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Bewerbung Berlins um Olympische und Paralympische Spiele

Pressemitteilung vom 24.02.2015

1. Berlin als Austragungsort von Meisterschaften

Die Sportmetropole Berlin hat vielfältige Erfahrungen als professioneller Organisator sportlicher Großveranstaltungen. Seit 1991 ist Berlin bis heute in jedem Jahr Austragungsort von Welt- oder Europameisterschaften sowie international wichtiger Wettkampfserien in vielen olympischen und nicht-olympischen Sportarten für Menschen mit und ohne Behinderung.

Insbesondere mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 hat Berlin international Maßstäbe gesetzt. Traditionssport-veranstaltungen wie der Berlin Marathon und das Internationale Stadionfest Berlin (ISTAF), das Pokalfinale im Fußball, die Internationalen Deutschen Meisterschaften der Behinderten im Schwimmen und in der Leichtathletik sowie die German Open im Rollstuhltennis bereichern die Veranstaltungspalette der Sportmetropole Berlin maßgeblich.

Allein in diesem Jahr werden drei Champions League Finale (Fußball, Volleyball), das EHF-Final Four im Handball, zwei Weltmeisterschaften (Moderner Fünfkampf, Cheerleading) und die EURO Basket 2015 in Berlin stattfinden. Eine weitere ganz besondere Sportgroßveranstaltung in diesem Jahr sind die European Maccabi Ga-mes 2015 in Berlin. Es handelt sich um die größte jüdische Veranstaltung Europas, bei der über 2000 Athleten in 20 Sportarten Wettkämpfe austragen werden.

Die Reihe internationaler Sportgroßveranstaltungen wird Berlin auch in den nächsten Jahren fortsetzen, z. B. 2016 mit der WM im Eisschnelllaufen, mit dem Internationalen Deutsches Turnfest 2017 und mit den Leichtathletik-Europameisterschaften 2018. In Berlin ist großer Sport zu Hause.

2. Partizipation / Kommunikation

a) Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger

Für den Berliner Senat ist die Einbindung der Berlinerinnen und Berliner bei der Konzeption und Entscheidungsfindung von zentraler Bedeutung. Sollte sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im März für Berlin entscheiden, wird im September 2015 ein politisch verbindliches Bürgervotum über die Frage herbeigeführt, ob Berlin für eine internationale Bewerbung zur Verfügung steht. Nach dem vom Senat vorgelegten Gesetzentwurf (Gesetz über eine Befragung zur Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Berlin) werden alle zur Abgeordnetenhaus-Wahl berechtigten Personen an dem Bürgervotum teilnehmen können.

Der Senat hat am 25. November 2014 die Eckpunkte eines Partizipations- und Kommunikationskonzeptes für die Bewerbung Berlins um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele beschlossen, das folgende Formate umfasst:

• Online-Bürgerbüro (www.was-will-berlin.de): Als zentrale Anlaufstelle für das Thema Bürgerbeteiligung zu Olympia im Internet bietet das Online-Bürgerbüro die Möglichkeit, öffentlich über das Thema Olympia zu diskutieren, sich für Partizipations-Veranstaltungen anzumelden und die Dokumentationen vergangener Veranstaltungen sowie weitere Informationen zum Thema abzurufen.
• Begleitgruppe: Die Begleitgruppe besteht aus engagierten Personen der Bürgergesellschaft und soll als Beratungsgremium den gesamten Olympia-Prozess Berlins begleiten – von einer möglichen Bewerbung bis zur Auswertung nach den Spielen. Die Begleitgruppe gewährleistet, dass die im Partizipationsprozess genannten Ideen und Anregungen ebenso wie die geäußerte Kritik in den weiteren Prozess eingespeist werden. Die Begleitgruppe soll dabei als Resonanzkörper agieren und befürwortende, neutrale und ablehnende Meinungen zusammenfassen. Sie wird aus insg. 50 Personen bestehen – davon 25 Personen der Stadtgesellschaft, die vom Senat eingeladen werden, sowie 25 Berlinerinnen und Berliner, die sich bis zum 20.2.2015 im Online-Bürgerbüro für einen Platz in der Gruppe bewerben konnten und am 23.2. per (quotiertem) Losverfahren ausgewählt wurden. Die konstituierende Sitzung ist für Anfang März geplant.
• Bürgerforen: Bei den Bürgerforen handelt es sich um breit angelegte Veran-staltungen, in denen die Berlinerinnen und Berliner Informationen zum Bewerbungsprozess sowie Antworten auf ihre Fragen erhalten und wichtige Themenfelder diskutieren können. Auf diese Weise können Themen identifiziert werden, die im weiteren Prozess, insb. in den Bürger-Werkstätten, weiter diskutiert und bearbeitet werden. Ein erstes Bürgerforum fand am 12.2.2015 im Berliner ewerk statt. Die Ergebnisse der dort durchgeführten TED-Umfragen zeigen eine insgesamt hohe Zustimmung zum bisherigen Konzept des Senats.
• Bürger-Werkstätten: Die Bürger-Werkstätten haben im Gegensatz zu den Bürgerforen einen stärkeren Fokus auf einzelne regionale oder sektorale Themen im Zusammenhang mit Olympia. Insbesondere sollen Fragen und Themen, die bei den Bürgerforen identifiziert wurden, hier mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern intensiv diskutiert und bearbeitet werden, um konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung des Berliner Bewerbungskonzepts zu entwickeln. Eine erste Bürgerwerkstatt zum Thema Barrierefreiheit wird am 26.2.2015 im Berliner Rathaus stattfinden.

b) Aktivitäten im Rahmen der Olympischen und Paralympischen Wochen

Am 23. Januar wurden die Olympischen und Paralympischen Wochen Berlin am Brandenburger Tor eröffnet. Bis zur Entscheidung des DOSB konzentrieren in diesen Wochen das Land Berlin, Wirtschaft, Sport und Stadtgesellschaft ihre jeweiligen Olympia-Aktivitäten und tragen das Thema Olympia so in die ganze Stadt. Höhepunkte der Olympischen und Paralympischen Wochen waren u. a. die vielen Lichtaktionen und das „Lebendige Olympische Band“ am 19. Februar. Im Rahmen der letztgenannten Veranstaltung konnten dem DOSB bereits mehr als 100.000 Unterstützer-Unterschriften überreicht werden. Getragen werden die vielen Aktionen von vielen aktiven und engagierten Bürgerinnen und Bürgern, dem Berliner Sport, der Berliner Wirtschaft und dem Berliner Senat.

3. Organisation

a) Gründung einer Bewerbungsgesellschaft

Für die Bewerbung um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Som-merspiele im Jahr 2024 bzw. 2028 ist eine Berliner Bewerbungsgesellschaft (GmbH) zu gründen. Die Eckpunkte dazu wurden im Rahmen eines Workshop zwischen dem Land Berlin und dem DOSB besprochen. Bei der Ausgestaltung der Gesellschaft wird man sich an dem Prozedere der Bewerbung von München 2018 orientieren. Berlin wird dabei in einem zweistufigen Verfahren vorgehen:

1. Zeitnahe Gründung einer Mantelgesellschaft als 100%ige Tochter der Partner für Berlin Holding Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH (PfB).

2. Aktivieren der Bewerbungsgesellschaft durch Aufnahme der Gesellschafter DOSB und Land Berlin. Der DOSB ist entsprechend der Regularien des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) der Mehrheitsgesellschafter einer Bewerbungsgesellschaft. Zugleich soll die austragende Körperschaft Gesellschafter der Bewerbungsgesellschaft sein. Diese Aufnahme der Hauptgesellschafter wird im Zeitraum zwischen April und August angestrebt. Die Aufnahme weiterer möglicher Gesellschafter – bspw. Kommunen, andere Bundesländer mit Austragungsorten, Bund – soll möglich sein.

Grundsatz: Bei allen Aktivitäten rund um die Gesellschaftsgründung und die Erstellung der wesentlichen Dokumente wird sich das Land Berlin bzw. die Verantwortlichen der PfB eng mit dem DOSB abstimmen.

Die Partner für Berlin Holding Gesellschaft für Hauptstadt-Marketing mbH ist daher gebeten, kurzfristig alle erforderlichen Maßnahmen zur Gründung einer Mantelgesellschaft für die Bewerbung Berlins um Olympische und Paralympische Spiele zu ergreifen.

b) Haushaltsvorsorge

Die Finanzierung der Olympischen und Paralympischen Spiele wird sichergestellt. Dabei verfolgt Berlin weiterhin das Ziel, einen möglichst hohen Anteil der entstehenden Ausgaben durch die Einwerbung privater Drittmittel abzudecken. Mit den anderen Austragungsbundesländern sowie mit dem Bund werden Gespräche über eine finanzielle Beteiligung geführt.

Soweit bereits in 2015 Bewerbungs- oder Planungskosten entstehen, werden diese im Rahmen der Haushaltswirtschaft unter den geltenden rechtlichen Voraussetzungen finanziert. Der Senat wird in seinem Haushaltsplanentwurf für die Jahre 2016 und 2017 die Bewerbung Berlins um die Olympischen und Paralympischen Spiele angemessen berücksichtigen. Der Senat wird die Einhaltung der Schuldenbremse gewährleisten.

4. Infrastruktur

a) Vorbereitung des Olympischen und Paralympischen Dorfes

Mit dem Olympischen und Paralympischen Dorf am Kurt-Schumacher-Quartier können, zusätzlich zu bereits geplanten und begonnenen Vorhaben, mehrere tausend neue, bezahlbare und zu großen Teilen barrierefreie Wohnungen entstehen, die nach den Spielen u. a. für studentisches und altersgerechtes Wohnen zur Verfügung stehen. Durch die Aktivierung der landeseigenen Wohnungsbauunternehmen werden bezahlbare Mieten erreicht. Das Olympische und Paralympische Dorf finanziert sich mittel- bis langfristig im Wesentlichen aus den entstehenden Mieteinnahmen.

Zur Vorbereitung des Baus des Olympischen und Paralympischen Dorfes sind planerische, organisatorische und planungsrechtliche Arbeitsschritte, die z. T. bereits vollzogen bzw. eingeleitet sind, erforderlich:

• Eine Machbarkeitsstudie zur Ansiedlung des Olympischen und Paralympischen Dorfes auf dem Flughafengelände Tegel ist bereits 2014 abgeschlossen worden. Die Machbarkeitsstudie untersucht verschiedene Varianten der Flächenzuordnung und der Anordnung der notwendigen Elemente des Olympischen und Paralympischen Dorfes und schlägt eine Vorzugsvariante vor, die auch Basis der Interessenbekundung war. Untersucht werden zudem in einem ersten Annäherungsverfahren die umweltrelevanten Auswirkungen und Belastungen (Eingriffe in Natur und Landschaft, Lärm, Klima).
• Die Einleitung eines Flächennutzungsplan-Änderungsverfahrens für einen Wohnungsbaustandort „Kurt-Schumacher-Quartier“, der auch das Olympische und Paralympische Dorf aufnehmen kann, ist erfolgt. Im Rahmen dieses Verfahrens wird ein Umweltbericht erstellt, der wesentlich auf die Untersuchungen der Machbarkeitsstudie zurückgreift.
• Eine Zeitplanung für Planung, Schaffung von Planungsrecht und Bauplanung sowie Bau von Infrastruktur und Hochbau wird zurzeit erarbeitet. Bereits 2015 soll mit einem Werkstattverfahren begonnen werden. Der Baubeginn wird für Ende 2018 angestrebt.
• Die Beauftragung von Tegel Projekt als Planungsgesellschaft auch für das Olympische und Paralympische Dorf ist avisiert; notwendig ist noch ein neuer Geschäftsbesorgungsvertrag bzw. die Erweiterung des bestehenden.
• Die Durchführung eines städtebaulichen und freiraumplanerischen Werk-stattverfahren wird vorbereitet und ist erforderlich um dem hohen Anspruch, der an ein Olympisches und Paralympisches Dorf sowohl in konzeptioneller als auch in baukultureller Hinsicht gestellt wird, durch ein entsprechend qualifiziertes Verfahren Rechnung zu tragen. Dies schließt auch eine begleitende Öffentlichkeitsbeteiligung ein.
• Die Schaffung von Planungsrecht durch Einleitung von Bebauungsplanverfahren (Aufstellungsbeschluss für 2016 avisiert) wird parallel zum Werkstattverfahren vorbereitet.
• Die Einleitung der verkehrlichen und infrastrukturellen Planungen wird ebenfalls vorbereitet.

*b) Nachhaltigkeitseffekte der Olympischen und Paralympischen Wettkampf- und Trainingsstätten für den Berliner Sport*

Die Berliner Infrastruktur für den Breiten- und Spitzensport ist schon heute erstklassig. Die Hälfte der für Olympische und Paralympische Spiele benötigten Wettkampfstätten ist bereits vorhanden. Die Modernisierung dieser Sportstätten geht vor Neubau.

Die in Berlin vorgesehenen Olympischen und Paralympischen Wettkampfstätten erfüllen die Anforderungen des IOC und der jeweiligen Spitzenverbände. Insbeson5dere wurden sie nach Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt. So fußt das Berliner Konzept weitestgehend auf vorhandenen Anlagen, die durch die erforderlichen Investitionen nicht nur für die Spiele sondern auch für zukünftige Jahre wettbewerbsfähig erhalten würden.

Neue Sportstätten würden dort errichtet, wo im Zuge der wachsenden Stadt ein entsprechender dauerhafter Bedarf besteht, so dass nicht nur die Investitionskosten, sondern auch die Lebenszykluskosten der zusätzlichen Sportanlagen sinnvoll eingesetzt werden würden.

Olympische Überkapazitäten, die in Einzelfällen erforderlich wären, würden nach den Spielen rückgebaut und Sportanlagen, für die Berlin keinen dauerhaften eigenen Bedarf sieht, entweder andernorts in Anspruch genommen oder lediglich temporär vorgehalten.

Die meisten Berliner Wettkampfstätten dienen dauerhaft dem Spitzensport und bilden Berlins Portfolio für große Sportveranstaltungen (Olympiastadion, O2-World, Max-Schmeling-Halle, Velodrom u.a.). Einige der bereits heute vorhandenen Wett-kampfstätten sind auch von erheblichem Nutzen für den Berliner Breitensport (Olympia-Schwimmstadion, Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark, Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion) und die neu zu errichtenden Sportstätten (u.a. Schwimmhalle und Volleyballhalle im Kurt-Schumacher-Quartier, kleines Hockeystadion im Olympiapark, Sporthallen im Sportforum) würden sowohl dem Spitzen wie dem Breitensport zugute kommen.

Der Senat erwartet von einer internationalen Olympiabewerbung auch einen wesentlichen Schub für die Einbindung und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in den Vereinssport. Die Schaffung der baulichen Voraussetzungen durch die Herstellung von Barrierefreiheit in jeder Hinsicht soll daher eines der zentralen Ziele bei der Verbesserung der Infrastruktur sein. Hier darf auf den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark verwiesen werden. Die Kosten für dessen Sanierung und Umbau zu einem Inklusionssportpark wurden bei der Kostenprognose der „Sowieso-Kosten“ berücksichtigt.

Für die Durchführung Olympischer und Paralympischer Spiele sind üblicherweise mindestens 30 Trainingsstätten erforderlich. Einige befinden sich zumeist direkt an der entsprechenden Wettkampfstätte oder im Olympischen und Paralympischen Dorf. Der Berliner Senat möchte den Sportlerinnen und Sportlern bei den Spielen die besten und umfassendsten Trainingsbedingungen bieten. Hierfür steht im Umkreis um das Olympische und Paralympische Dorf ein Mehrfaches der geforderten 30 Sportstätten zur Verfügung.

Die Herrichtung geeigneter Standorte für die Spiele, für die insgesamt 250 Mio. Euro Kosten kalkuliert wurden, würde das Land Berlin nutzen, um bestehende Standorte anschließend frisch saniert den Bezirken für den Schul- und Vereinssport zu übergeben. Auch sollen zusätzliche Sportstätten dort, wo es die wachsende Stadt benötigt, errichtet werden. Daher hat der Berliner Senat bereits jetzt die 12 Bezirke gebeten, ihre hierfür favorisierten Standorte zu benennen. Sollte es zu einer Bewerbung Berlins um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 kommen, wären die vorgeschlagenen knapp 60 Sportstätten zunächst die Basis für das folgende Auswahl- und Qualifizierungsverfahren als Trainingsstätten.

Die Investitionen des Landes Berlin in Olympische und Paralympische Trainingsstätten und Wettkampfstätten wären ein zusätzlicher Baustein innerhalb der Berliner Investitionsstrategie. Bereits in diesem Jahr und fortgesetzt mit dem Haushalt für 2016/2017 wird der Senat mehr private und öffentliche Investitionen für die wachsende Stadt mobilisieren. Wie bereits auf der Klausurtagung des Senats am 8. Januar 2015 festgehalten, will der Senat in den kommenden zehn Jahren einen echten Investitionsschwerpunkt auf den Ausbau und die Sanierung von Sportstätten legen und dafür einen „Olympiaplan schulische Sportstätten“ zum Aufbau hervorragender Trainingsstätten erstellen. Es wird zudem angestrebt, das einschlägige Sportanlagensanierungsprogramm aufzustocken.

c) Barrierefreiheit

Öffentlicher Hochbau
Berlin verfolgt im öffentlichen Bauen seit Jahren eine Politik der Barrierefreiheit, die darauf abzielt, Mobilitätsbarrieren für behinderte Menschen abzubauen. Für seine Erfolge in diesem Bereich wurde Berlin bspw. mit dem Access City Award 2013 der Europäischen Kommission ausgezeichnet.

Das Thema „Barrierefreies Bauen“ ist in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt mit der Koordinierungsstelle für „Barrierefreies Bauen“ seit 2000 strukturell fest verankert.

Bereits 1995/96 und 2005 wurde die Bauordnung Berlin novelliert und Vorgaben für barrierefreies Bauen entsprechend den politischen Zielstellungen angepasst. Danach liegt die Verantwortung zur Umsetzung der Vorgaben beim Planungsteam sowie der Bauherrenschaft. Um eine qualitative und einheitliche Umsetzung zu fördern, wurden in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt die Handbücher „Berlin – Design for all – Öffentlich zugängliche Gebäude“ und „Berlin –Design for all – Öffentlicher Freiraum“ entwickelt, die seit 2007 anzuwenden sind.

Die Handbücher greifen auch thematisch bislang wenig beschriebene Nutzungseinrichtungen auf und formulieren z. B. Anforderungskriterien für Hoteleinrichtungen, Sportanlagen oder Ausstellungen/Museen. Mit einem seit 2014 geforderten „Konzept barrierefrei“ wird der Grundgedanke des Design for all durch den gesamten Planungsprozess gesteuert. Damit steht Berlin ein für alle Bereiche des öffentlichen Hochbaus eindeutiges Regelwerk zur Verfügung.

Verkehr
Der Nahverkehrsplan soll bis 2022 eine vollständig barrierefreie Nutzung der öffentlichen Nahverkehrsangebote garantieren. Das Mobilitätsprogramm 2016 des Berliner Senats sichert die Mobilität für alle Alters- und Bevölkerungsgruppen ab. Herstellung von Barrierefreiheit ist eine Daueraufgabe.

Folgende Erfolge sind zu verzeichnen:
• Alle in Berlin im Linienverkehr (ÖPNV) eingesetzten Omnibusse sind barrierefrei.
• Der behindertengerechte und familienfreundliche Ausbau von Bahnhöfen umfasst die Ausstattung mit Aufzügen, das Herstellen von Blindenleitsystemen und ggf. Bahnsteiganpassungen. Die vollständige Umsetzung des barrierefreien Ausbaus aller U- und S-Bahnhöfe soll bis zum Jahr 2020 abgeschlossen sein.
• Es ist geplant, mit den neu beschafften Niederflur-Straßenbahnen vom Typ Flexity bis zum Jahr 2017 die restlichen nicht barrierefreien Straßenbahnen zu ersetzen.
• Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) führen Schulungsmaßnahmen für Mitarbeiter sowie Mobilitätstrainings für Menschen mit Behinderung durch.

Das Berliner Straßengesetz und die Ausführungsvorschrift (AV) Geh- und Radwege, aktualisiert in 2013, treffen Regelungen zur barrierefreien Gestaltung von
Geh- und Radwegen.

AG Bauen und Verkehr-barrierefrei
Die Verwirklichung des Prinzips „Nichts über uns – ohne uns“ erlebt in den monatlichen Sitzungen der AG „Bauen und Verkehr-barrierefrei“ eine seit 20 Jahren aktive Beteiligung von Menschen mit Behinderung. Neben verschiedenen Verbänden/ Vereinigungen ist auch der Berliner Behindertensportverband vertreten. Hier werden bedeutende Projekte der Stadt vorgestellt. Verschiedenste Akteure der Stadt kommen zusammen. Es werden Projekte begangen und ausgewertet, Informationen fließen, Defizite werden aufgedeckt und Erfahrungen ebenso ausgetauscht wie neue Projekte angeschoben.

d) Hotelangebot

Die vom IOC geforderten Hotelkapazitäten von mindestens 42.000 Zimmern im 2-5 Sterne Bereich können problemlos gewährleistet werden. Um das Olympiastadion Berlin stehen in einem Radius von 50 Kilometern in Berlin und Brandenburg derzeit 509 klassifizierte Hotels mit 58.441 Zimmern zur Verfügung. Rechnet man die klassifizierten und nicht klassifizierten sowie die in den nächsten Jahren geplanten Hotels in Berlin zusammen, gibt es allein in Berlin insgesamt 66.533 Zimmer.

5. Unterstützung der Wirtschaft

Die Berliner Wirtschaft hat sich klar für die Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024/2028 ausgesprochen.
In diesem Zusammenhang wurden bereits zwei Unterstützungsschreiben an das DOSB gerichtet in denen sowohl die ca. 200 Berliner Unternehmen der Partner für Berlin Holding als auch die Kammern und Spitzenverbände der Berliner Wirtschaft – IHK, Handwerkskammer, UVB, und VBKI – ihre Unterstützung für eine Bewerbung zugesagt haben.
In der aktuell laufenden Kampagne „Wir wollen die Spiele“ haben bereits viele kleine und große Berliner Unternehmen ihre Unterstützung eingebracht und in kürzester Zeit insgesamt über 1,6 Mio. Euro an Geld- und Sachleistungen zur Verfügung gestellt.

6. Kultur

Der Berliner Senat hat mit der kreativen Stadtgesellschaft einen Dialog über Olympia begonnen. Dabei wurden vielfältige Ideen zum Umgang mit Berlins olympischer Vergangenheit, aber auch zu Zukunftsfragen entwickelt, wie etwa Olympischen und Paralympischen Spielen in einer postnationalstaatlichen und in einer digitalisierten Welt. Die Berliner Kreativen stellen hohe Anforderungen an Transparenz, Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit der Spiele, gleichzeitig wollen sie sich in den weiteren Bewerbungsprozess mit ihren Ideen einbringen.

Für die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung der Reformpunkte der Agenda 2020 des IOC, insbesondere für die Verankerung der Olympischen Spiele in Stadtraum und Stadtgesellschaft und die Verschränkung von Sport und Kunst, liegt hier ein großes Potenzial: So wurden z. B. Vorschläge gemacht
- für eine Ausstellung zur olympischen Geschichte Berlins, eine filmische Auseinandersetzung mit Riefenstahls „Olympia“, ein olympisches Haus der Kunst, Programme der kulturellen Bildung, Kunst am Bau und die ästhetische Gestaltung der Spiele
- für die enge Verzahnung von Trendsportarten und Kultur, sowie für einen künstlerischen Wettbewerb in Weiterentwicklung der Olympischen Kunstwettbewerbe von 1912-1948.