Fachkräftesicherung in der Altenpflege

Die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen beobachtet bereits seit einigen Jahren sehr intensiv die Entwicklung der Arbeitsbedingungen im Dienstleistungssektor und ist bemüht, die Arbeitgeberseite über die nachhaltig positiven Effekte des Prinzips „Gute Arbeit“ aufzuklären. Dabei wurde auch die Altenpflege in den Fokus genommen. Insbesondere hier gilt es gute Arbeitsbedingungen durchzusetzen, da die berufliche Tätigkeit für die Beschäftigten sowohl physisch als auch psychisch mit erheblichen Belastungen verbunden ist und der Bedarf an Fachkräften in den nächsten Jahren weiter erheblich ansteigen wird. Nur mit guten Arbeitsbedingungen wird es gelingen, eine ausreichende Anzahl von qualifizierten Beschäftigten für die Branche Altenpflege zu gewinnen und die Daseinsvorsorge Pflege in ausreichender und guter Qualität sicherzustellen.

Auch in Berlin gibt es einen demografischen Wandel: Die Bevölkerung wird einerseits internationaler, heterogener und jünger und andererseits nimmt gleichzeitig die Anzahl der älteren und der hochbetagten Menschen zu und damit der Pflegebedarf. Gemäß Prognosen wird die Anzahl pflegebedürftiger Menschen in Berlin von 112.500 im Jahr 2013 bis 2030 auf rund 170.000 ansteigen. Das ist ein Zuwachs von einem Drittel von Menschen, die Betreuung und Pflege benötigen. Entsprechend steigt der prognostizierte Fachkräftebedarf in der Pflege um fast 50 Prozent in den nächsten 15 Jahren.

Durch die Initiativen der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen erhält die stark fragmentierte Branche der Altenpflege zahlreiche Unterstützungsangebote zur Gestaltung einer proaktiven und innovativen Personalentwicklung. Über Fachdialoge, Netzwerkveranstaltungen und praxisnahe Publikationen werden entsprechende Impulse gesetzt und der Transfer in und innerhalb der Branche befördert.

Zugang zu einer Fachkraftausbildung eröffnen: Ausbildung Pflegeassistenz

Zahlreiche Interessierte entscheiden sich erst in einem fortgeschrittenen Lebensalter für eine Berufstätigkeit in der Pflege, manchmal fehlen auch formale Voraussetzungen, um eine Ausbildung zur Pflegefachkraft aufzunehmen. Über die modellhaft durchgeführte eineinhalbjährige Ausbildung Pflegeassistenz ist es gelungen, eine Durchlässigkeit im System der Pflegeberufe herzustellen. Bei der Erfüllung bestimmter Voraussetzungen können auch Interessentinnen und Interessenten ohne bzw. ohne anerkannten Schulabschluss die praxisorientierte Ausbildung Pflegeassistenz absolvieren. Sie erwerben mit dem erfolgreichen Abschluss gleichzeitig die allgemeine Berufsbildungsreife. Im Anschluss kann eine um ein Jahr verkürzte Ausbildung zur Pflegefachkraft absolviert werden. Damit ist ein entscheidender Schritt zum Aufbau einer qualifizierten Tätigkeit in der Pflege für Beschäftigte in angelernten Tätigkeiten getan und ein wesentlicher Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in der Pflege geleistet.

Tarifvertragliche Strukturen für die Altenpflege in Berlin wichtiges Ziel

Flächendeckende tarifvertragliche Strukturen sind in der Altenpflege bisher nicht vorhanden. Die beiden großen kirchlichen Sozialwerke Diakonie und Caritas wenden ihre Arbeitsvertragsrichtlinien an, Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt und der Paritätische Wohlfahrtsverband sind tarifvertraglich gebunden, aber ansonsten ist kaum eine private Altenpflegeeinrichtung in Berlin in der Tarifbindung. Die Senatsarbeitsverwaltung ist bestrebt, alle Bemühungen zu unterstützen, die auf die Schaffung tarifvertraglicher Strukturen in der Altenpflege in Berlin gerichtet sind. Sie hat dazu – ausgehend vom seit 2013 bestehenden Berliner Bündnis für Altenpflege – bereits Gespräche mit wichtigen Akteuren wie der Gewerkschaft ver.di, mit Mitgliedern der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege, mit Arbeitgeberverbänden und mit einzelnen Pflegeeinrichtungen geführt. Tarifvertragliche Strukturen sind nicht nur ein wesentlicher Garant für verbreitete angemessene Arbeitsbedingungen und einen stabilen Wettbewerbsrahmen. Im sozialpartnerschaftlichen Dialog sind die Tarifvertragsparteien sehr viel besser in der Lage, passgenaue branchenspezifische Lösungen für ihren Wirtschaftsbereich zu schaffen, als der Gesetzgeber dies durch allgemeine Regelungen vermag. Diese positiven Wirkungen tarifvertraglicher Regelungen sollten auch den Beschäftigten in der Altenpflege in stärkerem Maße als bislang zugutekommen.

Runder Tisch (Ausbildungs)tarifvertrag Pflege ins Leben gerufen

Die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen hat am 10. August 2015 zu einem ersten „Runden Tisch (Ausbildungs-)Tarifvertrag Pflege“ geladen, um die Schaffung tarifvertraglicher Strukturen in der Altenpflege zu unterstützen. Ziel ist es, zunächst über einen Tarifvertrag für Auszubildende Kontakte und erste umfängliche tarifvertragliche Strukturen zu schaffen, die später möglichst erweitert werden können. Die Senatsverwaltung wird diesen Prozess, bei dem die zentrale Rolle und Verantwortung den Sozialpartnern im Pflegebereich zukommt, weiter moderierend befördern.