Landeskonzept Berufs- und Studienorientierung

Im März 2015 hat der Senat von Berlin das Landeskonzept Berufs- und Studienorientierung beschlossen. Damit ist das Ziel verbunden, dass künftig alle Berliner Schülerinnen und Schüler ihren Voraussetzungen und Möglichkeiten entsprechende, systematische Angebote zur Berufs- und Studienorientierung erhalten, um die Berufswahlkompetenz zu verbessern und so die allgemeinbildende Schule mit einer konkreten Anschlussperspektive zu verlassen.

Das setzt voraus, dass Betriebe, Unternehmen der Sozialwirtschaft oder Hochschulen usw. als Lernorte noch stärker in den Mittelpunkt der Berufsorientierung gerückt werden. Dafür sieht das Landeskonzept ein Modell der qualifizierten Vierstufigkeit vor, bei dem die Stufen aufeinander aufbauen:

  • Jahrgang 7

    Betrieblicher Erstkontakt / Betriebserkundung halbtägig,
    in mehreren Berufsbereichen

  • Jahrgang 8

    Kurzpraktika in Neigungsgruppen,
    Berufspraktische Erprobungen in mehreren Berufsbereichen in Lehrwerkstätten bei Bildungs-dienstleistern, Betrieben / Oberstufenzentren

  • Jahrgang 9

    Betriebspraktikum
    (Integrierte Sekundarschule: 3 Wochen,
    Gymnasium: 2 Wochen)

  • Jahrgang 10

    Vertiefendes Betriebspraktikum in einem Betrieb

Das „Modell der qualifizierten Vierstufigkeit“ soll die Berufsorientierung systematisieren und dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler ein möglichst breites Spektrum an Berufsfeldern und in den Betrieben die Praxis kennenlernen. Dieses Modell hat zum Ziel, die Berufswahlentscheidung von Schülerinnen und Schülern zu verbessern. Das Programm „Berliner vertiefte Berufsorientierung“ (BVBO) wurde auf Basis dieser qualifizierten Vierstufigkeit angepasst und zum Schuljahr 2015/2016 in angepasster Form umgesetzt.

Das Landeskonzept ist Ergebnis eines übergreifenden Abstimmungsprozesses zwischen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen sowie der Bundesagentur für Arbeit. Konstruktiv begleitet haben diesen Prozess Vertreterinnen und Vertreter der Gewerkschaften, der Wirtschaftsverbände und -kammern sowie der Hochschulen. Dementsprechend geht das Landeskonzept auch darauf ein, welche Aufgaben die jeweiligen Institutionen bei der Berufs- und Studienorientierung erbringen.

Neben den Leitlinien der Berufs- und Studienorientierung an den Berliner Schulen formuliert das Landeskonzept auch die Qualitätsstandards, die der Berufs- und Studienorientierung zugrunde liegen. Diese treffen Aussagen zu

  • Rahmenlehrplan und schulinternem Curriculum,
  • Kompetenzfeststellung als Voraussetzung für eine individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler,
  • der kontinuierlichen Dokumentation des Berufsorientierungsprozesses im Berufswahlpass.

Dabei wird die Fortbildung der Lehrkräfte genauso berücksichtigt, wie die strukturellen Voraussetzungen am Schulstandort, wie z.B. zu den an allen Schulstandorten einzurichtenden Büros der Berufs- und Studienorientierung.

Dabei setzt das Landeskonzept den Rahmen, weist jedoch gleichzeitig darauf hin, dass jede Schule ihr schulinternes, den Gegebenheiten und Erfordernissen vor Ort entsprechendes Curriculum entwickelt. Welche Angebote vor Ort vorzuhalten sind, ist im Landeskonzept jeweils spezifisch für die einzelnen Schulformen als Mindestangebot ausgewiesen. Diese Mindestangebote werden durch optionale Angebote ergänzt, die die Schule bei Bedarf nutzen kann. Folgerichtig wurden im Nachgang auch die diversen, in Finanzierung des Landes und der Bundesagentur für Arbeit befindlichen Programme der Berufs- und Studienorientierung, gemäß dem Landeskonzept modifiziert.

Die Berliner Schule nimmt bei der beruflichen Orientierung eine überaus wichtige Rolle ein, die sich im Landeskonzept für Berufs- und Studienorientierung widerspiegelt.

Ab dem Schuljahr 2015/2016 werden an den Integrierten Sekundarschulen Teams aus Expertinnen und Expertengebildet. Diese setzen sich zusammen aus:

  • einer Koordinatorin oder einem Koordinator für Berufs- und Studienorientierung,
  • einer Berufsberatungsfachkraft der Agentur für Arbeit sowie
  • einer Lehrkraft der beruflichen Schulen.

Diese Berufs- und Studienorientierungs-Teams (BSO-Teams) beraten und unterstützen Schülerinnen und Schüler bei der konkreten Anschlussgestaltung in der beruflichen Qualifizierung. Darüber hinaus können Eltern sowie Lehrkräfte ebenso Beratung und Unterstützung durch das BSO-Team erhalten.

Auch die Gymnasien sind von Beginn an systematisch eingebunden. Die Vielfalt der Studienangebote ist heute so groß, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern nach Orientierungshilfen fragen. Studienabbrüche können nicht nur durch bessere Betreuung an den Hochschulen verringert werden, sondern auch durch eine individuellere Orientierung vor dem Studium. Abiturientinnen und Abiturienten gehen auch in eine berufliche Ausbildung und werden dabei – genauso wie alle Schülerinnen und Schüler, die nicht in die gymnasiale Oberstufe übergehen oder die Oberstufe abbrechen – durch die BSO-Teams beraten und unterstützt.