Wowereit in seiner Neujahrsansprache: „Berlin steht wirtschaftlich besser da als vor einem Jahr“ – Regierender fordert Verteidigung von Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz

Pressemitteilung vom 28.12.2012
Thema: Senatskanzlei

Bitte beachten Sie folgende Sperrfristen:

Zeitungen: Frei für Ausgaben am 31. Dezember 2012
Hörfunk: Zitate bzw. O-Ton bis 1 Minute frei ab 1. Januar 2013, 00.00 Uhr
Ansprache in voller Länge für Hörfunk frei ab 1. Januar 2013, 12.00 Uhr
Ansprache in voller Länge für Fernsehen frei ab 1. Januar 2013, 19.55 Uhr

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Erstmals hat Berlin 2012 die Schallmauer von 25 Millionen Übernachtungen jährlich erreicht. Auf diesen Erfolg weist der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, in seiner Neujahrsansprache hin. Ebenso sei es noch vor kurzem für schwer vorstellbar gehalten worden, so Wowereit weiter, dass Berlin mit den Werten seiner wirtschaftlichen Entwicklung im Bundesvergleich an der Spitze liegt. Insgesamt stehe Berlin besser da als vor einem Jahr.

Ein weiteres zentrales Thema der Ansprache Wowereits ist die Forderung, die Werte Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz zu leben und zu gestalten. In diesem Zusammenhang erinnerte der Regierende an den antisemitischen Angriff auf einen Berliner Rabbiner und an die Tötung von Jonny K. Wowereit verwies ferner auf das bevorstehende Themenjahr „2013 – Zerstörte Vielfalt“ aus Anlass der Machtübergabe an die Nationalsozialisten vor 80 Jahren und der Novemberpogrome vor 75 Jahren.

Im Folgenden dokumentiert das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin die Neujahrsansprache, mit der sich Wowereit an die Berlinerinnen und Berliner wendet, im Wortlaut:

„Ich hoffe, Sie hatten ruhige und besinnliche Festtage und sind gut ins Neue Jahr gekommen. Der Jahreswechsel ist Gelegenheit, Bilanz zu ziehen und nach vorne zu schauen. Für Berlin ist die Bilanz sehr positiv. Unsere Stadt ist auf einem guten Weg. Unsere Wirtschaft wächst nachhaltig. Die Unternehmen schaffen neue Jobs.

Wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass Berlin in Sachen wirtschaftlicher Dynamik bundesweit Spitzenwerte erzielt? Dies ist ein Gemeinschaftswerk. Viele haben daran mitgewirkt. Berlin wird immer attraktiver, vielfältiger und weltoffener. Zehn Prozent mehr Gäste gab es im vergangenen Jahr.
Und erstmals über 25 Millionen Übernachtungen. Nach den hohen Zuwachsraten der Vorjahre ist das ein kaum für möglich gehaltener Erfolg. Nicht nur die Gästezahl, auch die Stadt selbst wächst. Auch 2012 haben wir ca. 40.000 neue Einwohner gewonnen, davon die Hälfte mit internationalem Hintergrund. Darauf können wir alle stolz sein.

Wo es voran geht, da gibt es auch Rückschläge: Der Bau des neuen Flughafens hat mehr Ärger bereitet als Vorfreude ausgelöst. Aber Verantwortung wahrzunehmen bedeutet, die Dinge anzupacken. Das gilt besonders für den Flughafen. Deshalb bündeln wir alle Kräfte, um den Eröffnungstermin im Oktober 2013 einzuhalten.

Ärgerliche Rückschläge wie beim Flughafen dürfen uns aber nicht den Blick auf die Realität verstellen: Berlin steht besser da als vor einem Jahr. An vielen Stellen der Stadt drehen sich Baukräne. Überall entsteht Neues. Wir erleben es zum Beispiel in der City-West: Zwischen Gedächtniskirche, Zoo und Kurfürstendamm ist wieder ungeheuer viel Dynamik und neue Attraktivität entstanden.

Oder schauen Sie auf den Rütli-Campus in Neukölln. Vor ein paar Jahren war Rütli ein Symbol des Scheiterns. Heute ist aus der Problem- eine Musterschule geworden. Junge Menschen werden gefördert und bekommen Chancen unabhängig von ihrer Herkunft. Das Beispiel Rütli zeigt, was möglich ist, wenn alle gemeinsam anpacken.

Berlin lebt vom Engagement der Menschen. Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht durch Mitfühlen und aktives Tun. Dazu gehört auch, nicht wegzuschauen, wenn Menschen wegen ihrer Religion, ihrer Hautfarbe oder Lebensweise beleidigt und angegriffen werden. Die antisemitische Attacke auf Rabbi Daniel Alter oder der Überfall auf Jonny K., der mit unfassbarer Brutalität am Alexanderplatz tot geprügelt wurde: Das hat uns alle schockiert.

Nach solchen Vorfällen dürfen wir nicht zur Tagesordnung übergehen. Helfen Sie Menschen, die bedroht werden. Man muss kein Held sein. Oft reicht es, Zeugen anzusprechen und per Handy die Polizei zu alarmieren.

Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz: Diese Werte verdienen es, aktiv gelebt und verteidigt zu werden.

Wohin es führt, wenn menschenverachtenden Ideologien nicht Einhalt geboten wird, das zeigt das Themenjahr ‚2013 – Zerstörte Vielfalt’. In einer Vielzahl von Veranstaltungen gedenkt Berlin in diesem Jahr der Machtübergabe an die Nationalsozialisten vor 80 Jahren und der Novemberpogrome vor 75 Jahren. Das bedeutet: zahlreiche Gelegenheiten des Gedenkens, der Mahnung, der Erinnerung und der aktiven Auseinandersetzung mit dem Unrecht, aber auch mit der Frage, was wir alle tun können, um Gewalt und Diskriminierung entgegenzuwirken.

Liebe Berlinerinnen und Berliner: Lassen Sie uns gemeinsam alles dafür tun, dass Berlin auch 2013 eine lebenswerte und weltoffene Stadt ist, die Chancen für alle bereithält und vom Gemeinsinn ihrer Bürgerinnen und Bürger lebt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein gutes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2013.“

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