Sonderkommission Ausbildung beim Regierenden Bürgermeister beschließt neue „Berliner Vereinbarung“

Pressemitteilung vom 06.05.2015

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Bei der heutigen Sitzung der der Sonderkommission „Ausbildungsplatzsituation und Fachkräftesicherung“ beim Regierenden Bürgermeister von Berlin einigten sich der Senat, Spitzenvertreterinnen und Spitzenvertreter von Wirtschaftsverbänden, Kammern, Gewerkschaften und der Bundesagentur für Arbeit mit der „Berliner Vereinbarung 2015 – 2020” auf gemeinsame Anstrengungen und Maßnahmen für bessere Ausbildungsbedingungen für junge Menschen: Gemeinsames Ziel ist es die Beratung und Unterstützung junger Menschen auf dem Weg von der Schule ins Berufsleben weiter zu verbessern, die Zahl betrieblicher Ausbildungsplatzangebote zu erhöhen und die dualen Ausbildung am Wirtschaftsstandort Berlin weiter zu stärken.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin: „Unser Ziel ist es Berlin zu einer Stadt der Arbeit zu machen. Und das beginnt gerade bei der Ausbildungssituation junger Menschen. Deshalb ist es weiterhin wichtig, dass wir gemeinsam – Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften – alle Anstrengungen unternehmen, junge Menschen bei ihrem Weg in und durch die Ausbildung zu begleiten. Das ist nicht nur für die Jugendlichen in Berlin ein Schlüssel für ihre Zukunft, sondern auch für die Unternehmerseite wichtig, die junge und gut ausgebildete Fachkräfte immer dringender braucht. Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, und es ist gut, dass wir sie auch gemeinsam wahrnehmen.“

Handwerkskammer-Präsident Stephan Schwarz sagt stellvertretend für die beteiligten Kammern und Wirtschaftsverbände: „Der Übergang von der Schule in die Ausbildung ist für jeden jungen Menschen eine Herausforderung. Die zahlreichen Chancen, die eine Ausbildung im Dualen System bietet, sind vielen Jugendlichen nicht ausreichend bekannt. Die heute beschlossenen Maßnahmen im Rahmen der ‚Berliner Vereinbarung 2015 – 2020‘ werden mit ihren Beratungs- und Unterstützungsangeboten dazu beitragen, Jugendliche schneller und gezielter in eine Ausbildung zu bringen. Damit wird der Einstieg ins Berufsleben erheblich erleichtert und zugleich etwas gegen den Fachkräftemangel getan.“

Christian Hoßbach, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Gewerkschafsbundes im Bezirk Berlin-Brandenburg: “Wir wollen gute Ausbildungsplatzangebote für alle Interessenten, davon ist der Berliner Ausbildungsmarkt ohne Zweifel noch weit entfernt. Die gute Nachricht ist, dass Politik, Verwaltungen und Wirtschaft sich einig sind, die duale betriebliche Ausbildung nicht nur sonntags zu rühmen, sondern tatsächlich arbeits- und bildungspolitische Strategien auf eine Stärkung der betrieblichen Ausbildung auszurichten. Notwendig ist ein aufeinander abgestimmtes Übergangssystem aus einem Guss. Hier ist in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam sehr viel in Bewegung gesetzt worden. Jetzt soll darauf aufgebaut werden, das unterstützen wir mit aller Kraft.”

Jutta Cordt, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der BA: “Mit der Einrichtung der Jugendberufsagentur Berlin können wir aus meiner Sicht gemeinsam einen großen Schritt zur Lösung der vielfältigen Probleme des Ausbildungsmarktes machen. Die systematische Zusammenarbeit der Partner Schule und BA in der JBA Berlin wird aus meiner Sicht die Transparenz der Nachfrage nach Ausbildungsangeboten der Jugendlichen in Berlin erhöhen. Hier brauchen wir aber auch eine deutliche Erhöhung des Ausbildungsangebotes der Berliner Wirtschaft. Deshalb freue ich mich, dass es uns heute gelungen ist, konkrete Zahlen zu vereinbaren und die Betriebe schrittweise mindestens 1.000 zusätzliche Stellen für Berlin melden.“

Zahlreiche Maßnahmen und Anstrengungen sind in der „Berliner Vereinbarung“ festgehalten:

• Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sonderkommission einigten sich auf ein zusätzliches Engagement, damit mehr Betriebe Ausbildungsplätze anbieten. Konsentiertes Ziel ist, ab dem Jahr 2015 schrittweise mindestens 1000 zusätzliche Ausbildungsplatzangebote gegenüber der Zahl gemeldeter Angebote im Jahr 2014 bereit zu stellen. Die Kammern werden hierzu gezielt diejenigen Betriebe ansprechen und für stärkeres Engagement werben, die im Vorjahr nicht ausgebildet haben.
• Die betriebliche Ausbildung wird weiter aufgewertet. Ausbildung muss wieder an Attraktivität gewinnen, sowohl bei den Betrieben als auch bei den Jugendlichen.
• Mit den neuen Instrumenten der Jugendberufsagentur und dem Landeskonzept zur Berufs- und Studienorientierung wird ein effektives Berliner Übergangssystem von Schule in Ausbildung gestaltet.
• Das gemeinsam erarbeitete „Landeskonzept Berufs- und Studienorientierung“ wird zügig in den weiterführenden Schulen umgesetzt und die erforderliche Platzzahl für Betriebsbegegnungen und Praktika angeboten.
• Als weitere unterstützende Maßnahme einigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem darauf, den Anmeldezeitraum für die Berufsfachschule mit Kammerprüfung um zwei Monate nach hinten zu verschieben.
• Die Zahl der Schulabbrecherinnen und -abbrecher soll sich auf unter 7 Prozent verringern
• Um das Augenmerk der Schülerinnen und Schüler stärker auf betriebliche Ausbildungsplätze zu richten, sind verpflichtende Beratungsgespräche und die Teilnahme an Nachvermittlungsaktionen vorgesehen.
• Weiterhin setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sonderkommission dafür ein, das im Bundesvergleich sehr hohe Durchschnittsalter von 21,2 Jahren bei Beginn der Ausbildung durch die Erhöhung des Angebots an betrieblichen Ausbildungsplätzen zu senken. Auch die Zahl der vorzeitigen Vertragslösungen soll auf unter 30 Prozent gesenkt werden.
• Abschließend setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sonderkommission für eine stärkere Durchlässigkeit zwischen beruflicher- und akademischer Bildung ein und werden ihre Bemühungen auch hinsichtlich des Dualen Studiums verstärken.

Berliner Vereinbarung 2015-2020

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