Rolf Riekher erhält Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland - Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für angewandte Optik - 24 Patente erhalten

Pressemitteilung vom 11.02.2010

Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung teilt mit:

Wissenschaftsstaatssekretär Dr. Hans-Gerhard Husung hat Rolf Riekher heute in Berlin den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland überreicht. In der Laudatio dankte Staatssekretär Husung Rolf Riekher für sein langjähriges Engagement und seine herausragenden Verdienste für die Optischen Technologien und die Berliner Wissenschaftsgeschichte. Rolf Riekher ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Optikgeschichte. Das Buch „Fernrohre und ihre Meister“ hat ihn in Kreisen der Astronomen, Amateurastronomen, Fernrohr-Sammler und Optikhistoriker im deutschsprachigen Raum berühmt gemacht.

Rolf Riekher, Jahrgang 1922, wurde in Schwerin geboren und verbrachte dort seine Schulzeit. Bis 1941 absolvierte er dort eine Augenoptikerlehre, bis 1946 arbeitete er als Augenoptikergehilfe. Anschließend wurde er selbständiger Unternehmer: Mit bis zu acht Mitarbeitern in Schwerin-Zippendorf belieferte er mehr als 50 Optiker mit Brillengläsern. Sein Herz schlug aber für die Feinoptik. Bei Professor Lau arbeitete er an Forschungsaufgaben im optischen Laboratorium mit – damals noch in seinem Privathaus in Berlin-Karow, später – auch wegen der Kontakte zu den dort arbeitenden Wissenschaftlern – in Berlin-Adlershof.

Das Optische Laboratorium der Akademie wuchs schnell. Im Laufe der Jahre gab es verschiedene Umstrukturierungen und Umbenennungen, seit 1971 hieß es Zentralinstitut für Optik und Spektroskopie. Rolf Riekher blieb bis 1987 Mitarbeiter des Instituts: Er baute die Feinoptische Werkstatt des Instituts auf und wurde Wissenschaftlicher Abteilungsleiter. Seine Arbeitsgebiete waren die Optiktechnologie, speziell die Asphärenherstellung, die Präzisionsoptik für Forschungsaufgaben, optische Bauelemente für die Lasertechnik sowie optische Mess- und Prüfverfahren.

Rolf Riekher stellte 1953 die weltweit erste Gleitsichtbrille her, die erfolgreich getragen werden konnte. Weitere Arbeiten zur Asphärenoptik des Instituts mündeten in erfolgreiche Entwicklungen, z.B. die Asphärenmaschine TRIROTA-SL, die im Oktober 1976 an Carl Zeiss Jena übergeben wurde. Für Infrarot-Fourier-Spektrometer zur Erforschung der Venusatmosphäre wurde eine asphärische Optik hergestellt; diese Spektrometer lieferten auf den 1983 gestarteten Sonden Venera 15 und 16 sehr gute Registrierungen der Infrarotstrahlung verschiedener Regionen der Venus.

Ein weiterer Höhepunkt seiner beruflichen Karriere war die Zusammenarbeit mit dem von Nobelpreisträger Nikolaj G. Basov geleiteten physikalischen Institut FIAN in Moskau. Darüber hinaus hatte Rolf Riekher großen Anteil am „Brockhaus ABC der Optik“, das 1961 erschien und für über drei Jahrzehnte das umfassendste deutschsprachige Nachschlagewerk auf dem Gebiet der Optik blieb. 1999 wurde es in komplett überarbeiteter Fassung als zweibändiges „Lexikon der Optik“ neu aufgelegt.

Zahlreiche Auszeichnungen krönen seine Karriere, zuletzt ernannte ihn die Deutschen Gesellschaft für angewandte Optik zum Ehrenmitglied. Riekhers Erfindungsreichtum belegen auch die insgesamt 24 in den Jahren von 1953 – 1986 erteilten Patente auf den Gebieten Asphärenoptik, Interferometrie, optische Bearbeitungsmaschinen sowie Laser- und Messtechnik.

Staatssekretär Dr. Hans-Gerhard Husung in seiner Laudatio: „Berlin hat die Ehre, nicht nur das wohl weltweit älteste Fernrohr, ein Instrument aus dem Pommerschen Kunstschrank (vor 1617), das jetzt im Kunstgewerbemuseum am Kulturforum untergebracht ist, zu besitzen, sondern auch die wohl weltweit größte Autorität zur Geschichte des Fernrohrs zu seinen Bürgern zu zählen.“

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