeittätigkeit ist besonders stark in Branchen mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil weiblicher Beschäftigter verbreitet, wie z. B. dem Gesundheits- und Sozialwesen. Rund drei Viertel der Beschäftigten sind dort weiblich. In diesem Bereich arbeitet mehr als die Hälfte aller Beschäftigten auf Teilzeitarbeitsplätzen.

Dilek Kolat, Senatorin für, Arbeit Integration und Frauen erklärt:

Es ist inakzeptabel, dass immer weniger Betriebe ausbilden wollen. Dieser Zustand gefährdet perspektivisch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, ist kontraproduktiv für den Wirtschaftsstandort und die soziale Metropole Berlin. Wir brauchen dringend ein Umdenken und einen Mentalitätswechsel bei den Unternehmen. Wer Fachkräfte will, muss ausbilden!

Die Nachfrage und Suche nach Fachkräften eröffnet auch arbeitslosen Berlinerinnen und Berlinern Chancen, durch wirksame und nachhaltige Qualifizierung neue Beschäftigungsperspektiven zu geben. Vor diesem Hintergrund weisen die Ansätze der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, wie etwa das Jobcoaching und die Qualifizierungsförderung, in die richtige Richtung.

Unsere Maßnahmen und Initiativen zeigen, welchen Stellenwert wir der Ausbildung beimessen: von der Berufsorientierung, über die Verbundausbildung bis zum Mentoring und dem angestrebten Aufbau einer Jugendberufsagentur. Dies alles soll dazu beitragen Jugendliche gezielt zu fördern, damit keiner und keine verloren geht, und Unternehmen zu unterstützen, Ausbildungsplätze zu schaffen. Wir haben uns mit BerlinArbeit ehrgeizige Ziele gesetzt. Die Zahl der Erwerbslosen wird gesenkt mit der Maßgabe, die Arbeitslosenzahl unter die Marke 200 000 zu bekommen und die Quote der Jugendarbeitslosigkeit auf unter 10 Prozent. Unsere Zwischenbilanz 2014 belegt: Die wirtschaftliche Dynamik, das gemeinsame Handeln der Partnerinnen und Partner und das Programm BerlinArbeit zeigen Wirkung. Der Berliner Arbeitsmarkt entwickelt sich positiv.

Über das Betriebspanel

Das Betriebspanel als bundesweite Arbeitgeberbefragung gibt es in den alten Bundesländern seit 1993 und seit 1996 auch in den neuen Bundesländern und auch in Berlin.

Im Jahr 2013 fand diese Befragung in Berlin zum 18. Mal statt. Die Befragung übernahm das Institut TNS Infratest Sozialforschung. Das Institut für sozialökonomische Strukturanalysen (SÖSTRA) erstellte den Auswertungsbericht für Berlin.

In Berlin wurden 800 Betriebe und bundesweit 16 000 Betriebe befragt. Anschließend erfolgte eine Hochrechnung auf die etwa 90 000 Betriebe in Berlin und 2,1 Millionen Betriebe bundesweit.

Onlineversion Betriebspanel 2013.