Senat beschließt „Berliner Masterplan Qualifizierung“

Pressemitteilung vom 05.04.2011

Aus der Sitzung des Senats am 5. April 2011:

Berliner Akteurinnen und Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gewerkschaften wollen gemeinsam die Anstrengungen für berufliche Bildung und Qualifizierung in Berlin verstärken und damit den Fachkräftebedarf der Zukunft sichern. Sie ziehen damit Konsequenzen aus der Fachkräftestudie Berlin-Brandenburg von Februar 2010, nach der ohne Gegenmaßnahmen im Jahr 2030 in der Region bis zu 460.000 Fachkräfte fehlen würden. Der Senat hat heute den von der Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Carola Bluhm, vorgelegten „Berliner Masterplan Qualifizierung“ beschlossen. Er muss von den anderen Partnern noch unterzeichnet werden.

Senatorin Bluhm: „Die Fachkräftestudie hat uns die Herausforderungen der kommenden Jahre bei der beruflichen Qualifizierung aufgezeigt. Mit dem Masterplan Qualifizierung legen die Akteurinnen und Akteure im Land Berlin nun ihre Vorschläge für die berufliche Bildung vor, die sie gemeinsam umsetzen werden. Ich bin über diesen Prozess sehr froh, denn die Aus- und Weiterbildung der Berlinerinnen und Berliner ist und bleibt eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre. Wir müssen die Bildungsbereitschaft der Unternehmen wie der Beschäftigten und Arbeitsuchenden verbessern. Wir brauchen für alle passgenaue Angebote. Ansonsten drohen gleichzeitig hohe Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel.“

Ziel ist es, die in Berlin lebenden und arbeitenden Menschen so zu qualifizieren, dass der Wirtschaftsstandort Berlin die Herausforderungen des wirtschaftlichen und demografischen Wandels bewältigen kann. Die Sicherung des aktuellen und zukünftigen Fachkräftebedarfs durch hochwertige Angebote der beruflichen Qualifizierung ist ein vordringliches Anliegen von Politik und Wirtschaft. Alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt sollen eine bestmögliche Ausbildung und während ihres Berufslebens die nötigen Weiterqualifizierungen erhalten. Lebenslanges Lernen gewinnt angesichts des immer schneller werdenden wirtschaftlichen Wandels eine herausragende Bedeutung.

Der Lenkungsgruppe für den Masterplan gehören an: Deutscher Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg, Handwerkskammer Berlin, Industrie- und Handelskammer Berlin, Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg.
Die Beteiligten haben in einjähriger gemeinsamer Arbeit analysiert, wo Schwachstellen im Berliner Ausbildungssystem liegen und wie bei der Aus- und Weiterbildung in Zukunft die Schwerpunkte gesetzt werden müssen. Sie haben konkrete Maßnahmen vereinbart, die sie in naher Zukunft umsetzen wollen.

Der Masterplan umfasst sechs Handlungsfelder:
• Duale Ausbildung
• Übergang Schule – Beruf
• Berufliche Weiterbildung
• Fachkräfteweiterbildung an Hochschulen
• Berufsbezogene Bildungsberatung
• Wachstumsregion Flughafen Berlin-Brandenburg

Beispiele für die verabredeten Maßnahmen:

In der dualen Ausbildung sollen Mentoren Jugendliche begleiten, um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden und die Abschlussquote zu erhöhen. Ebenso sollen die Möglichkeiten zur Teilzeitausbildung verbessert werden. Darüber hinaus soll die interkulturelle Kompetenz von Ausbilderinnen und Ausbildern gestärkt werden, um mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund für Ausbildungsplätze zu gewinnen.

Der Übergang Schule – Beruf soll in den kommenden Jahren optimiert werden. Dazu werden alle Angebote im Übergangssystem auf ihre Tauglichkeit überprüft. Jugendliche, die ohne zusätzliche Hilfe eine Ausbildung antreten können, sollen grundsätzlich nicht mehr an Bildungsmaßnahmen des Übergangssystems teilnehmen. Die vertiefte Berufsorientierung an Berliner Schulen soll weiterentwickelt werden.

Besondere Anstrengungen sind bei der Beruflichen Weiterbildung zu unternehmen. Kleine und mittlere Unternehmen tun sich damit aus Kapazitätsgründen generell schwerer als Großunternehmen. Hierzu wollen die Akteure insbesondere die kooperative betriebliche Weiterbildung ausbauen und die Förderangebote genauer auf die gesuchten Qualifikationen und Fachkenntnisse abstimmen.

Das Bildungssystem muss offener werden und Fachkräften ohne akademische Vorbildung sollen Zugang zu den Hochschulen erhalten. Neben einem erleichterten Zugang sollen besondere Studienangebote für diejenigen entwickelt werden, die fundierte Arbeitskenntnisse aus ihrer Berufstätigkeit mitbringen.

Um berufliche Bildung und Weiterbildung und damit lebenslanges Lernen sinnvoll unterstützen zu können, wird eine zielgerichtete berufsbezogene Bildungsberatung benötigt. Die Akteure wollen die Vernetzung der Bildungsberatungsstellen intensivieren und die Angebote besser miteinander verzahnen.

Die Wachstumsregion Flughafen Berlin-Brandenburg hat im Masterplan Qualifizierung ein eigenes Handlungsfeld. Der Flughafen soll nicht nur aus verkehrspolitischer, sondern auch aus beschäftigungspolitischer Perspektive ein Aushängeschild für die Region werden – als „Schaufenster für gute Arbeit“. Dazu sollen alle Aktivitäten zur Bewältigung des Fachkräftebedarfes eng abgestimmt werden. Flughafennahe Forschung und Wirtschaft sollen eng zusammenarbeiten, um neue Erkenntnisse schnell in neue Produkte, Prozesse und Dienstleistungen umzusetzen. Das Fachkräftepotenzial von Arbeitslosen soll erschlossen werden. Insbesondere junge Frauen will man fördern, um sie für die technischen und Ingenieurberufe zu gewinnen.

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