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Rede des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit auf der großen Festveranstaltung zum 25. Jubiläum des Mauerfalls vor dem Brandenburger Tor

Pressemitteilung vom 09.11.2014

Sperrfrist: 19.00 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, führt laut Redemanuskript auf der großen Festveranstaltung zum 25. Jubiläum des Mauerfalls vor dem Brandenburger Tor und dem Abschluss der Ballonaktion aus:

Herzlich willkommen am Brandenburger Tor, dem Symbol der deutschen Einheit!

Fast drei Jahrzehnte lang war dies das Symbol für die Teilung Berlins und Deutschlands. Vor 25 Jahren war es der Ort, an dem die Menschen aus Ost und West auf der Mauer tanzten.

Hier in Berlin, an vielen Orten in der ganzen DDR und in unseren mittel- und osteuropäischen Nachbarländern haben mutige Bürgerinnen und Bürger Geschichte geschrieben, deutsche Geschichte, europäische Geschichte, Weltgeschichte. Ihnen verdanken wir das Glück der friedlichen Revolution. Wir verneigen uns vor der Entschlossenheit, dem Mut und der Tatkraft dieser Menschen, von denen viele heute Abend unter uns sind. Stellvertretend nenne ich die Bürgerrechtlerinnen Ulrike Poppe und Freya Klier und unseren Ehrenbürger Wolf Biermann.

Es war auch von zentraler Bedeutung, dass es in unseren mittel- und osteuropäischen Nachbarländern Menschen gab, die den Freiheitskampf vorantrieben – wie Lech Wałeşa, der heute hier ist. Und andere, die mit ihrer Besonnenheit und ihrem Mut dafür sorgten, dass die friedliche Revolution möglich wurde. Dafür stehen Miklos Nemeth, der frühere ungarische Ministerpräsident, und Michail Gorbatschow, der damalige Präsident der Sowjetunion, die heute bei uns sind. Herzlich willkommen!

Das unfassbare Glück des November 1989: Am Pariser Platz und an vielen anderen Orten in unserer Stadt war es spürbar und in vielen Herzen bleibt es lebendig. Das hat uns die Kraft gegeben, Berlin zu dem zu machen, was es heute ist: zu einer weltoffenen und toleranten Metropole, einer Stadt, die von ihrer Vielfalt lebt. Einem Ort, der die Menschen zusammenführt, ganz gleich welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Lebensweise.

Wenn wir heute den glücklichsten Tag unserer jüngeren Geschichte feiern, dann vergessen wir aber auch nicht: Für viele Millionen Menschen ist eine gerechtere Welt ohne Mauern längst noch nicht Wirklichkeit. Das Versprechen von Freiheit, Demokratie und einem Leben in Menschenwürde ist für sie bis heute ein unerfüllter Traum. Ja, mehr noch: Manch totgeglaubtes Klischee aus dem Kalten Krieg scheint selbst in Europa wieder auf. Freiheit und Demokratie sind kein Geschenk. Sie müssen erkämpft und in jeder Generation neu bewahrt werden. Dass das möglich ist: Dafür steht Berlin.

Nichts und niemand kann Unterdrückung legitimieren. Nichts und niemand darf den Freiheitswunsch und den Selbstbestimmungswillen der Menschen zurückweisen. Nirgends. Und nichts wird autoritäre Regime auf Dauer schützen vor dem Ruf nach Demokratie und Gerechtigkeit.

Daher wünschen wir allen Menschen, die unter den Mauern unserer Zeit zu leiden haben, dass sie auch so etwas wie wir erleben: neuen Mut, Aufbruch, Veränderung, um Unrecht und Leid zu überwinden. Das ist die Botschaft, die wir gemeinsam vom Brandenburger Tor in Berlin aussenden:

Mauern aus Beton und Mauern in den Köpfen, seien sie noch so hoch und für die Ewigkeit gebaut – sie sind überwindbar, wenn sich Menschen zusammenfinden und ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Ihnen gilt unsere Solidarität.