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Anonymisierte Bewerbungsverfahren in der Berliner Verwaltung erfolgreich getestet

Pressemitteilung vom 21.04.2015

Aus der Sitzung des Senats am 21. April 2015:

Das anonymisierte Bewerbungsverfahren hat einen ersten Praxistest im Bereich der Berliner Landesverwaltung und -unternehmen bestanden. Das geht aus einem entsprechenden Bericht an das Abgeordnetenhaus hervor, den der Senat heute auf Vorlage der Senatorin für Integration, Arbeit und Frauen, Dilek Kolat, beschlossen hat.

An dem Pilotprojekt „Anonymisiertes Bewerbungsverfahren“ haben sich sieben Akteure beteiligt: die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, die Senatsverwaltung für Inneres und Sport, die Bezirke Reinickendorf, Mitte, Pankow und Charlottenburg-Wilmersdorf sowie auf Ebene der Landesunternehmen die degewo. Knapp 100 Stellenbesetzungsverfahren waren involviert, gut 1000 anonymisierte Bewerbungen und Testergebnisse wurden gesichtet und bewertet.

Das Pilotprojekt hat wertvolle Hinweise und Erkenntnisse gebracht, um belastbare Voraussetzungen für den weiteren Einsatz dieses Verfahrens zu schaffen. Dank des aktiven Engagements der projektbeteiligten Behörden und Unternehmen steht den Personalverantwortlichen im Land Berlin jetzt ein praxiserprobtes anonymisiertes Bewerbungsverfahren als Option zur Verfügung.

Um häufig unbewussten Diskriminierungen keinen Ansatzpunkt zu geben, sind bei anonymisierten Bewerbungsverfahren die personenbezogenen Angaben wie Name, Alter, Geschlecht oder ethnische Herkunft für die Personalverantwortlichen zunächst nicht sichtbar. Eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erfolgt allein aufgrund der – anonymisierten – qualifikationsbezogenen Angaben.

Wesentliche Ergebnisse des Berliner Pilotprojekts „Anonymisiertes Bewerbungsverfahren“ sind:

• Alle Projektbeteiligten haben bereits vor dem Landesprojekt Anonymisierte Bewerbungsverfahren diverse Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt ergriffen. Durch die Projektteilnahme wurden diese nicht ersetzt, sondern in ausgewählten Bereichen ergänzt.

• Die Projektbeteiligten sehen in anonymisierten Bewerbungsverfahren ein praktikables Instrument,
o das zu einem „Mehr“ an Chancengleichheit und Objektivität in Rekrutierungsprozessen beitragen kann,
o das hinsichtlich unbewusster Diskriminierungsmuster sensibilisiert,
o das vertrauensbildend wirkt und insbesondere die Menschen mit vorangegangener Diskriminierungserfahrung zur Bewerbung ermutigt.

• Der Anspruch, im Rahmen der Bestenauslese qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber einzustellen, wird über anonymisierte Bewerbungsverfahren im besonderen Maße erfüllt.

• Das im Projekt entwickelte Bewerbungsformular trägt zu einer verbesserten Fokussierung auf die Qualifikation der Bewerbenden bei.

• Das Verfahren kann zur Optimierung und Beschleunigung von Stellenbesetzungsverfahren beitragen. Die im Rahmen des Projekts eingeleitete Verbindung des Instruments mit den E-recruiting-Prozessen des Landes wird für sehr wichtig erachtet.

• Der weitere Einsatz von anonymisierten Bewerbungsverfahren in ausgewählten Einsatzbereichen und unter Nutzung eines online gestützten Bewerbungsmanagements wird von den Projektteilnehmenden grundsätzlich befürwortet.

Anonymisierte Bewerbungsverfahren können nicht jedwede Benachteiligung im Bewerbungsverlauf verhindern, aber sie reduzieren die Gefahr einer unbewussten Diskriminierung in der ersten – besonders wichtigen – Stufe der Vorauswahlentscheidungen. Sie setzen nach außen und innen ein zusätzliches Signal für Chancengleichheit und stellen eine wichtige vertrauensbildende Maßnahme gerade für die Personen dar, die Diskriminierung erlebt haben. Dem misst der Senat hohe Bedeutung zu.

Vor diesem Hintergrund und aufgrund der ermutigenden praktischen Erfahrungen aus dem Pilotprojekt sieht sich der Senat darin bestärkt, weiterhin und im größeren Umfang für das Instrument der anonymisierten Bewerbungsverfahren zu werben und es in ausgewählten Bereichen der Landesverwaltung zum Einsatz zu bringen.

Die Berliner Behörden, Landesunternehmen und Hochschulen, insbesondere die jeweils für die Personalentwicklung zuständigen Bereiche, werden über die Ergebnisse des Pilotprojekts und seine Produkte gezielt informiert. Parallel werden im Jahr 2015 weiterhin Beratungs- und Fortbildungsangebote zur praxisnahen Unterstützung der Verfahren bereitgestellt. Im Rahmen des E-recruiting-Prozesses wird das Modul Anonymisierte Bewerbung zeitnah bereitstehen und noch 2015 ein webbasiertes Pilotverfahren durchgeführt.

Der Senat begrüßt, dass neben Verwaltung und Landesunternehmen auch weitere Berliner Verbände und Organisationen zunehmend anonyme Bewerbungsverfahren einsetzen. Zu ihnen gehören die Magnus Hirschfeld Gesellschaft, die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit und Leben (DGB/VHS) oder auch das Wissenschaftszentrum.

Im zweiten Halbjahr 2015 wird die für Antidiskriminierung zuständige Senatsverwaltung diese Akteure sowie die Berliner IHK und HWK zu einer Fachkonferenz einladen, um den Erfahrungsaustausch zu neuen, innovativen und chancengleichheitsorientierten Wegen der Personalrekrutierung weiter zu befördern.