Müller: „9. November steht für Licht- und Schattenseiten deutscher Geschichte“

Pressemitteilung vom 08.11.2016

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, erklärt zum 9. November 2016:

„Der 9. November steht für die Licht- und zugleich für die Schattenseiten deutscher Geschichte. Unser Land und besonders Berlin erinnern sich an diesen Tag des glücklichen Moments der Öffnung der Mauer, die unsere Stadt so lange geteilt hat. Dabei können und dürfen wir jedoch nie die Todesopfer, die vielfältigen Verletzungen und Leiden infolge der Teilung vergessen. Zugleich ist dieser Tag immer auch Anlass, sich zu vergegenwärtigen, wie die Mitbürgerinnen und Mitbürger in der DDR und im Ostteil unserer Stadt das SED-Regime auf friedliche Weise zu Fall gebracht haben. Wenn wir an der Mauergedenkstätte Kerzen entzünden, dann ist das Zeichen der Erinnerung an die, die an Mauer und Stacheldraht ihr Leben gelassen haben. Aber die brennenden Kerzen dürfen auch als Zeichen dafür verstanden werden, wie die Menschen in der DDR für die Freiheit gekämpft haben – mit brennenden Kerzen in ihren Händen.“

Der Regierende Bürgermeister weiter: „Dieser Gedenktag steht zugleich für das Erinnern an die Novemberpogrome der Nationalsozialisten, die am 9. November 1938 auch in Berlin ihren Anfang nahmen. Es ist und bleibt beschämend, dass zu wenige etwas unternahmen, um ihren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger beizustehen. Das war vor dem 9. November schon so, und das blieb auch so, als jüdische Nachbarn, Bekannte, Freunde oder Geschäftspartner, deportiert wurden.“

Müller fügte hinzu: „Der organisierte Massenmord an den Juden und der von den Nationalsozialisten begonnene zweite Weltkrieg waren nur möglich, weil nicht genügend Menschen aufgestanden sind und für ihre Demokratie gekämpft haben. Die deutsche Teilung war das Ergebnis dieses fehlenden Einsatzes für die Demokratie. Auch und gerade daran zu erinnern, ist unsere Verpflichtung gegenüber den Opfern und aus aktuellem Anlass auch für die Gegenwart und die Zukunft. ‚Wehret den Anfängen!‘ ist und bleibt unsere Pflicht. Wir müssen besonders den nachfolgenden Generationen das Bewusstsein vermitteln, dass in einer freien und demokratischen Gesellschaft für Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus kein Platz ist und dass Tag für Tag Zivilcourage und engagierter Einsatz für den demokratischen Staat erforderlich sind, um unsere Form des friedlichen Zusammenlebens zu bewahren.

Der Regierende Bürgermeister nimmt am 9. November ab 10.00 Uhr an der Gedenkveranstaltung zum 27. Jahrestag der Öffnung der Berliner Mauer mit Posaunenruf an der Hinterlandmauer, Andacht in der Kapelle der Versöhnung sowie Entzünden von Kerzen an der Gedenkstätte Berliner Mauer teil (Wort-Bild-Termin; Bernauer Straße 111, 13355 Berlin; Informationen zur Akkreditierung finden Sie unter http://www.berliner-mauer-gedenkstaette.de/de/veranstaltungen-1286.html. Der Bürgermeister von Berlin und Senator für Inneres und Sport, Frank Henkel, spricht am 9. November 2016 um 19.30 Uhr ein Grußwort auf der Gedenkveranstaltung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zum 78. Jahrestag der Pogrome vom 9. November 1938 (Jüdisches Gemeindehaus, Fasanenstraße 79/80, 10623 Berlin).