Smart City-Strategie Berlin beschlossen

Pressemitteilung vom 21.04.2015

Aus der Sitzung des Senats am 21. April 2015:

Berlin steht vor großen Herausforderungen: Globalisierung und Digitalisierung, der demografische Wandel, die wachsende Stadt, der Klimawandel und die Energiewende erfordern themen- und ressortübergreifende Lösungsansätze. Um den Herausforderungen erfolgreich begegnen zu können, wurde im vergangenen Jahr unter Federführung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt eine Smart City-Strategie Berlin erarbeitet. In der heutigen Sitzung hat der Senat auf Vorlage von Stadtentwicklungs- und Umweltsenator Andreas Geisel die Smart-City-Strategie Berlin beschlossen.

Geisel: „Berlin ist eine internationale Metropole mit der Besonderheit hoher Lebensqualität, vieler Grünanlagen und einer interkulturellen Stadtgesellschaft, die konstruktiv-kritisch die Entwicklung der Stadt von morgen begleitet. Wir wollen diese Vorteile Berlins erhalten und ausbauen, in der wachsenden Stadt aber den Ressourcenhunger eindämmen und bei allen smarten Innovationen den Nutzen für die Berlinerinnen und Berliner in den Mittelpunkt stellen.“

Der Berliner Smart-City-Ansatz stellt den Menschen in den Mittelpunkt und zielt darauf ab, mithilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnik und des Vernetzungsgedankens datenschutzkonforme Lösungen für die ökologischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Herausforderungen Berlins zu finden. Dabei sollen Innovation, Inklusion und Wachstum bei den Fragen nach Ressourcenschonung und Resilienzentwicklung im Fokus stehen. Berlin will auf diese Weise seine Attraktivität und Lebensqualität bewahren und möglichst steigern. Weitere Ziele der Smart-City- Strategie sind der Ausbau der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Metropolregion Berlin-Brandenburg, die Steigerung der Ressourceneffizienz und Klimaneutralität Berlins bis zum Jahr 2050, die Schaffung eines Pilotmarktes für innovative Anwendungen und die Stärkung einer transparenten Entscheidungskultur in der Verwaltung.

Dabei macht der Senat deutlich, dass der informationellen Selbstbestimmung der Bürgerinnen und Bürger eine hohe Bedeutung beizumessen ist: Datenschutz ist Grundrechtsschutz und daher Grundlage für eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft.

Berlin fängt nicht bei null an. In Berlin existieren bereits viele Projekte, die ressortübergreifend entstanden sind und Synergien aus Verwaltung, Wissenschaft und Forschung sowie Unternehmen generieren und nutzen.

Die CKI-Konferenz, die die TU Berlin gemeinsam mit Siemens und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausrichtet, ist ein solches Projekt: Die Konferenz vernetzt Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung mit engagierten Studentinnen und Studenten, die in einem Ideenwettbewerb im Vorfeld der Konferenz smarte Produkte entwickeln und sie mithilfe der Partner der CKI-Konferenz zur Marktreife bringen. Zwei Gewinnerprojekte der letzten Konferenz sind die Smart Mobility App und Solar Window Blinds. Die App zeigt in Echtzeit die Auslastung von Bussen und U-Bahnen an und ermöglicht dadurch eine bessere Nutzung der Verkehrsinfrastruktur. Sie ist auf Interesse bei Siemens und der BVG gestoßen. Die Solar Window Blinds sind Jalousien, die durch Photovoltaik Strom erzeugen. Aus dieser Idee ist ein Start-Up mit fünf Mitarbeitern entstanden.

Ein weiteres gutes Beispiel ist das Konzept „One-Stop-City“ der Innenverwaltung. Es sieht die Entwicklung gemeinsamer Anlaufstellen mit einheitlichen Qualitätsstandards in der Berliner Verwaltung bis 2016 vor. Das Projekt schließt alle Zugangswege ein: postalische, telefonische, persönliche und onlinegestützte. Es erleichtert und beschleunigt die Kommunikation zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und der Verwaltung.

Ein kleines, aber wirkungsvolles Pilot-Projekt ist die BentoBox der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt: Sie dient als kleiner Knotenpunkt zur lokalen Verteilung von Packstücken. Durch den Einsatz der BentoBoxen kann ein energieintensiver Stop-and-Go-Verkehr der Lieferfahrzeuge vermieden und so zur Reduzierung von CO2-Emissionen beigetragen werden. Die BentoBox steht grundsätzlich allen Interessierten offen, um Pakete abzulegen und für den weiteren Transport zugänglich zu machen. Auf diese Weise kann zum Beispiel die Nutzung der umweltfreundlichen Lastenfahrräder für die letzte Meile ausgebaut werden.

Den Smart City-Ansatz verfolgen bedeutet immer auch, visionäre Ideen im Blick zu haben. Eine solche wird aktuell in einem Forschungsprojekt von Siemens entwickelt – die digital gestützte Parkplatzsuche: Mithilfe von Scannern in Straßenlaternen sollen Parklücken am Straßenrand ausfindig gemacht werden und diese Autofahrern mobil mitgeteilt werden. Auf diese Weise sollen der Parkplatzsuchverkehr und der damit verbundene Energieverbrauch verringert werden. Zudem wird der Verkehrsfluss beschleunigt.

Geisel: „Wenn ein Lastwagen im Hafen zum nächstgelegenen freien Parkplatz geleitet wird, wenn der Feuerwehr schon bei der Anfahrt an ein brennendes Haus Zugangsdaten und Besonderheiten der Immobilie übermittelt werden, wenn Menschen mit Behinderungen stundengenau erfahren, welche Aufzüge bei der BVG außer Betrieb sind und wie Bahnhöfe trotzdem erreichbar sind, dann zeigt sich konkret, was smarte Stadt bedeutet. Für mich ist das smarte Berlin keine Stadt, in der immer neuen Trends gefolgt wird, in der eine Anhäufung von Apps Vorgänge kompliziert, sondern eine, die hohe Lebensqualität bei reduziertem Ressourcenverbrauch garantiert, weil sie Synergien schafft, Säulendenken vermeidet und so Innovation und Inklusion verbindet.“

Berlin wird im Zuge der aktuellen Ausschreibung der EU-Kommission im EU-Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“ Anfang Mai EU-Fördermittel beantragen. Die erwartete Förderhöhe beträgt 25 Mio. €, wovon auf Berlin ca. 7 Mio. € entfallen können. Berlin entwickelt dazu mit den Partnern Paris und Bologna unter Einbeziehung weiterer internationaler Städtepartner ein EU-Projekt, in dem die intelligente Verknüpfung von Mobilität, Energiesystemen und IKT in Städten modellhaft und zur Übertragung auf andere Städte konzipiert wird.

Die Smart City-Strategie Berlin wurde in einem fast zweijährigen Austausch zwischen fünf Senatsverwaltungen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften, Vertretern der Stadtgesellschaft erarbeitet. Mit diesen Partnern wird auch die Umsetzung weiter betrieben.

Die Smart City-Strategie Berlin finden Sie im Internet auf den Seiten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt unter http://www.stadtentwicklung.berlin.de/.