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Imagebild der Kampagne mit sechs Jugendlichen

Rechtspfleger/innen nehmen neben Richter/innen Aufgaben der Rechtspflege wahr, die ihnen vom Gesetzgeber übertragen wurden. Sie führen zum Beispiel Zwangsversteigerungen durch oder klären, ob es Erben für einen Nachlass gibt. Sie entscheiden über Räumungsschutzanträge von Mieterinnen und Mietern, die ihre Wohnung räumen müssen, aber wegen unzumutbarer Härte einen Aufschub erbeten haben, oder sie überwachen Insolvenzverfahren und prüfen die Arbeit der Treuhänderin oder des Treuhänders. Rechtspfleger/innen werten Gutachten aus, setzen Termine an, berechnen Kosten, laden Beteiligte, betreuen Nachlassverfahren, unterweisen und kontrollieren bei Vormundschaften die Vormundin bzw. den Vormund und bei Betreuungen die Betreuerin bzw. den Betreuer oder sie leiten ein Gericht als Geschäftsleiter/in. In ihren Entscheidungen sind Rechtspfleger/innen unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen. Sie können als befangen abgelehnt werden und ihre Beschlüsse können nur über den Rechtsmittelweg angefochten werden. Ihre Arbeit ist abwechslungsreich, verantwortungsvoll und weisungsfrei. Neben Staatsanwält/innen nehmen Rechtspfleger/innen auch Aufgaben im Bereich der Strafvollstreckung wahr und sorgen für die Umsetzung von Strafurteilen, vorrangig von Geld- und Freiheitsstrafen.


Rechtspflegerin Madlen Franke am Schreibtisch. Im Bild ihr Zitat 'Mir gefällt, dass mein Beruf der Gemeinschaft dient. Das macht meine Arbeit sinnvoll.'
MADLEN FRANKE
ist Rechtspflegerin am Amtsgericht Pankow-Weißensee. Als sie ihre ersten eigenen Entscheidungen treffen durfte, hat sie „die Akten noch fünf Mal ganz genau angeschaut, ob auch wirklich alles so stimmt.“ Inzwischen hat sie Routine entwickelt und schätzt an ihrem Beruf insbesondere den Abwechslungsreichtum: „Ich bin mir sicher, dass man auch nach zwanzig Jahren im Beruf noch immer Situationen erlebt, die man so noch nicht hatte.“ In ihrer Ausbildung arbeitete sie zunächst am Familiengericht, „wo insbesondere eine gute Menschenkenntnis und Empathie gefragt ist“. Aktuell ist sie in der Insolvenz- und Zwangsvollstreckung eingesetzt – „dem genauen Gegenteil: Es gibt für alles Gesetzesvorgaben und Rechtsprechungen, im Fokus stehen vor allem die Zahlen, nicht so sehr die Menschen.“

Rechtspfleger Mario Khoury-Chaumar am Schreibtisch. Im Bild sein Zitat 'Ich sehe nicht nur Paragraphen, ich sehe die Menschen hinter den Fällen'
MARIO KHOURY-CHAUMAR
ist Rechtspfleger bei der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz. Dort kümmert sich der ausgebildete Informatiker um die Einführung einer digitalen Aktenverwaltung. Keinesfalls eine alltägliche Aufgabe für einen Rechtspfleger. Doch genau das schätzt Khoury-Chaumar: „Jeder, der bereit ist, sich einzubringen und etwas zu leisten, wird von der Berliner Justiz gefördert und hat die Chance, in besonders spannenden Bereichen eingesetzt zu werden.“