Coronavirus in Berlin

Zentrale Informationen der Berliner Verwaltung zum Coronavirus finden Sie unter:

berlin.de/corona

Inhaltsspalte

Müller: Freiheitsglocke erinnert an das Glück der Wiedervereinigung

Meldung vom 19.12.2020

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, hat gemeinsam mit der Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler, dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Ralf Wieland, sowie Angehörigen der Botschaften der früheren Westmächte auf der Freitreppe des Rathauses Schöneberg Gebinde niedergelegt. Anlass des Gedenkmoments ist das siebzigjährige Jubiläum der Freiheitsglocke.

Müller: „Vor siebzig Jahren war die Freiheitsglocke zum ersten Mal zu hören. Hunderttausende von Berlinerinnen und Berlinern waren vor Ort in Schöneberg. Der fünfminütige Schlag der Glocke hatte jeden Mittag daran gemahnt, die Einheit der Stadt und der Nation nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung nicht aufzugeben. Heute erinnert uns der Klang der Glocke auch daran, dass wir dieses große Glück erleben durften. Dafür sind wir dankbar. Daran möchte ich heute auch erinnern. Zusammenhalt und der Wunsch nach Freiheit und Einheit haben am Ende Erfolg gehabt. Gerade in diesen schwierigen Zeiten sollte uns das ein Vorbild sein dafür, was wir alle gemeinsam schaffen können, wenn wir solidarisch sind.“

Im Sommer 1950 war der Beschluss gefasst worden, im Turm des Schöneberger Rathauses in Berlin eine Freiheitsglocke aufzuhängen. Einer Initiative des früheren amerikanischen Militärgouverneurs in Deutschland, Lucius D. Clay, folgend, wurde eine Nachbildung der legendären “Liberty Bell” in Philadelphia entworfen. Nach ihrer Anfertigung durch eine englische Firma reiste die Freiheitsglocke auf einem spektakulären “Kreuzzug für die Freiheit” durch 26 Städte und mehrere Bundesstaaten der USA. Dabei spendeten über 16 Millionen Amerikaner für den Guss der Glocke und unterzeichneten einen Freiheitsschwur. Die Unterschriftenlisten, verpackt in Originalpaketen mit den Losungen “crusade for freedom” und “fight communism”, werden seitdem in einer speziellen Dokumentenkammer im Turm des Rathauses Schöneberg aufbewahrt. Am 21. Oktober 1950 traf die Freiheitsglocke vor dem Rathaus ein und wurde anschließend außen am Turm emporgezogen.

500.000 Berliner versammelten sich am 24. Oktober vor dem Rathaus. In Anwesenheit des Bundeskanzlers Konrad Adenauer, des Hohen Kommissars der USA in Deutschland, John J. McCloy, und des Generals Clay erklang die Freiheitsglocke zum ersten Mal. Seit diesem Tag läutet sie jeden Tag um 12.00 Uhr mittags für zwei Minuten sowie am 1. Mai, am Heiligen Abend und in der Silvesternacht. Die Glocke ist mit der Inschrift versehen: „That this world under God shall have a new birth of freedom“ – „Möge diese Welt mit Gottes Hilfe eine Wiedergeburt der Freiheit erleben“.

In den Jahrzehnten der Teilung Berlins hatte die Freiheitsglocke eine hohe Symbolkraft für den Westteil der Stadt. Ihr Klang wurde bis zum Tag der Deutschen Einheit täglich vom RIAS übertragen. Zurückgehend auf diese Tradition ist die Freiheitsglocke jeden Sonntag um 11:59 Uhr im Deutschlandradio Kultur zu hören, gefolgt von den gesprochenen Worten des Freiheitsgelöbnisses. Der Text dieses Manifests für die Freiheit ist eine Übersetzung der Freiheitserklärung, die sich auf den Bögen der amerikanischen Unterschriftenaktion fand. Der Text wurde und wird jeweils von bekannten Theaterschauspielenden in eindringlicher Aussprache gesprochen, zur ständigen Erinnerung an die Welt, dass Freiheit nicht von selbst entsteht und zeitlebens verteidigt werden muss.