Bundesverdienstkreuz für Dr. Ilse Kokula: Ehrung für Courage und Beharrlichkeit

Pressemitteilung vom 05/22/07

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen teilt mit:

Im Namen des Bundespräsidenten zeichnet Staatssekretärin Almuth Nehring-Venus heute die langjährige Lesbenforscherin Dr. Ilse Kokula mit dem Bundesverdienstkreuz aus.

Dr. Ilse Kokula gilt als Pionierin der Lesbenforschung und der Lesbenbewegung im deutschsprachigen Raum. Seit dreißig Jahren kämpft sie für die Emanzipation von Lesben und engagiert sich dafür, das Wissen über lesbische Lebensweisen in der Öffentlichkeit zu erweitern. Von 1989 bis 1996 hat sie das bundesweit beachtete Referat für Gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der Berliner Verwaltung aufgebaut.

Staatssekretärin Almuth Nehring-Venus: „Dr. Ilse Kokula hat mit ihrem außerordentlichen, von Courage, Wissensdrang und Beharrlichkeit getragenen Engagement wesentlich zur Emanzipation von Lesben und Schwulen und zur Entwicklung einer toleranten und offenen Gesellschaft beigetragen.“

Als Forscherin hat Dr. Ilse Kokula bereits in den 70er- und frühen 80er Jahren wegweisende Werke zur Gegenwart und Geschichte lesbischer Frauen publiziert, auf deren Grundlagen jüngere Forscherinnen in Geschichte, Soziologie, Psychologie und Literaturwissenschaft haben aufbauen können. Sie hat in der Frauen- und Lesbenbewegung mitgearbeitet (u.a. durch Beiträge für die Lesbenzeitschriften “UkZ” und “Lesbenfront”, heute: “die”) und die lesbisch-schwule Zusammenarbeit gepflegt. So hat sie die lesbisch-schwule Gewerkschaftsgruppe der ÖTV/Verdi mit aufgebaut und den Katalog zur Ausstellung “Eldorado – Berlin 1850-1950” mitverfasst. Dr. Ilse Kokula hat schon vor der Wiedervereinigung Lesben aus Ost und West, aus den Niederlanden und der Schweiz miteinander verbunden und in der “Arbeitsgemeinschaft kommunale Lesben- und Schwulenpolitik” des Bezirksamtes Berlin-Charlottenburg als Expertin mitgewirkt.

Geboren 1944 in Schlesien und aufgewachsen in Franken hat Dr. Ilse Kokula zunächst den Beruf der Köchin erlernt, später Sozialarbeit und, nach weiteren Berufsjahren, in Berlin Soziologie studiert und 1982 in Bremen promoviert.

1989 begann sie ihre Tätigkeit als erste Gleichstellungsbeauftragte im „Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweisen“ im Senat von Berlin. Von 1996 bis zu ihrer Pensionierung 2004 arbeitete sie im Bereich des Jugendschutzes. Seither ist sie ehrenamtlich im Vorstand des Frauenzentrums FRIEDA und in der Lesbenforschung tätig.

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