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Koalitionsvereinbarung 2011-2016

II. Politikfelder

1. Kraftvolles Berlin: Starke Wirtschaft. Gute Arbeit.

Das oberste Ziel unserer Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik ist die Schaffung von Arbeitsplätzen mit einem auskömmlichen Einkommen und gesicherten Arbeitnehmerrechten für alle Berlinerinnen und Berliner. Die Koalition will in Berlin Beschäftigung für alle und setzt darauf, Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Mit besonderen Anstrengungen widmen wir uns den Berlinerinnen und Berlinern, die seit langer Zeit ohne Arbeit oder reguläre Beschäftigung sind. Wir wollen die Zahl der qualifizierten und gering qualifizierten Arbeitslosen im Rahmen der Berliner Joboffensive deutlich reduzieren.

Die Grundlage allen wirtschaftlichen Handelns ist für uns eine leistungsfähige Infrastruktur. Wir werden wichtige Verkehrsprojekte wie den Ausbau der A 100, die Tangentialverbindung Ost und die Fertigstellung und Anbindung des Flughafens Willy Brandt realisieren. Zudem werden wir für dringend notwendige Straßensanierungen und einen reibungslosen innerstädtischen Verkehrsfluss sorgen. Die Schienenverkehrsverbindungen in Richtung Norden, Süden und Osten müssen verbessert werden. Die Koalition unterstreicht die Bedeutung von leistungsfähigen Datennetzen und wird sich für deren Ausbau einsetzen.

Die Koalition will gemeinsam mit Industrie, Dienstleistungsunternehmen, Handwerk, Gewerkschaften und Verbänden das Gründungs- und Wirtschaftsklima in Berlin verbessern. Hierbei wollen wir die bereits vorhandene Wirtschaftsentwicklung Berlins weiter unterstützen und den Wirtschaftsstandort sozial und ökologisch gestalten, Bürokratie weiter abbauen, Entscheidungswege verkürzen und helfen, weitere Netzwerke zu organisieren.

Wir setzen auf die Kommunikation mit Unternehmen, Gewerkschaften und Belegschaftsvertretungen, Wirtschaftsverbänden und Kammern, Bürgerinnen und Bürgern. Wir werden Berlins Wirtschaftsförderung und die damit verbundenen Institutionen stärken und profilieren und sie auch auf die Unterstützung, Aufstiegschancen und die ökonomische Absicherung von Frauen ausrichten.

Die Koalition wird eine konsequente Berliner Frauenpolitik verfolgen. Gleichstellung und gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine aktive Frauenförderung sind dabei Grundsätze des gemeinsamen Handelns der Koalition. Wir wollen die Gleichstellung der Geschlechter in allen Bereichen der Gesellschaft verwirklichen und gute Perspektiven für Frauen schaffen.

  • Wir wollen Berlin als Standort für Zukunftsindustrien und -technologien weiterentwickeln.
  • Wir stärken Mittelstand, Handwerk und Handel.
  • Wir setzen uns für gute und existenzsichernde Arbeit ein.
  • Wir werden die Arbeitsmarktpolitik mit dem Programm „BerlinArbeit“ neu ausrichten.
  • Wir stärken die Gleichstellung und fördern die beruflichen Aufstiegschancen von Frauen.

Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt verbessern

Die Koalition stellt ihre Wirtschaftspolitik unter die Prämisse: gute dauerhafte Arbeitsplätze für alle. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hat für uns oberste Priorität bei der Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung und Ansiedlungspolitik. Unser Ziel ist es, die Menschen, die bislang von Transfereinkommen abhängig sind, in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Wir wollen die Anzahl der Empfänger von Lohnersatzleistungen in den nächsten fünf Jahren deutlich reduzieren.

Zusammen mit den Gewerkschaften, Verbänden und Kammern wollen wir erreichen, dass die Belebung der Berliner Wirtschaft allen Berlinerinnen und Berlinern zugute kommt. Vor allem aber wollen wir die Wirtschaft stärken und damit zukunftsfähige Arbeitsplätze, die gerechte und existenzsichernde Löhne und gesunde, faire Arbeitsbedingungen sicherstellen. Mit ökonomischer und sozialer Eigenständigkeit von Frauen wollen wir Armut von Frauen im Alter verringern und verhindern.

Wir wollen die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der modernen industriellen Produktion, im Dienstleistungsbereich, im Handel und im Handwerk anregen und Berlinerinnen und Berliner gezielt für den Fachkräftebedarf der Unternehmen qualifizieren. Besonders wichtig für die Fachkräftesicherung sind Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Aus-und Weiterbildung in Betrieben und zur Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie für Weiterbildung gerade für jene Beschäftigtengruppen, die ohne Berufsabschluss in un- und angelernten Tätigkeiten Beschäftigung finden.

Die Koalition hält an dem Vergabegesetz fest. Der Senat soll künftig in regelmäßigen Abständen einen Vergabebericht vorlegen, der die Wirkung des Gesetzes sowie die Arbeit der Vergabestellen und der im Gesetz vorgesehenen Kontrollkommission untersucht. Auf dieser Grundlage soll eine Evaluierung in den nächsten zwei Jahren durchgeführt werden.

Der im Vergabegesetz festgeschriebene Mindestlohn für öffentliche Aufträge wird durch den neuen Senat auf 8,50 Euro angehoben. Das für Wirtschaft zuständige Mitglied des Senats berichtet dem Senat jährlich, ob die im Gesetz vorgesehene Ermächtigung des Senats, den Mindestlohn nach Vergabegesetz wegen veränderter wirtschaftlicher und sozialer Verhältnisse anzupassen, jeweils zu nutzen ist und legt einen entsprechenden Vorschlag vor. Dazu sind die Sozialpartner zu hören.

Wir setzen uns für eine Reform der europäischen Entsenderichtlinie und des europäischen Vergaberechts mit der Verpflichtung, die Vergabe öffentlicher Aufträge an die Zahlung von Tariflöhnen sowie weitere soziale Kriterien zu binden, ein.

Wir wollen nicht anstelle von Dauerarbeitsplätzen ausufernde Zeitarbeit und immer mehr befristete Beschäftigungsverhältnisse, Scheinselbstständigkeit und schlecht bezahlte Praktika. Wir wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit gewährleisten.

Neben der grundsätzlichen Regelung des Einheitlichen Ansprechpartners im Land Berlin soll das ergänzende Angebot eines Einheitlichen Ansprechpartners für mobile Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, insbesondere im Rahmen der EU-Dienstleistungsrichtlinie, der beim DGB ressortiert, fortgeführt werden.

Berlin – Standort für moderne Industrien

Eine starke Industrie ist die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins. Deshalb wollen wir die im „Masterplan Industriestadt Berlin 2010–2020“ gesetzten Ziele umsetzen.

Der Steuerungskreis Industriepolitik beim Regierenden Bürgermeister hat die Weichen für einen neuen industriepolitischen Dialog in Berlin erfolgreich gestellt. Die Koalition will den Dialog zwischen Politik, Kammern, Unternehmensverbänden und Gewerkschaften fortführen.

Das Instrument der Berliner Wirtschaftskonferenz hat sich als wichtiges Forum der Berliner Wirtschaftspolitik etabliert. Wir wollen die Vorbereitung und Durchführung der Konferenz im Rahmen der „Wachstums-Initiative 2004–2014“ mit der Arbeit des Steuerungskreises Industriepolitik verzahnen.

Zukunftsorte weiterentwickeln

Wir entwickeln Berlin mit hoher Priorität zu einem Standort für Zukunftsindustrien und -technologien. Hierfür wollen wir die Berliner Kompetenzfeldstrategie um das Konzept der Zukunftsorte erweitern. Ein abgestimmtes Clustermanagement und einheitliche Planungen sollen dabei helfen, auch andere freie Flächen zu entwickeln und mit wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Leben zu erfüllen. Dabei orientieren wir uns an erfolgreichen Standorten wie Adlershof (Wista), Buch (Campus) oder Marzahn (Clean-Tech Business Park). Geeignete Flächen in Charlottenburg (Charlottenburger Gründungs-und Innovationszentrum, CHIC), Dahlem (Technologiezentrum Südwest), Oberschöneweide, auf dem Tempelhofer Feld, dem Areal des Flughafens Tegel oder nördlich des Hauptbahnhofs in Mitte wollen wir zu regionalen Wirtschaftszentren rund um Hochschulen und Industriebetriebe ausbauen.

Am Standort des künftig geschlossenen Flughafens Tegel wollen wir durch die Ansiedlung eines Forschungs-und Industrieparks für Zukunftstechnologien neues Wachstum generieren. Dieses Areal soll zu einem Standort für urbane Technologien und für die Forschung, Entwicklung und Produktion regenerativer Energien werden. Das bundesweite Cluster der E-Mobility kann hier ausgezeichnete Rahmenbedingungen erhalten. Der Wirtschaftsstandort Tegel wird so zu einem weiteren Leuchtturm Berlins. Hier wollen wir technisch ausgerichtete Hochschulen, wie z. B. die ausgelagerten Teile der Beuth Hochschule für Technik Berlin, bündeln oder Teile der Technischen Universität integrieren. Dabei unterstützen wir das professionelle Projektmanagement in enger Kooperation zwischen Politik, Unternehmen sowie Wissenschaft und Forschung.

Die Weiterentwicklung von Mediaspree stärkt den Wirtschaftsstandort Berlin.

Mittelstand, Handwerk und Handel

Selbstständige sowie mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer in Industrie, Handwerk, Handel, Dienstleistung und den freien Berufen sind Motor für Wachstum, Beschäftigung und Ausbildung in Berlin. Gemeinsam mit ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sorgen sie gleichzeitig mit Kreativität und Innovationen für die Wettbewerbsfähigkeit der Berliner Wirtschaft.

Gemeinsam mit den Kammern werden wir die Rahmenbedingungen für Mittelstand, Handwerk und Handel weiter verbessern. Mit kleinteiliger Auftragsvergabe der öffentlichen Hand und der energetischen Sanierung von Gebäuden schaffen wir die Rahmenbedingungen für neue Arbeitsplätze im regionalen Handwerk.

Wir werden das Handwerk durch verstärkte Kooperationen zwischen Unternehmen und Schule in allen Bezirken, Patenschaften sowie berufsbegleitende Programme unterstützen, jungen Menschen eine berufliche Perspektive zu geben. Mit diesem Programm werden wir die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen und die Abbrecherquote bei Ausbildungen senken und gleichzeitig die Zufriedenheit der Ausbildungsbetriebe steigern und damit dem drohenden Facharbeitermangel begegnen. Unter der Federführung der Senatsverwaltung für Wirtschaft und in enger Kooperation mit allen Beteiligten wird eine Koordinierungsstelle Wirtschaft-Schule für das Land Berlin dauerhaft etabliert.

Die Berliner Industriebetriebe haben eine deutliche Verstärkung der Ausbildung zugesagt. 2012 soll es mindestens 1.400 Ausbildungsplätze geben. Bis 2016 soll diese Zahl aus Sicht der Koalition auf 2.000 gesteigert werden. Die Koalition will hierzu einen Beitrag leisten, indem sie die Mittel für die Verbundausbildung verstetigt. Wir verbinden dieses Engagement mit der Erwartung, dass noch mehr Unternehmen in Berlin sich ihrer Verantwortung bewusst werden und zur Bewältigung des Fachkräftemangels ihr Engagement intensivieren.

Die Koalition setzt sich dafür ein, dass die Potenzialberatung für Betriebsräte und Unternehmensleitungen fortgesetzt wird. Das Frühwarnsystem hilft rechtzeitig, notwendige Strukturprobleme in Unternehmen zu erkennen und gegenzusteuern.

Die EU-rechtlichen Vergabeinstrumente „wettbewerblicher Dialog“ und „dynamisches Beschaffungssystem“ wollen wir in Berlin anwenden.
Netzwerke nach dem Vorbild des „Berliner Qualifizierungsnetzwerkes (BQN)“, das erfolgreich im öffentlichen Dienst und bei den landeseigenen Betrieben durchgeführt wird, wollen wir ausbauen.

Die Förderung „Meistergründungsprämie“ wird beibehalten, um damit Handwerker zu fördern, die erfolgreich die Meisterprüfung abgelegt, eine Existenzgründung vollzogen und innerhalb eines bestimmten Zeitraums Arbeitsplätze geschaffen haben.

Wir wollen für Betriebe, insbesondere des Handwerks, einen nutzerfreundlichen Parkausweis, z. B. als Betriebsvignette, für die gesamte Stadt schaffen. Dafür sind Kriterien festzulegen.

Zur Stärkung von Standortgemeinschaften in den Berliner Geschäftsstraßen wird die Koalition vor dem Hintergrund der Erfahrungen anderer Städte mit „Business Improvement Districts“ (BID) die Einführung eines Berliner BID-Gesetzes prüfen.

Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft weiter fördern

Wir werden durch Forschungsallianzen eine enge Verzahnung zwischen Unternehmen und Berliner Forschungs-und Hochschuleinrichtungen fördern. Durch das Instrument der Hochschulverträge wollen wir dazu beitragen, dass die Möglichkeiten für Kooperationen für Hochschulen und Industrie wachsen und bestehende Partnerschaften zwischen der Industrie, Dienstleistungsunternehmen und Einrichtungen der Wissenschaft weiterentwickelt und weitere gefördert werden. Dabei wollen wir erreichen, dass in Berlin ausgebildete Fachkräfte auch hier berufliche Perspektiven finden und die Unternehmen ihren steigenden Fachkräftebedarf befriedigen können. Unternehmen müssen noch stärker selbst in die Ausbildung von Fachkräften investieren und künftigen Fachkräften frühzeitig attraktive Arbeitsbedingungen anbieten. Hochschulen sollten sich im Dialog mit den Unternehmen an dem zu erwartenden Fachkräftebedarf der Unternehmen bei der Bereitstellung der Anzahl von Studienplätzen orientieren.

Wir werden mehr Berliner Hochschulabsolventinnen und -absolventen den Weg in Berliner Industriebetriebe ebnen. Zu diesem Zweck wollen wir die tatsächliche Vermittlungsleistung der vielfältigen Einrichtungen ermitteln und Modelle der Zusammenarbeit entwickeln und ggf. umorganisieren.

Die Koalition will zusammen mit den Berliner Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen einen Showroom „Berliner Wissenschaft“ an einem zentralen Ort organisieren.

Förderpolitik Berlin – Unternehmensservice

Für die Koalition ist der Mittelstand wichtiges Rückgrat der Berliner Wirtschaft. Wir wollen die vielen mittelständischen Betriebe mit unternehmensfreundlichen Rahmenbedingungen und einer wirtschaftsfreundlichen Verwaltung stärken.

Wir werden die eingeführten Angebote von Berlin Partner in den Bezirken weiter profilieren. Ziel ist es, die wichtigen Schnittstellen zwischen der Wirtschaft und der Verwaltung unternehmensfreundlich zu qualifizieren.

Das Zusammenspiel der Wirtschaftsverwaltung, Visit Berlin, Berlin Partner, TSB und IBB werden wir kritisch hinterfragen und als Zielstellung strategischer und verzahnter aufstellen, um die Förderung der Berliner Wirtschaft und Ansiedlungen zu optimieren. Die Aufgaben und Ziele der Technologiestiftung Berlin (TSB) werden hinsichtlich Fördermittelberatung, Netzwerkbildung und anderer Programme evaluiert, um diese Institution besser aufzustellen und die Förderung aus einer Hand gemeinsam mit Berlin Partner zu prüfen.

An den arbeitspolitischen Zielen der Koalition muss sich auch die einzelbetriebliche Förderung von Wirtschaftsunternehmen orientieren. Die Koalition will deshalb u. a. die GRW-Mittel-Vergabe evaluieren und weiter an qualitativen Kriterien ausrichten. Erfahrungen aus anderen Bundesländern sollen hierfür herangezogen werden. Die Sozialpartner werden künftig in den Entscheidungsprozess des GRW-Bewilligungsausschusses einzelwirtschaftlicher Förderung einbezogen.

Die Koalition will die Investitionsbank Berlin (IBB) profilieren und zu einer Partnerin der Berliner Unternehmen und Selbstständigen weiter ausbauen. Als Förderbank zur Ansiedlung, Expansion und Unterstützung der Berliner Wirtschaft wollen wir ihre Ausrichtung und die Unternehmensziele evaluieren. Die IBB ist ein Landesinstitut. Sie ist keine Privatbank mit einer gewinnmaximierenden Ausrichtung. Der Schwerpunkt der IBB sollte auf der Förderung von Investitionen liegen und sich tendenziell weniger am klassischen Bankgeschäft orientieren. Mit der IBB wollen wir Gründern und Unternehmen im Wachstum Wagniskapital (Venture Capital) bereitstellen bzw. vermitteln. Wir wollen das Fördergeschäft IBB, insbesondere die Kreditprogramme evaluieren und Bürokratie abbauen und damit die Kundenfreundlichkeit erkennbar erhöhen. Die IBB soll verstärkt gezielte Gründungsförderung durchführen, aber auch z. B. die Finanzierung von Wohnungsimmobilien und energetischer Gebäudesanierung.

Die gezielte Beratung und Unterstützung von Existenzgründerinnen werden wir aufgrund weiterhin existierender Unterschiede im Gründungsverhalten fortführen. Gerade auch hinsichtlich vieler erfolgreicher Migrantinnen und Migranten, die in Berlin Unternehmen etabliert haben, wollen wir die Ansprache an diese Mitbürgerinnen und Mitbürger erhöhen und zu noch mehr Existenzgründungen aufrufen. Wir wollen, dass das Produkt Mikrokredit weiter ausgebaut und mit einer unternehmensnahen Gründungsberatung das Entstehen neuer Unternehmen zusätzlich unterstützt wird. Generell wollen wir die Coaching-Unterstützung von KMU und insbesondere Unternehmen, die in der Gründungsphase sind, verbessern und mit geeigneten Maßnahmen und Angeboten begleiten, wie zum Beispiel durch Gründungsinkubatoren.

Für Unternehmen, bei denen das Land aufgrund der Eigentümerstellung oder Beteiligung die Handlungsleitlinien des Unternehmens definieren oder maßgeblich beeinflussen kann, sollen Handlungsleitlinien im Senat abgestimmt und koordiniert werden.

Messe-und Kongressstandort – Sanierung des ICC

Die Koalition setzt sich dafür ein, den Messe-und Kongressstandort Berlin aufgrund seiner internationalen Bedeutung dauerhaft abzusichern und weiterzuentwickeln.

Das Internationale Congress Centrum (ICC) wird saniert und anschließend in seiner heutigen Funktionalität als zentrales Kongresszentrum weiter genutzt. Während der Sanierung wird auf dem Gelände der heutigen Deutschlandhalle eine Ersatzkongresshalle errichtet, die nach der Wiedereröffnung des ICC im Rahmen der Messeveranstaltungen genutzt wird. Zu den Schlüsselinvestitionen zählen zudem die Bebauung der brachliegenden Grundstücke am Messedamm und die Neugestaltung des Zentralen Omnibusbahnhofs. Die angemessene städtebauliche und architektonische Gestaltung der Projekte mit Repräsentationsfunktion für die Messe und Entreewirkung für die westliche Innenstadt wird bei öffentlichen und privaten Vorhaben über die Durchführung von Gestaltungswettbewerben gesichert.

Kompetenzfeldstrategie fortführen

Die Koalition will die festgelegte Berliner Wachstums-und Kompetenzfeldstrategie mit den Feldern Biotechnologie/Biomedizin, Medizintechnik, Informations-und Kommunikationstechnologie/Medien, Optische Technologien/Mikrosystemtechnik, Verkehr und Mobilität sowie Energietechnik fortführen. Der Bereich Energietechnik soll neben den Clustern Gesundheitswirtschaft, Verkehr/Mobilität/Logistik, IKT/Medien-und Kreativwirtschaft weiter ausgebaut werden. Wir werden Zukunftstechnologien fördern und Berlin als Standort für Produkte der nachhaltigen Wirtschaft profilieren. Ein überdurchschnittliches Entwicklungspotenzial haben aus unserer Sicht die Gesundheitswirtschaft, die Energiewirtschaft, die Elektromobilität, die wissens-und innovationsgetriebene Informationstechnologie und die Tourismus-und Kreativwirtschaft.

Gesundheitswirtschaft

Wir wollen die Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg strategisch weiter ausbauen und damit eine stabile Wirtschaftsstruktur fördern und eine hohe Qualität der gesundheitlichen Versorgung der Berliner Bevölkerung gewährleisten. Unsere Ziele orientieren wir am „Masterplan Gesundheit“ des Senats, der die Grundlage für die Kooperation von Wirtschaft, Kliniken, Gesundheitseinrichtungen, Krankenkassen und öffentlicher Verwaltung geschaffen hat.

Mit den anstehenden Veränderungen im medizinischen und pflegerischen Fortschritt, den demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen sowie den Perspektiven in der Informationstechnologie besteht gerade für Berlin aufgrund der vorhandenen Infrastruktur, einschließlich der hervorragenden Hochschullandschaft, die einzigartige Chance, sich als Gesundheitsmetropole zu profilieren. Wir wollen damit Berlin zum führenden Gesundheitsstandort in Europa entwickeln. Dies wird erreicht, indem die relevanten Akteure aus Politik, Wirtschaft, Versorgern und Wissenschaft gestaltend einbezogen werden.

Notwendig ist dabei, dass die Akteure des Masterplans noch stärker zusammengeführt und die Steuerung zentriert unter Einbindung von Berlin Partner, TSB sowie Visit Berlin verbindlich vereinbart wird.

Damit Berlin als Gesundheitsmetropole noch stärker wahrgenommen wird, unterstützt die Koalition alle Aktivitäten, um regionale, überregionale sowie internationale Veranstaltungen, Kongresse und Messen nach Berlin zu holen und, soweit traditionell in Berlin durchgeführt, weiter hier zu halten. Mit Nachdruck wird die Aktivität, den World Health Summit (Weltgesundheitsgipfel) in Berlin zu halten, unterstützt.

Wir wollen die Charité als Leuchtturm der Berliner Wissenschaft stärken. Die Koalition will daneben die städtische klinische Gesundheitsversorgung mit exzellenten Leistungen durch den erfolgreichen landeseigenen Klinikbetrieb Vivantes sicherstellen und weiter ausbauen. Darüber hinaus wollen wir, dass Charité und Vivantes enger miteinander kooperieren und ein zukunftsweisendes Konzept für effiziente Kooperation und ein gemeinsames strategisches Management erarbeiten. Berlin hat mit Charité und Vivantes und der großen Zahl an Patienten eine in Deutschland einmalige Chance, zur Gesundheitsmetropole für klinische Studien zu werden. Die Koalition will diese Chance nutzen und Berlin bei der Vergabe klinischer Studien an die Spitze bringen.

Die Koalition setzt sich für den Ausbau der „Medical City“ am Standort Buch ein. Hierfür wollen wir mit einem Autobahnanschluss Buch den Medizinstandort weiter stärken.

Energietechnik

Die Wirtschaftspolitik der Koalition zielt darauf ab, Berlin zum Vorbild für klimaschonende Energiepolitik und Klimaschutz zu machen. Berlin bietet zahlreiche zukunftsträchtige Produkte und Lösungen sowohl für den ressourcensparenden Umgang mit fossiler Energie als auch mit regenerativen Energien und ist bundesweit anerkannte „KWK-Modellstadt“. Mit dieser breiten Energiekompetenz kann die Berliner Wirtschaft konkrete klimapolitische Lösungen anbieten und davon wirtschaftlich profitieren. Die Energiekompetenz Berlins soll als „Marke“ der Industrie neben der Marke „Gesundheitshauptstadt“ entwickelt werden.
Wir halten an unseren ehrgeizigen CO2-Einsparzielen fest. Wir wollen auch im Bereich der Gebäudetechnik effektive Instrumente anwenden, wie z. B. das „SmartKiez-Gebäudesanierungsprogramm“.

Daneben wollen wir mit einem konzentrierten Energieforschungsprogramm „Kompetenznetz Energiewissenschaften“ weitere Impulse für die Entwicklung zukunftsfähiger und nachhaltiger Technik in Berlin setzen. Die Vernetzung und Förderung der Energieforschung und -entwicklung am Standort Berlin ist für uns ein herausragendes Ziel.

Wir wollen die Bewerbung Berlins als „Schaufenster“ im Rahmen der Nationalen Plattform Elektromobilität nutzen und für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung in der Industrie werben. Die vorhandene Berliner Plattform wollen wir stärken und insbesondere Bündnisse mit der Automobilindustrie schließen, um möglichst viel Wertschöpfung von Entwicklung bis Betrieb in Berlin entstehen zu lassen. Elektrisch betriebene Kfz können Bestandteil einer veränderten städtischen Mobilität werden. Elektrofahrzeuge müssen hierfür in neue Mobilitäts-und Logistikkonzepte integriert werden. Auch den Einsatz elektrisch betriebener Wassertaxis prüfen wir.

Verkehr und Mobilität

Verkehr und Mobilität sind die Antriebsräder einer prosperierenden Metropole Berlin. Im Bereich der Entwicklung und des weiteren Ausbaus des Zukunftsfeldes Elektromobilität wollen wir das Verständnis der Menschen für saubere Antriebsarten schärfen und den Bedarf an Kleinwagen mit diesen Antriebsformen wecken. Zusätzliche Anreize für die Nutzung von elektrobetriebenen Fahrzeugen wollen wir in die Diskussion einbeziehen.

Informations-und Kommunikationsindustrie

Berlin gehört zu den führenden Standorten der Informations-und Kommunikations-technologien in Deutschland. Über 35.000 Menschen sind in diesem Bereich beschäftigt. Zudem weist die Branche überdurchschnittliche Wachstumsraten auf. Im Einklang mit der Berliner Wachstums-und Kompetenzfeldstrategie wird die Koalition weitere wichtige Impulse setzen, um die Informations-und Kommunikationsindustrie zu stärken und weiterzuentwickeln. Die IKT-Branche wird Teil des „Masterplans Industrie“. Über eine ganzheitliche IT-Strategie der Verwaltung, nachfragewirksame Beschaffung, Ansiedlungsanstrengungen und die Förderung der IT-Gründerkultur werden wir Berlin zum Silicon Valley Europas entwickeln.

Tourismuswirtschaft weiter entwickeln

Die Koalition setzt sich für eine weitere Entwicklung der Tourismuswirtschaft ein. In den vergangenen Jahren wurde der Tourismus zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Berlins. An diesem Erfolgskurs will die Koalition festhalten, den Standort weiter ausbauen und neben quantitativen Zielen auch qualitative Ziele stärker berücksichtigen. Wir streben bis 2020 eine Erhöhung der Übernachtungen auf insgesamt 30 Millionen an. Hierzu gehört für uns auch, dass das Tourismusgewerbe mehr als bisher gute Arbeitsbedingungen durch qualifizierte Ausbildung der Arbeitskräfte, durch existenzsichernde Einkommen und die Beachtung der Arbeitnehmerrechte entwickelt. Im Sinne einer Offensivstrategie sollten faire und soziale Arbeitsbedingungen und Tariftreue sowie die strikte Anwendung der Sozialversicherungspflicht die Schaffung und Entwicklung attraktiver und leistungsfähiger Arbeit sicherstellen und damit eine Voraussetzung für eine positive wirtschaftliche Entwicklung der Branche sein.

Wir wollen den Runden Tisch Tourismus beim Regierenden Bürgermeister fortsetzen.

Kreativwirtschaft weiter fördern

Die Koalition setzt sich für eine weitere Stärkung der Kreativwirtschaft in der Region Berlin-Brandenburg ein. Die erfolgreiche Ansiedlung von Unternehmen der Kreativwirtschaft, u. a. aus den Bereichen Medien, Musik, Film, digitale Wirtschaft und Kulturberufe, in den letzten Jahren hat vielen Berlinerinnen und Berlinern neue Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt eröffnet. Die Koalition will für die Entwicklung der kreativen Wirtschaft die erforderlichen Strukturveränderungen gewährleisten. Förderprogramme der IBB sollen stärker für die Kreativwirtschaft geöffnet werden und die Nutzung innerstädtischer Brachen und Gebäude soll für die Kreativwirtschaft erleichtert werden.

Wir wollen Räume und Infrastruktur für kleine Selbstständige (Co-working-Arbeitsplätze) unterstützen. Zudem wollen wir die soziale Sicherheit für Kreative und Künstlerinnen und den Erhalt der Künstlersozialversicherung.

Wir wollen die Förderbedingungen für Nachwuchsproduzenten verbessern und die bereits existierenden Mikrokreditprogramme und Kreativfonds so gestalten und ausbauen, dass sie leichter von Kreativschaffenden genutzt werden können.

Um die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Kleinstunternehmerinnen und Kleinstunternehmer zu stärken, werden wir den Zugang zu Zwischenfinanzierungen erleichtern.

Außenwirtschaftsstrategie und Ansiedlungen für Berlin

Die Koalition spricht sich dafür aus, im Rahmen einer neuen Außenwirtschaftsstrategie die internationale Präsenz der Wirtschaftsförderung Berlins gezielt in den Wachstumsmärkten zu erhöhen. Neben der Ansiedlung neuer Unternehmen werden wir den Ausbau der Exportpotenziale der Berliner Wirtschaft durch die Erschließung neuer Märkte in den Vordergrund unserer Bemühungen stellen. Dafür wollen wir prüfen, inwieweit die Einrichtung von Auslandsbüros in Asien, Osteuropa, dem Nahen Osten und in Amerika diesem Ziel zuträglich ist. Die internationalen Netzwerke der Berliner Forschungseinrichtungen wollen wir in die Strategie integrieren.

Die Koalition wird, orientiert an den entwicklungspolitischen Leitlinien des Senats, die Fortführung der Projekte der Entwicklungszusammenarbeit absichern. Hierzu gehören insbesondere die entwicklungsbezogene Bildungsarbeit an Schulen und außerschulischen Einrichtungen, die Zusammenarbeit mit Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft und die Beiträge im Rahmen der Städtepartnerschaften Berlins und seiner Bezirke sowie die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren. Wir werden uns für das Projekt „Eine-Welt-Haus“ einsetzen.

Schwarzarbeit bekämpfen

Für die Koalition ist die Bekämpfung der Schwarzarbeit ein wichtiges Element, um die Sicherung möglichst vieler sozialversicherungspflichtiger Arbeitsverhältnisse in Berlin und Ordnung am Arbeitsmarkt zu gewährleisten. Wir wollen Schwarzarbeit konsequent bekämpfen, weil sie reguläre Arbeitsplätze vernichtet, Steuereinnahmen verhindert und damit unserer Gesellschaft schadet. Die Koalition vereinbart deshalb ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Schwarzarbeit in Berlin:

Die Koalition unterstützt brancheninterne Kontrollinstrumente wie z. B. „Baustellenläufer“ und spricht sich für einen breiteren Einsatz aus. Die Koalition wird die Möglichkeiten einer sozialversicherungsrechtlichen Anmeldung von neu begründeten Arbeitsverhältnissen bereits vor Arbeitsaufnahme prüfen.

Die Ahndung ordnungswidriger Schwarzarbeit kann in einer gemeinsamen bezirklichen Bußgeldstelle konzentriert und durch Erstellung eines Bußgeldleitfadens und ein IT-gestütztes Informationssystem unterstützt werden. Die gemeinsame Bußgeldstelle wird Bußgelder für alle Berliner Bezirke erheben und im Anschluss auf diese verteilen, um zeitnahe und einheitliche Ahndungen von Schwarzarbeit sicherzustellen.

Die Koalition will die Planungen für ein Pilotprojekt einer fälschungssicheren Chipkarte als Ersatz für den bisherigen Sozialversicherungsausweis in Berlin-Brandenburg wieder aufnehmen. Mit einer Chipkarte sind Kontrollen des sozialversicherungsrechtlichen Status jedes Arbeitnehmers effektiver und schneller durchzuführen.

Die Koalition wird die Arbeitsgerichte dafür gewinnen, stärker gegen die Schwarzarbeit vorzugehen. Dazu soll eine engere Kooperation mit dem Hauptzollamt erreicht werden.

Wirtschaftsfreundliche Verwaltung

Im Rahmen der Modernisierung der Verwaltung wollen wir weiter auf eine effiziente und moderne Ausgestaltung Wert legen. Wir sprechen uns für den verstärkten Einsatz von E-Government-Lösungen ein. Die Verwaltung ist Dienstleister für die Wirtschaft und Investoren, Unternehmen und Betriebe sind Kunden. Dazu gehören der Einsatz moderner und technologisch zeitgemäßer Verwaltungsstrukturen und Verwaltungsprozesse, die sich an den Bedürfnissen der Unternehmen, Selbstständigen und Bürger orientieren. Wir wollen:

  • den einheitlichen Ansprechpartner stärker bewerben,
  • das StarterCenter als Basis für gründungsrelevante Verwaltungsverfahren nutzen,
  • die Einführung einer einheitlichen Kreditorennummer für alle Unternehmen,
  • einen Bürokratie-TÜV zur kontinuierlichen Evaluation des Verwaltungsaufwands der Wirtschaftsunternehmen,
  • die Einführung einer digitalen Akte prüfen,
  • die Akzeptanz elektronischer Rechnungen,
  • dass Unternehmer und Bürger verstärkt Anträge und Dienstleistungen über das Internet stellen bzw. abrufen können,
  • die Verbesserung des Antrags-, Akten-und Vorgangsmanagements mit einer „Track & Tracing“-Lösung, die den Stand der Bearbeitung im Internet in geeigneter Form transparent macht.

Öffentliche Betriebe als Steuerungsinstrument

Die Koalition will starke öffentliche Unternehmen, die gute Leistungen für die Berlinerinnen und Berliner erbringen, betriebswirtschaftlich erfolgreich sind, gute Arbeits-und Ausbildungsplätze bereitstellen und einen Mehrwert für die ganze Stadt schaffen. Die Koalition lehnt die Privatisierung von öffentlichen Unternehmen wie z. B. BVG und BSR ab.

Im Interesse der Berliner Unternehmen, Haushalte und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wollen wir über eine Nachverhandlung des Teilprivatisierungsvertrages Berliner Wasserbetriebe den tatsächlichen Einfluss des Landes Berlin auf das Unternehmen stärken, um dämpfend auf die Preise Einfluss zu nehmen und Investitionen sicherstellen zu können. Die Verhandlungen über den Rückkauf privater Anteile werden ergebnisoffen fortgesetzt.

Mit der Neuvergabe der 2013/2014 auslaufenden Gas-und Strom-Konzessionsverträge für die Verteilungsnetze wird das Land Berlin mit Nachdruck Einfluss auf die Rahmenbedingungen der Strom-und Gasversorgung als öffentliche Daseinsvorsorge nehmen, um sie unternehmens-und bürgerfreundlich zu gestalten. Ziel ist es, mehr Einfluss auf die Strukturen, die Preis-, Investitions-und Unternehmenspolitik des zukünftigen Verteilnetzbetreibers zu nehmen. Eine nachhaltige Energieversorgung geht über kurzfristige, rein finanzielle Erwägungen hinaus. Sie bedarf eines öffentlichen Einflusses auf den Netzbetreiber, welcher auch über eine Beteiligung an den Netzen durch das Land erfolgen kann. Sollte die Konzession an Private wie bisher vergeben werden, ist eine kürzere Laufzeit der Konzession zu prüfen.

In diesem Zusammenhang ist zur Erreichung unserer Ziele auch der Aufbau einer Institution „Berlin Energie“ zur Bündelung der vorhandenen dezentralen Energieressourcen und -produktionen zu prüfen.

Finanzielle Risiken bei landeseigenen Unternehmen und für das Land Berlin wollen wir reduzieren, daher lehnen wir Sale-&-Lease-Back und Cross-Border-Leasing ab.

Öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP) als reine Finanzierungsinstrumente lehnen wir ab. Dort, wo eine Verbindung aus öffentlichem und privatem Engagement zweckmäßig ist und eine derartige Partnerschaft zu einem messbaren nachhaltigen Mehrwert führt, wollen wir ihre Einführung im Einzelfall ergebnisoffen prüfen. Bei den öffentlich-privaten Partnerschaften bleibt es bei der gegebenen Rechtslage nach § 7 Abs. 2 Landeshaushaltsordnung.

Gute Arbeit

Gute Arbeit ist gekennzeichnet durch die Sicherheit des Arbeitsplatzes, ein festes, verlässliches und existenzsicherndes Einkommen und soziale Sicherheit bei Arbeitslosigkeit, Krankheit und im Alter. Gute Arbeit erfordert Arbeitsbedingungen, die die Gesundheit und das körperliche und soziale Wohlbefinden nicht beeinträchtigen, wie es Ziel der Arbeitsschutzgesetzgebung ist. Dazu gehören auch eine menschenwürdige Behandlung am Arbeitsplatz, die humane Gestaltung der Arbeitszeiten, altersgerechte Arbeitsgestaltung, der Einfluss der Beschäftigten auf ihre Arbeitsbedingungen, Gleichberechtigung und damit die Vermeidung jeglicher Diskriminierung am Arbeitsplatz und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gute Arbeit eröffnet individuelle Entwicklungs-und Aufstiegschancen und bietet entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten.

Angesichts der Verwerfungen auf den Arbeitsmärkten müssen bundesgesetzliche Vorkehrungen für Mindestarbeitsbedingungen getroffen werden. Das Land Berlin wird seine Aktivitäten, insbesondere über den Bundesrat, zur Eindämmung prekärer Beschäftigung, von Lohn-und Sozialdumping sowie zur Bekämpfung von Schwarzarbeit fortsetzen. Die Koalition will insbesondere die Situation der in Leiharbeit Beschäftigten u. a. durch eine verstärkte Durchsetzung des Equal Pay-Gebots verbessern.

Die Koalition verständigt sich auf eine Bundesratsinitiative, um bei 400 €-Arbeitsverhältnissen eine Arbeitszeitobergrenze von zunächst maximal 12 Stunden durchschnittlich pro Woche einzuführen.

Die Arbeitsmarktpolitik des Landes nimmt die Wertschöpfung und Wertschätzung der Beschäftigten in den Fokus. Zentrale Bestandteile der Arbeitsmarktpolitik sind deshalb die Arbeitsbedingungen, ein Verständnis von Arbeitsschutz, das über eine technische Betrachtung hinaus geht, die Interessenvertretung der Beschäftigten und Anstrengungen, um prekäre Arbeit und Arbeitsbedingungen einzudämmen.

Moderne und soziale Dienstleistungspolitik

Die Koalition will sich in den kommenden fünf Jahren vor allem der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Bereichen der sozialen Dienstleistungen widmen. Niedrige Löhne und hohe Arbeitszeiten, verbunden mit körperlicher und psychischer Belastung, abnehmende Mitbestimmungsmöglichkeiten sowie geringe Aufstiegsmöglichkeiten sind Ausdruck einer zu geringen Wertschätzung der Dienstleistungsarbeit. Nötig ist hier eine Umkehr hin zu einer höheren Anerkennung dieser Berufe in der Gesellschaft und auch innerhalb der Unternehmen.

Das Land Berlin und die Gewerkschaften haben mit der gemeinsamen Initiative „Wertschätzung für Wertschöpfung“ einen in dieser Form bundesweit einmaligen Weg zur Entwicklung einer zukunftsfähigen Dienstleistungspolitik eingeschlagen, der fortgesetzt wird.

Das Land Berlin hat die Verantwortung für die Bedingungen, zu denen Menschen für das Land arbeiten bzw. Leistungen erbringen. Der Senat wird dafür sorgen, dass Verträge und Bescheide über Entgelte und Zuwendungen im Sozialbereich die Träger zur Tarifbindung sowie zur Einhaltung weiterer Kriterien für Gute Arbeit (z. B. Fort-und Weiterbildung, Gleichstellungsförderung) anhalten.

Bessere Arbeitsbeziehungen durch verbesserte Informationsbeziehungen und Netzwerke

Die Koalition wird reguläre Arbeit, Mindestlöhne und Mindeststandards bei den Arbeitsbedingungen stärken. Dazu will sie Informations-und Kommunikationsforen sowie -strukturen aufbauen und besser ausgestalten. Die Kontakte zu den Spitzenverbänden der Sozialpartner in Berlin werden als Beitrag zu einer gemeinsamen Initiative zur Stärkung von Sozialpartnerschaft und Tarifsystem vertieft. Gegebenenfalls strebt die Koalition den Abschluss einer Sozialpartnervereinbarung zwischen DGB, UVB und der für Arbeit zuständigen Senatsverwaltung nach Vorbild entsprechender Vereinbarungen in anderen Bundesländern an.

Fachkräfteentwicklung und bessere Berufsausbildung für alle Jugendlichen

Die Zahl der Schulabgänger/-innen wird sich nach dem doppelten Abiturjahrgang im Jahr 2012 auf einem niedrigeren Niveau bewegen als in den letzten 15 Jahren. Damit werden sich tendenziell die Chancen, eine betriebliche Ausbildung beginnen zu können, verbessern. Eine nachhaltige Verbesserung der Ausbildungsplatzsituation kann aber nur erreicht werden, wenn Betriebe auch Jugendliche ausbilden, die sie in den letzten 15 Jahren nicht für ausbildungsreif hielten. Es sind mehr Anstrengungen der Berliner Wirtschaft erforderlich, um die erforderliche Zahl betrieblicher Ausbildungsplätze bereitzustellen. Die Koalition lässt Unternehmen nicht aus der Verantwortung und hält am Ausbildungspakt fest.

Die Kooperation zwischen Unternehmen zum Zwecke der gemeinsamen Ausbildung von Nachwuchskräften soll stärker unterstützt werden (Richtlinienförderung). Es sollen zusätzlich Wege gefunden werden, um die hohe Zahl von Ausbildungsabbrüchen zu reduzieren. Neben einer gezielten Vorbereitung sind auch Betreuungsmaßnahmen während der Ausbildung möglich, die mit dem ausbildenden Unternehmen abzustimmen sind (Erweiterung der Richtlinienförderung).

Statt unnötiger Warteschleifen im Übergangssystem zwischen Schule und Berufsausbildung muss es gelingen, dass Jugendliche direkt nach der Schule eine Ausbildung beginnen. Das Übergangssystem muss transparenter gestaltet werden, Qualitätsmaßstäbe müssen definiert und langfristig gesichert werden. Der Übergangsbereich dient dazu, Jugendliche systematisch zur Ausbildungsreife zu führen.

Kein Jugendlicher bleibt ohne Ausbildung. Diejenigen, die keinen betrieblichen Ausbildungsplatz finden, erhalten ein Angebot für einen öffentlich geförderten Ausbildungsplatz im Rahmen des Berliner Ausbildungsplatzprogramms (BAPP). Die Ausbildung ist durch Qualifizierungs-und Begleitungsmaßnahmen (z. B. Mentoring, Coaching, Patenmodelle) zu begleiten, um Ausbildungsabbrüche und Durchfallquoten zu reduzieren. Für Jugendliche, die zusätzlich noch über schulische, sprachliche oder soziale Defizite verfügen, soll das Programm „Ausbildung in Sicht (AiS)“ weiterentwickelt werden.

Für eine nachhaltige Fachkräfteentwicklung setzt die Koalition auf die nachholende Ausbildung von Jugendlichen, welche bisher ohne Ausbildung geblieben sind. Dafür müssen insbesondere in den Jobcentern die Kompetenzen junger Menschen systematisch erfasst und qualifizierend gestärkt werden. Die Koalition wird mit der Berliner Wirtschaft für diese Personengruppe eine Vereinbarung zur Bereitstellung zusätzlicher Ausbildungsstellen anstreben.

Die vom Senat in die Trägerversammlungen der Jobcenter entsandten Mitglieder sollen darauf hinwirken, dass die Kompetenz zur Ausbildungsstellenvermittlung in den Arbeitsagenturen verstetigt und konzentriert wird. Das Arbeitsmarktmonitoring der Bundesagentur muss als Prognoseinstrument für die Entwicklung des Fachkräftebedarfs in Berlin besser genutzt werden.

Wichtig für die Deckung des Fachkräftebedarfs in Berlin ist auch die Wiedereingliederung älterer Arbeitsuchender in die Beschäftigung. Die Koalition unterstützt daher die betriebliche Weiterbildung in kleinen und mittleren Unternehmen.

Lebensbegleitendes Lernen

Das umfassende, trägerneutrale und niedrigschwellige Informations-und Beratungsangebot sowie die Vernetzung und Zusammenarbeit der Bildungsberatungsstellen muss gewährleistet bleiben. Der Berliner Weg der Professionalisierung der berufsbezogenen Bildungsberatung, auch durch Zusammenarbeit über die Grenzen Berlins hinaus, wird fortgesetzt und um mit den Wirtschafts-und Sozialpartnern abgestimmte Modelle der Qualifizierungsberatung ergänzt. Die Weiterbildungsbeteiligung aller Beschäftigtengruppen will die Koalition durch innovative und modellhafte Ansätze erhöhen. Dabei müssen auch Modelle für eine tatsächliche Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie für eine demografiefeste Personalpolitik verbreitert werden.

Bessere Arbeits-und Ausbildungsstellenvermittlung

Arbeitsagenturen und Jobcenter müssen neue Arbeitsabläufe und neue Strategien für eine bessere Vermittlungsarbeit entwickeln. Dafür werden die Erkenntnisse der Berliner Joboffensive ausgewertet.

Qualifizierungsoffensive

Über 60 Prozent der Arbeitslosen in Berlin haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Eine nachhaltige Verringerung der Arbeitslosigkeit setzt eine umfassende Qualifizierungsoffensive voraus. Qualifizierungsmaßnahmen nach dem SGB III werden nach den Vorstellungen des Bundes in höherem Maße als bisher eine Landeskofinanzierung erfordern. Diese wird die Koalition finanziell sicherstellen, auch die Kofinanzierung für die vertiefte Berufsorientierung und die Berufseinstiegsbegleitung in den Berliner Schulen.

Programm „BerlinArbeit“

Wir sehen in einer Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik unter dem Leitgedanken „Zuerst die Arbeit“ große Chancen, die wir konsequent nutzen wollen. Dabei wollen wir partnerschaftlich mit allen Beteiligten zusammenwirken.

Wir wollen die Berliner Joboffensive fortsetzen und zum Erfolg führen. Die 350 zusätzlichen Vermittlungskräfte richten sich an qualifiziertere und leichter vermittelbare Arbeitsuchende.

Um auch Langzeitarbeitslosen mit Vermittlungshemmnissen (ohne Schulabschluss oder ohne Berufsausbildung bzw. mit geringer beruflicher Qualifikation oder persönlichen Vermittlungshemmnissen) ähnlich ambitioniert zu helfen, wollen wir systematische Anstrengungen unternehmen. Dafür wollen wir bei allen Beteiligten um Mitwirkung werben, insbesondere bei den Betroffenen und bei Berliner Unternehmen. Sie sollen erkennen, dass es in beiderseitigem Interesse ist, motivierten Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben, um den künftigen Bedarf an Arbeitskräften zu decken.

Zu unserem Programm „BerlinArbeit“ gehören:

  • Eine bessere Vermittlung durch ein besseres Betreuungsverhältnis, d. h. weniger erwerbsfähige Leistungsberechtigte pro Vermittlungsfachkraft. Eine weitere substanzielle Schwächung des Eingliederungsbudgets der Berliner Jobcenter durch Umschichtungen in das Verwaltungskostenbudget soll dabei im gesamtstädtischen Interesse nicht zugelassen werden. Wir benötigen zusätzliche Bundesmittel, an deren Finanzierung sich Berlin im Rahmen des kommunalen Finanzierungsanteils beteiligt, um den gesetzlich vorgesehenen Betreuungsschlüssel auch in Berlin zu erfüllen.
  • Eine gezieltere Aktivierungsphase, in der an Qualifizierungsdefiziten und persönlichen Vermittlungshemmnissen gearbeitet wird. Dabei sollen auch gesundheitliche Probleme einbezogen werden und die sozialintegrativen Leistungen der Bezirke besser mit den Jobcentern verknüpft werden.
  • Ein Angebot öffentlich geförderter Beschäftigung für Arbeitsuchende, die auch nach Vermittlungs-und Aktivierungsbemühungen zunächst nicht in den ersten Arbeitsmarkt übergehen konnten. Neben der praktischen Tätigkeit ist in dieser Phase auch ein Anteil von in der Regel einem Fünftel beruflich verwertbarer Weiterbildung enthalten. Wir wollen keine öffentliche Beschäftigung um der Beschäftigung willen.


Die Koalition ist sich einig, den öffentlichen Beschäftigungssektor (ÖBS) in Berlin in seiner bisherigen Form nicht weiter zu verfolgen. Die vom Senat beschlossenen und vertraglich umgesetzten Maßnahmen werden ausgeführt, neue Projekte und beschäftigte Personen nicht mehr zugelassen. Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit entwickeln wir ein Konzept, wie unter den Bedingungen der Instrumentenreform und der Kürzungen bei den Eingliederungsmitteln bestimmte bestehende Projekte der öffentlich geförderten Beschäftigung dort gesichert werden können, wo sie marktfernen Arbeitsuchenden eine sinnvolle, für unsere Stadt wichtige Tätigkeit vermitteln – wie z. B. bei den Stadtteilmüttern oder Gemeindedolmetschern.

Um gemeinwohlorientierte öffentlich geförderte Beschäftigung anbieten zu können, setzt Berlin die Kofinanzierung von Bundesprogrammen wie Bürgerarbeit fort. Wir wollen den Bund dazu bewegen, Beschäftigungsmaßnahmen dauerhaft zu finanzieren. Das schließt auch Programme mit sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen ein.

Wir setzen die aus dem früheren ÖBS frei werdenden Kofinanzierungsmittel weiterhin zu diesem Zweck ein. So werden mehr als doppelt so viele Langzeitarbeitslose wie heute von „BerlinArbeit“ profitieren. Die Landesmittel werden wir für Einkommensverbesserungen an Teilnehmer/-innen der Maßnahmen sowie für Sachkostenzuschüsse an die Träger einsetzen.

Öffentliche Beschäftigung in Berlin soll zusätzlich und gemeinwohlorientiert sein. Die Tätigkeiten im Rahmen des Projektes sollen nicht in Konkurrenz zu bestehenden Tätigkeitsfeldern der freien Wirtschaft treten. Sie werden keine bestehenden Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst ersetzen.
Die Koalition setzt sich für mehr Kinderbetreuung in den Randzeiten ein, um Integrationschancen von Alleinerziehenden zu verbessern.

Steuerung der Jobcenter

Die gesamtstädtische Steuerung der zwölf Berliner Jobcenter steht nach ihrer Einführung noch am Anfang. Um die arbeitsmarktpolitischen Ziele wie auch die Kostensteuerung des Landes Berlin zu unterstützen, muss die Arbeit in der Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales mit den Aktivitäten der Bezirke in den Trägerversammlungen der Jobcenter abgestimmt werden. Den Jobcentern müssen kommunale Ziele gleichwertig mit den Bundeszielen durch einen gemeinsamen Zielnachhaltedialog von Arbeitsagentur und Land Berlin aufgegeben werden. Ziel muss es sein, Entscheidungen von gesamtstädtischem Charakter schon im Vorfeld der Sitzungen von Trägerversammlungen zwischen Senat und Regionaldirektion besser als bisher zu klären.

Auch die Beratung der in der Anlage 5 der Rahmenvereinbarung zu § 44b Abs. 2 SGB II festgehaltenen Überprüfungssachverhalte zwischen der Arbeitsagentur und Berlin muss zu einem Abschluss gebracht werden. Ziel ist eine bessere Erreichbarkeit der Jobcenter durch die Leistungsberechtigten.
Telefonische Servicecenter optimieren nur insoweit den Aufwand, als sie nicht zu vermeidbaren un-terminierten Vorsprachen während der Öffnungszeiten der Jobcenter oder zu Widersprüchen und Klagen aufgrund unterbliebener direkter Erklärung der Verwaltungsentscheidungen führen. Zudem sind die Geschäftsprozesse in den Jobcentern hinsichtlich der Vermeidung von Mehrarbeiten für die Sozialgerichte zu optimieren.

Wir sind mit der Qualität von Vermittlung und Leistungsbearbeitung in den Berliner Jobcentern noch nicht zufrieden. Wir wollen daher gemeinsam mit der Arbeitsagentur ein „Modellprojekt für Musterjobcenter“ in einigen Bezirken aufstellen.

Wir wollen mit der Regionaldirektion vereinbaren, dass auch sozialpädagogische Kompetenz bei den Jobcentern angesiedelt wird und die Verknüpfung der sozialintegrativen Leistungen der Bezirke mit den Jobcentern verbessert wird.

Frauen im Arbeitsleben und in der Wirtschaft

Die Koalition will Berlin zur Vorreiterin für berufliche Aufstiegschancen von Frauen entwickeln. Wir wollen damit die Attraktivität der Berliner Unternehmen für weibliche Fachkräfte erhöhen und den Wirtschaftsstandort stärken.

Den in den landeseigenen Betrieben angestrebten Anteil von 50 Prozent Frauen in Führungspositionen begrüßen wir. Die Erkenntnis, dass sich Gleichstellungsförderung für Unternehmen produktiv auswirkt, muss insbesondere in kleinen und mittelständischen Betrieben weiter Verbreitung finden. Es muss stärker um Akzeptanz in der Wirtschaft geworben werden. Wir werden in der kommenden Legislaturperiode ein Bündnis für Gleichstellung mit verantwortungsvollen Berliner Unternehmen schließen. Diese verpflichten sich zur Förderung von Frauen in Führungspositionen, der Aufstellung verbindlicher Frauenförderpläne sowie der Verwirklichung des Grundsatzes „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“.

Frauen und Männer sollen Lebensphasen, die mit der Erziehung von Kindern und der Betreuung von Angehörigen verbunden sind, besser bewältigen können. Dazu bedarf es der weiteren Sensibilisierung und Unterstützung von Unternehmen für familienfreundliche Arbeitsbedingungen. Eine bedarfsgerechte Kitaplatzversorgung wollen wir sicherstellen. Wirtschaftspolitische Maßnahmen und Programme werden konsequent mit der Förderung von Frauen verbunden.
Die gezielte Beratung und Unterstützung von Existenzgründerinnen werden wir aufgrund weiterhin existierender Unterschiede im Gründungsverhalten fortführen. Die Vernetzung von Unternehmerinnen und Existenzgründerinnen im Rahmen des Unternehmerinnentags sowie in Frauenzentren wird weiter unterstützt.

Die Darlegung von Frauenfördermaßnahmen bleibt ein wichtiges Kriterium bei der öffentlichen Auftragsvergabe.

Wir wollen den Frauenanteil in aussichtsreichen Berufsfeldern wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik (MINT) steigern und Gründerinnen fördern sowie die klassisch weiblichen Berufe der Daseinsvorsorge z. B. in den Bereichen Familie, Jugend, Bildung, Gesundheit, Pflege und Soziales aufwerten. Die jährlichen Aktivitäten wie der Girls‘ Day werden fortgeführt und durch begleitende Maßnahmen wie eine Girls‘-Day-Akademie ergänzt, mit der Mädchen insbesondere für MINT-Berufe interessiert werden sollen.

Die Koalition will das Berliner Programm zur Förderung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre fortsetzen und weiter ausbauen.

Landesgleichstellungsgesetz (LGG)

Die Koalition hält am novellierten Landesgleichstellungsgesetz (LGG) fest. Hierzu gehört eine konsequente Anwendung des LGG bei der Neubesetzung von Vorstands-und Geschäftsleitungspositionen, um damit eine gleichberechtigte Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen zu erreichen. Das Land Berlin wird in seinem Einflussbereich alle Anstrengungen unternehmen, um bei der Besetzung von Aufsichtsräten, Leitungsfunktionen und Gremien auch in Zukunft die Gleichstellungsverpflichtung zu erfüllen.

Die Koalition wird sich dafür einsetzen, die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen in allen Bereichen der Gesellschaft zu verringern. Sollte sich der Anteil von Frauen in Führungspositionen in großen börsenorientierten Unternehmen nicht deutlich erhöhen, wird die Koalition die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten in diesen Unternehmen unterstützen.

Gleichstellungspolitisches Rahmenprogramm (GPR)

Die Koalition setzt sich für die Gleichstellung von Frauen und Männern als verantwortliche Querschnittsaufgabe aller Ressorts und in den Bezirken ein. Wir wollen mit der Gleichstellung einen entscheidenden Beitrag leisten, um den sozialen Zusammenhalt und die Zukunft Berlins abzusichern, damit Frauen und Mädchen in Berlin in allen Bereichen der Gesellschaft gleichermaßen teilhaben. Wir wollen das GPR mit dem dazugehörigen Masterplan fortschreiben und weiterhin die wichtigsten politischen Vorhaben des Senats mit der Gleichstellungspolitik, insbesondere in den fünf zentralen Politikfeldern Bildung, existenzsichernde Beschäftigung, Demografie, soziale Gerechtigkeit und Integration, verbinden.

Gender-Mainstreaming und Gender-Budget

Die europäischen Instrumente des Gender-Mainstreaming und Gender-Budgeting sind die Eckpfeiler der Gleichstellungspolitik. Gender-Budgeting ist inzwischen integraler Bestandteil einer modernen und zielorientierten Haushaltspolitik. Die Koalition unterstützt den weiteren Ausbau der Genderanalysen sowohl bei der Hauptverwaltung als auch in den Bezirkshaushalten. Dazu wird das Gender-Budgeting auf seine Wirksamkeit hin evaluiert.

Kontakt

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Telefax (030) 9026-2285
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