Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen stellt Studie über Diskriminierungserfahrungen schwuler und bisexueller Männer vor

Pressemitteilung vom 05.06.2013

Heute hat die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen eine Studie über Lebenssituationen und Diskriminierungserfahrungen schwuler und bisexueller Männer vorgestellt. Hierzu sagte die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat: „Schwule und bisexuelle Männer erfahren nach wie vor Diskriminierung und Gewalt. Dies beeinträchtigt ihre Lebensqualität erheblich. Schwule und bisexuelle Männer brauchen ein akzeptierendes soziales Umfeld und eine spürbare Wertschätzung durch die Gesellschaft.“

Zwei Drittel der befragten schwulen und die Hälfte der bisexuellen Männer berichten von Diskriminierungen wegen ihrer sexuellen Orientierung. Jeder zehnte schwule Mann ist mindestens einmal im Leben Opfer von Straftaten wie Erpressung und Gewalt geworden. Diskriminierungen finden insbesondere am Arbeitsplatz, im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie in der Familie statt. Zu den Diskriminierungserfahrungen gehört beispielsweise, dass die sexuelle Orientierung der Befragten ignoriert wird oder dass individuelle Verhaltensweisen imitiert und lächerlich gemacht werden. Auch von sexuellen Anspielungen und direkten Beleidigungen wird berichtet. Straftaten wie Bedrohungen, Erpressungen, körperliche und sexuelle Gewalt gehen häufig von Unbekannten im öffentlichen Raum aus.

„Die Studie zeigt, dass der Kampf gegen Homophobie verstärkt fortgeführt werden muss. Mit der Initiative zur Akzeptanz sexueller Vielfalt bekämpft Berlin Homophobie und fördert die Akzeptanz gegenüber schwulen und bisexuellen Männern. Dazu gehört insbesondere die antigewalt- und Antidiskriminierungsarbeit zu stärken.“ so Kolat weiter.

Deutlich belegt wird, dass Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen das psychische Wohlbefinden der Befragten erheblich beeinträchtigen. Allerdings mildern sich die negativen Folgen ab, wenn die Betroffenen den Stress bewältigen können, indem sie aktiv werden, Hilfe suchen und Unterstützung im sozialen Umfeld und ihrer Community finden. Belastend wirkt sich auch die strukturelle Diskriminierung durch die Gesellschaft aus. Ein Beispiel sind die unterschiedlichen Rechte für Ehen und Lebenspartnerschaften. Alle Befragten lehnen solche strukturellen Ungleichbehandlungen durch die Gesellschaft ab.

Die nicht repräsentative sozialpsychologische Studie wurde von der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung im Rahmen der Initiative „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ in Auftrag gegeben und von Dr. Anne Bachmann / Universität Kiel durchgeführt. Online teilgenommen haben bundesweit 1.042 schwule und 121 bisexuelle Männer im Alter von 16 bis 77 Jahren.

Die Studie „Lebenssituationen und Diskriminierungserfahrungen schwuler und bisexueller Männer“ im Internet: /lb/ads/schwerpunkte/lsbti/materialien/index.php

Kostenfreier Bezug einzelner Druckexemplare: Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, Broschürenstelle, Oranienstr. 106, 10969 Berlin, Tel. 030 9038 2892