Rathaus-Turm: Vier junge Wanderfalken gewogen und beringt

PIA, 11.05.2018

Wanderfalken sind seltene Raubvögel, und auf dem Turm des Berliner Rathauses sind gerade wieder vier geschlüpft. Heute wurden sie von Falkenbetreuer Paul Sömmer beringt und gewogen. Das ist sozusagen ein hoheitlicher Akt, denn die Jungtiere werden fürs die spätere Verfolgung ihrer Lebenswege und fürs Beobachten registriert.

Mit dabei war als weiterer ehrenamtlicher Vogelschützer der Kletterer André Laubner. Er lässt sich vom Turm herunter zur in einer der Turmnischen angebrachten Nisthilfen. Die Nisthilfen sind gebaute Kästen, die oben an Türmen befestigt und mit einem Substrat – einem feinen Kies – gefüllt sind. Während der Restaurierung des Rathausturmes vor einigen Jahren wählten die Architekten eine falsche Kiessorte aus – und prompt wurde an anderer Stelle gebrütet, bis die Falkenbetreuer den Fehler korrigieren konnten und den unter Naturschutz stehenden Tieren wieder einen angemessenen Horst verschafften.

Wanderfalken sind auf fast allen Kontinenten anzutreffen. Nur in der Antarktis findet man sie nicht. Sie sind damit einer der am weitesten verbreiteten Vögel der Welt. Dass es sie in Deutschland noch gibt, gleicht fast einem Wunder. Denn dieser stolze Vogel – übrigens der erste aller Arten, dem 1971 der Ehrentitel „Vogel des Jahres“ verliehen wurde – war damals vom Aussterben bedroht.

Heute sind es wieder mehr als 500 Paare. Und es nimmt nicht Wunder, dass dieser Kosmopolit unter den Tieren auch am Berliner Rathaus im Herzen der Stadt, Residenz bezogen hat. Sind diese Falken nach Berlin gewandert? Nein, denn der Name täuscht – zumindest in Deutschland. Wegen der guten Nahrungssituation bleiben die Berliner Wanderfalken das ganze Jahr über hier.

Für Verwirrung sorgt bei Nicht-Vogelexperten oftmals die Tatsache, dass Wanderfalken im Turm des Roten Rathauses brüten, dass es aber keine Turmfalken sind. Wenn man sich allerdings bewusst ist, dass Wanderfalken u.a. auch an Felsen brüten und der Turm des Roten Rathauses als „künstlicher Brutfelsen“ bezeichnet werden kann, klärt sich diese Verwirrung schnell auf.

Wer bei Nacht auf den Rathausturm achtet, der bemerkt, dass eine der Nischen oben dunkel bleibt, das ist die Nische mit der Nisthilfe für die Falken des Berliner Rathauses.