MOSES-MENDELSSOHN-PREIS 2002 AN ANETTA KAHANE

Pressemitteilung vom 04.07.2002

Die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur teilt mit:

Die Journalistin, Übersetzerin und Geschäftsführerin der Regionalen Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule Neue Länder (RAA), Anetta Kahane, wird den vom Land Berlin ausgelobten Moses-Mendelssohn-Preis zur ‚Förderung der Toleranz gegenüber Andersdenkenden und zwischen den Völkern, Rassen und Religionen’ erhalten. Dies ent-schied das Preisgericht für die Verleihung des Moses-Mendelssohn-Preises 2002, dem Dr. Erika Godel, Manfred Isemeyer, Elke von Nieding, Regina Scheer, Dr. Angela Schneider, Wahied Wahdathagh und Moishe Waks angehören.

Die Jury hebt in ihrer Begründung hervor, dass Anetta Kahanes Bemühungen um interkulturelle Verständigung und Erziehung, um die Eindämmung von rechtsextremistischer Gewalt und um die Bekämpfung von Rassismus, Jugendgewalt und Intoleranz weithin anerkannt sind und Vorbildcharakter haben. Kennzeichnend für Anetta Kahanes ehrenamtliches und berufliches Engagement sei, dass sie zugleich publizistisch und praktisch handelnd tätig ist und trotz persönlicher Bedrohungen und Widerstände nie in ihrem Einsatz nachgelassen hat. Weiter hebt die Jury hervor, dass es ihr gelang, ein wirksames Netzwerk zur Sicherung der interkulturellen Arbeit und demokratischen Lernens zu schaffen.

Anetta Kahane stammt aus einer Familie, die während des Nationalsozialismus aus politischen und rassischen Gründen verfolgt wurde. Aufgewachsen in der DDR engagierte sich die Südamerika-Expertin 1989 in der Arbeitsgruppe Ausländerfragen im Neuen Forum, um sich für eine interkulturelle Öffnung und gegen die Diskriminierung von Ausländern und ein intolerantes gesellschaftliches Klima einzusetzen. Im Mai 1990 wurde sie die erste Ausländerbeauftragte in Ost-Berlin und bemühte sich vor allem um Hilfe für Roma-Flüchtlinge aus Rumänien und Juden, die aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kamen.

1991 gründete sie die Regionalen Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA) in Berlin und baute seitdem ein großes RAA-Netzwerk in Ostdeutschland aus. 1992 ruft sie den Arbeitskreis Sinti und Roma ins Leben und unterstützt die Internationale Liga für Menschenrechte bei ihrer Initiative, ein Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma in Europa vor dem Reichstag aufzustellen. Ende 1998 gründete sie die Amadeu Antonio Stiftung (benannt nach einem vor zehn Jahren von Neonazis ermordeten Angolaners in Eberswalde), um gezielt gegen die Ausbreitung rechtsextremistischer Gewalt vorzugehen. Mit Anetta Kahanes Unterstützung initiierte der stern die erfolgreiche Kampagne „Rock gegen rechte Gewalt“. Der Amadeu Antonio Stiftung wurde gemeinsam mit der Stiftung Demokratische Jugend die programmatische Verantwortung für das staatliche Programm civitas übertragen.

Der mit 10.000 € dotierte Preis wird Anetta Kahane am 5. September im Theatersaal des Hauses der Kulturen der Welt übergeben. Die Laudatio wird die Journalistin Regina Scheer halten.

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Annette Walz
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