Ernst Reuter: So ehrt ihn Berlin
Reuter-Ehrungen in Stichworten
Historische Fussnote
Aus Anlass des 50. Todestags Ernst Reuters bereitet die Senatskanzlei u.a. einen Festakt und eine Ausstellung vor, die vom 22. September bis zum 30. Oktober 2003 im Roten Rathaus zu sehen sein wird. "Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!" - dieser Satz aus Reuters Rede vom 9. September 1948 auf der großen Kundgebung auf dem Platz der Republik vor dem Reichstag ist berühmt. Die Rede können Sie auf Berlin.de hören: Download.
© Landesarchiv
Der Redner: Ernst Reuter bei seiner historischen Rede vor dem Berliner Reichstag am 9. September 1948.
Der Regierende Bürgermeister
Klaus Wowereit hatte bereits im April gemeinsam mit dem Schulleiter der Ernst-Reuter-Oberschule in Mitte, Ulrich Kopitzki, aufgerufen, für eine Schülerausstellung Erinnerungsstücke zur Verfügung zu stellen. Nach dem überraschenden Tod des ersten Regierenden Bürgermeisters am 29. September 1953 in seinem Haus in der Bülowstraße in Berlin-Zehlendorf hat die Stadt ihrem Stadtoberhaupt auf vielerlei Weise gedacht. Rathaus aktuell hat ohne Anspruch auf Vollständigkeit eine Liste von Ehrungen zusammengestellt.
© Landesarchiv
Mit der legendären Baskenmütze und seinem Gehstock: Ernst Reuter auf dem Bahnhof Zoo. Das Foto ist undatiert.
© Senatskanzlei
Juli 2003: Das Haus, in dem der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter lebte und 1953 starb. Die Bülowstraße 33 liegt in Zehlendorf, in der Nähe des Mexiko-Platzes.
Reuter-Ehrungen in Stichworten
Plakette:
Mit der von
Richard Scheibe
geschaffenen
Ernst-Reuter-Plakette zeichnet der Senat von Berlin in- und ausländische Persönlichkeiten für kommunale Verdienste oder für Verdienste in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik oder Kunst aus. Das beschloss der Senat von Berlin am 1. Oktober 1953.
Platz:
Der Platz am "Knie" wurde bereits am 1. Oktober 1953 in
Ernst-Reuter-Platz
umbenannt.
Bahnhof:
Der Platz-Umbenennung folgte die Namensgebung für den
U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz
.
© http://www.bernhard-heiliger-stiftung.de/
Die "Flamme" von Bernhard Heiliger: Erinnerungsmal an Ernst Reuter.
Denkmal:
Auf dem freien Platz vor dem Architekturgebäude der TU steht als symbolisches Erinnerungsmal an Ernst Reuter die 1962/63 geschaffene Bronzeplastik
Flamme
von Bernhard Heiliger. Marc Wellmann, Kurator der
Bernhard-Heiliger-Stiftung
, schreibt in einem Aufsatz über dieses Denkmal:
"Am Ende des Jahres 1960 wurde vom Senat bekannt gegeben, dass Bernhard Heiliger im Hinblick auf den zehnjährigen Todestag des Politikers mit der Ausarbeitung einer Reuter-Gedenkstätte vor dem geplanten TU-Institut für Architektur Ecke Marchstraße beauftragt worden war. Der Künstler mußte sowohl auf die Person als auch auf die städtebauliche Funktion des Platzes reagieren. Auf den Ernst-Reuter-Platz führt die Straße des 17. Juni 1953 zum Gedenken an den DDR-Volksaufstand. Zudem war die Bebauung des im Krieg völlig zerstörten Areals ein architektonisches Forum des Westens, das als Gegenentwurf zum Strausberger Platz auf der Stalin-Allee in Ost-Berlin galt. Die Form und Bedeutung von Bernhard Heiligers Flamme kann nur vor dem Hintergrund des Kalten Krieges verstanden werden, der seit dem Beginn des Mauerbaus am 23. August 1961 in ein bedrohliches Stadium getreten war.
Heiligers erster Entwurf vom September 1961 sah eine circa neun Meter hohe Bronzestele vor, hinter der ein Betonsockel mit einem überlebensgroßen Porträtkopf Ernst Reuters aufragen sollte. Diese in der Presse als "Feuersäule" bezeichnete Konstruktion wurde im Sommer 1962 von einem zweiten und endgültigen Entwurf abgelöst, der die geschilderten topgraphischen und ikonographischen Beziehungen weitaus wirksamer aufnahm. Die Idee mit dem Bronzekopf wurde zugunsten eines rein abstrakten Symbols fallengelassen. Heiliger entwickelte eine dynamisch in den Himmel strebende Form, bei der die Motive einer auflodernden Flamme und eines schwingenden Flügelpaares miteinander verschmolzen wurden. In dieser kühnen Komposition klangen nicht nur die mit Reuter verbundene "Flamme der Freiheit" und das bekannte Friedenssymbol an, sondern es wurde in durchaus pathetischer Weise ein geradezu trotziges Selbstbewusstsein der ummauerten Stadt formuliert. In diesem Sinne lassen sich auch ikonographische und formale Bezüge zur "Nike von Samothrake" feststellen, jener auf einem Schiffsbug landenden Siegsgöttin, die in einem Gipsguß seit 1956 im Lichthof der Technischen Universität steht.
Die damals größte Bronzeplastik Deutschlands wurde in der Gießerei Noack gegossen und in einer mehrwöchigen Arbeit hinter einem Sichtschutz im Boden verankert. Am 28. September 1963 enthüllte der Regierende Bürgermeister Willy Brandt die Plastik und übergab sie in einem Festakt der Bevölkerung, zu dem sich trotz nasskalten Wetters mehrere tausend Menschen eingefunden hatten. In seiner Ansprache betonte Brandt: "Das Aufwärtsstrebende dieser Skulptur mag Sinnbild sein für das Leben und das Werk des großen Bürgermeisters, Sinnbild für den immerwährenden Kampf für die Freiheit des Menschen." Gleichzeitig lehnte Brandt es ab, von einer Gedenkstätte zu sprechen, denn die Flamme symbolisiere zugleich die Gegenwart und Zukunft der Stadt: "Dies ist ein Stück lebendiger Berliner Wirklichkeit und ein Wahrzeichen des Mutes und der Zuversicht." Schließlich verwies er auf die in die Granitplatten des Sockels gemeißelten Worte Ernst Reuters: "Frieden kann nur in Freiheit bestehen." Am Ende des Festakts wurden die im Boden eingelassenen Scheinwerfer angemacht, die die Flamme zum ersten Mal gewissermaßen anzündeten.
Gedenktafel:
An Reuters Wohnhaus in der Bülowstraße 33 (Steglitz-Zehlendorf) wurde eine Erinnerungstafel angebracht.
© Senatskanzlei
Vom Efeu umrankt: Die Reuter-Gedenktafel an seinem früheren Haus in der Bülowstraße 33.
Ehrengrab:
Reuters
Ehrengrab
befindet sich auf dem Waldfriedhof Zehlendorf 14129 Berlin, Potsdamer Chaussee 75 / Wasgensteig (Grablage: 038-485) in Berlin-Nikolassee (Senatsbeschluss vom 15. November 1954).
Schule:
Die heutige Gesamtschule in der Stralsunder Straße im Wedding, in Reuters Wahlkreis, wurde in
Ernst-Reuter-Schule
umbenannt.
Sportfeld:
1953 angelegt wurde das Ernst-Reuter-Sportfeld, an dem das Vereinsgelände von
Hertha 03
Zehlendorf liegt.
Stadion:
Das Ernst-Reuter-Stadion gehört zum Areal des Ernst-Reuter-Sportfelds.
Kraftwerk:
Der Senat beschloss am 3. Oktober 1953 die Namensgebung
Kraftwerk Reuter
für das Kraftwerk West beschlossen.
Haus:
Außerdem beschloss der Senat am 3. Oktober 1953 die Benennung des 1938 als Verwaltungsgebäude für den Deutschen Gemeindetag errichteten Hauses des Deutschen Städtetags an der Straße des 17. Juni in
Ernst-Reuter-Haus
.
Jugendherberge:
Die
Ernst-Reuter-Jugendherberge
ist in Tegel beheimatet.
Gesellschaft:
Die
Ernst-Reuter-Gesellschaft
widmet sich den ehemaligen Absolventen der Freien Universität Berlin.
Preis:
Die Ernst-Reuter-Gesellschaft vergibt den
Ernst-Reuter-Preis
für hervorragende Dissertationen.
Tag:
Die Übergabe des Ernst-Reuter-Preises erfolgt am
Ernst-Reuter-Tag
, dem Geburtstag der FU.
Büsten:
Am 22. März 1954 schrieb der Senat einen beschränkten Wettbewerb "unter namhaften Berliner Bildhauern" für eine
Ernst-Reuter-Büste
für das Rathaus Schöneberg aus. Gewinner dieses Wettbewerbs war der Bildhauer
Bernhard Heiliger
. Mehr über die mehr als zehn in Berlin vorhandenen Reuter-Büsten finden Sie im Rathaus aktuell über die
Reuter-Büste im Roten Rathaus.
Gemälde:
Ferner beschloss der Senat im März 1954 die Anfertigung eines Porträt-Gemäldes für den Senatssitzungssaal; vermutlich dieses Ernst-Reuter-Bild des Künstlers Felix Ebel hängt im Goldenen Saal des Rathauses Schöneberg. Im Reuter-Nachlass im Landesarchiv befindet sich ein weiteres Reuter-Porträt Ebels. Ein anderes
Ernst-Reuter-Porträt von Eddy Smith hängt in den Amtsräumen des Regierenden Bürgermeisters im Berliner Rathaus.
Schallplatten:
Ebenfalls auf die Senatssitzung vom März 1954 zurück geht das Projekt einer für jedermann erschwinglichen Schallplatte mit einer Reuter-Rede; im Besitz des Landesarchivs befinden sich zwei Reuter-Schallplatten, eine mit der
Rede vor dem Reichstag und eine mit Ansprachen Reuters aus der Sendereihe "Wo uns der Schuh drückt".
Linde:
Auf Grundlage eines Senatsbeschlusses wurde am 29. Juli 1954 die am 17. März 1949 von Ernst Reuter als Startzeichen zur Wiederaufforstung des Tiergartens gepflanzte Linde am Großen Stern in Anwesenheit von Hanna Reuter in
Ernst-Reuter-Linde
umbenannt und mit einem Gedenkstein versehen.
Eiche:
Aus Anlass der Kranzniederlegung am 1. Todestag Reuters am 29. September 1954 pflanzte der Vize-Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, Franz Amrehn, im Namen der Ernst-Reuter-Gesellschaft eine Eiche an Reuters Grab; heute stehen dort noch Birken.
Siedlung:
Am 18. Juli 1954 bekam eines der ersten im Zuge des Wiederaufbaus abgeschlossenen Wohnungsbauprojekte, die Neubausiedlung Ackerstraße am Gesundbrunnen, den Namen
Ernst-Reuter-Siedlung
; an Reuter erinnert eine Büste, die die Witwe Hanna Reuter in Anwesenheit von Bundespräsident Theodor Heuss enthüllt.
Briefmarken:
Am 18. Januar 1954 hat die Deutsche Post Berlin eine Reuter-Marke herausgegeben. Weitere Reuter-Marken der Deutschen Bundespost Berlin folgten am 29. September 1958 und am 13. Juli 1989. Hier sehen Sie die drei Briefmarken in der chronologischen Reihenfolge ihres Erscheinens von links nach rechts:
© Senatskanzlei
Saal:
Der
Ernst-Reuter-Saal
im Rathaus Reinickendorf wurde von 1954 bis 1957 geplant und gebaut.
Studentenheim:
Die Bürgermeister-Reuter Stiftung betreibt in der Trift- bzw. Sparrstraße das
Ernst-Reuter-Studentenheim
.
Stiftungen:
Die
Bürgermeister-Reuter-Stiftung
betreibt Arbeitnehmer- und Studentenwohnheime, wurde allerdings noch von Ernst Reuter selber gegründet. Anlässlich des 25. Todestags von Reuter haben das Land Berlin und das Wissenschaftskolleg zu Berlin e.V. die |Wissenschaftsstiftung Ernst Reuter zur Förderung des Kollegs begründet.
Werke:
In vier Bänden erschien 1972 bis 1975 die Ausgabe der "Schriften und Reden" Ernst Reuters.
Biografie:
Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt zeichnete gemeinsam mit Richard Löwenthal 1957 als Autor der Ernst-Reuter-Biografie "Ernst Reuter - ein Leben für die Freiheit".
Nachlass:
Den Nachlass Ernst Reuters verwahrt das
Landesarchiv Berlin
.
Ausstellung:
Im Berliner Rathaus war vom 23. September bis zum 30. Oktober 2003 eine
Ernst-Reuter-Ausstellung aus Anlass seines 50. Todestages zu sehen. Die Ausstellung wurde vom
Landesarchiv Berlin
in Zusammenarbeit mit der Senatskanzlei konzipiert.
© Landesarchiv
9. Juli 1949: Reuter mit Bockwurst auf der Messe "Rund um den Kreuzberg".
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Historische Fussnote
Der Senat von Berlin hat auf seiner Sitzung vom 22. März 1954 eingehend über die Ehrung Ernst Reuters beraten. Grundlage war der Bericht eines Senatsausschusses.
In diesem Bericht wurde zunächst festgestellt, welche Ehrungen zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgt waren. Dazu gehörten die Benennungen bzw. Umbenennungen der Schule, des Platzes, des Kraftwerks, des Ernst-Reuter-Hauses sowie die Herausgabe der Briefmarke. Beschlossen wurden auf dieser Sitzung: Die Ausschreibung des Wettbewerbs für die Büste, die Ernst-Reuter-Plakette, die Herausgabe der Schallplatte, die Umbenennung der Linde im Tiergarten, die Beschaffung des Gemäldes und die Benennung der Siedlung.
Von Interesse ist ebenso, welche Vorschläge, die in dem Bericht enthalten waren, der damalige Senat verworfen hat: Die Onkel-Bräsig-Schule in Britz, Tagungsort des SPD-Parteitags, wurde nicht nach Reuter benannt. Nicht beschlossen wurden im März 1954 ferner die Schaffung eines Denkmals sowie weitere Straßen-Umbennungen. Namentlich war die damalige Berliner Straße (heute Otto-Suhr-Allee) vorgeschlagen worden, wobei hervorgehoben worden war, dass diese Straße auf den Ernst-Reuter-Platz hinführe. Nicht durchsetzen konnte sich der Gedanke, die Freie Universität in Ernst-Reuter-Universität umzubenennen. Auch die Benennung des Studentenheims Eichkamp in Internationale Jugendstadt Ernst-Reuter fand keine Zustimmung. Ebensowenig fand die Idee Anklang, auf dem Ernst-Reuter-Platz zum Gedächtnis eine Kerze aufzustellen " dieser Vorschlag erfolgte möglicherweise in Bezug darauf, dass die Bevölkerung nach dem Eintreffen der Todesnachricht Kerzen ins Fenster gestellt hatte. Ebenfalls verworfen wurde die Idee, das "Franksche Freiheitsbekenntnis", das vom Sender RIAS verbreitet wurde, durch ein Freiheitsbekenntnis aus dem Munde Ernst Reuters zu ersetzen.
Rathaus aktuell dankt dem Landesarchiv Berlin für die Unterstützung bei den Recherchen.
© Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Das Ehrengrab Ernst Reuters und seiner Frau Hanna auf dem Waldfriedhof in Berlin-Nikolassee.
Einen Überblick über die Regierenden Bürgermeister Berlins und über die Oberbürgermeister nach 1945 sowie über die Stadtoberhäupter seit der Steinschen Städtereform Anfang des 19. Jahrhunderts mit zahlreichen historischen Porträts und Fotografien aus den Beständen des Landesarchivs Berlin finden Sie auf www.Berlin.de auf den Seiten mit dem Titel
Berlin und seine Bürgermeister.
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