W E I H N A C H T S A N S P R A C H E DES REGIERENDEN BÜRGERMEISTERS VON BERLIN, KLAUS WOWEREIT

Pressemitteilung vom 23.12.2001

Liebe Berlinerinnen, liebe Berliner,

das Weihnachtsfest enthält eine Botschaft, die gerade in diesem Jahr hohe Aktualität hat. Sie ist ein Aufruf für Frieden, für Verzicht auf Gewalt und für Mitmenschlichkeit. Diese Weihnachtsbotschaften sind keine hohlen Worte, sondern lebendige Werte.

Es gibt viele Menschen unter uns, die sie mit Leben erfüllen. 2001 war das Jahr des Ehrenamts. Vielfach wurde daran erinnert, was engagierte Menschen Tag für Tag leisten, um Berlin noch lebenswerter zu machen.

Ich möchte den Ehrenamtlichen in der Altenpflege und im Sport, in Jugendzentren und bei der Feuerwehr – und wo immer sie aktiv sind – herzlich danken. Und ich möchte auch andere erwähnen, die mit gutem Beispiel vorangehen. Schüler, die sich mutig dazwischenstellen, um Angriffe von Rechtsextremen auf ausländische Mitschüler abzuwehren. Die islamischen Moscheen, die zur Begegnung der Religionen und Kulturen einladen. Oder die Aktion Sterntaler, die konkrete Hilfe leistet für Menschen, die in Not geraten sind. Sie alle zusammen bilden das menschliche Gesicht unserer Stadt.

Zu einem Jahresrückblick gehören leider aber auch die Schattenseiten. Gerade jetzt tauchen vor unseren Augen immer wieder die Schreckensbilder von den Anschlägen in den Vereinigten Staaten von Amerika auf, die vielen Menschen das Leben gekostet haben. In dieser weltweit angespannten Lage haben die Berlinerinnen und Berliner nicht nur Anteilnahme gezeigt und Solidarität bewiesen, sondern auch Besonnenheit bewahrt. Trotzdem waren und sind die Auswirkungen des Terrors auch bei uns zu spüren. Wir dürfen den Zielen fanatischer Attentäter nicht nachgeben, indem wir Freiheiten einschränken. Bei aller Wachsamkeit dürfen wir nicht zulassen, dass das friedliche Zusammenleben von Menschen in unserer Stadt gestört wird.

Ich bin den Polizeibeamten außerordentlich dankbar für ihren Einsatz. Sie garantieren Sicherheit in unserer Stadt und leisten damit einen wertvollen Dienst für die Allgemeinheit.

Für Berlin war das Jahr 2001 ein bewegtes, ein bewegendes Jahr. Die Krise der Bankgesellschaft führte zum Ende der großen Koalition. Wir stehen nach den Neuwahlen nun in der Pflicht, den Mentalitätswechsel der Stadt in eine Politik der Erneuerung umzusetzen. Der Neuanfang bringt große Chancen. Gleichzeitig stellt er uns alle vor eine riesige Aufgabe. Was wir uns vornehmen, ist aber nicht ohne Fundament. Sondern wir setzen und bauen auf die großen Potenziale, die es in unserer Stadt gibt: in Wirtschaft und Medien, in Wissenschaft und Kultur – um nur diese Bereiche beispielhaft zu nennen.

Vielleicht erkennen wir die Chancen Berlins besser, wenn wir uns einmal in die Rolle außenstehender Betrachter versetzen. Viele Besucher und Gäste der Stadt sind begeistert und sehen Berlin als eine der attraktivsten Metropolen Europas. Berlins pulsierende Lebendigkeit, Kreativität und Vitalität werden immer wieder hervorgehoben. Junge Menschen aus allen Ländern strömen hierher, weil die Vielfarbigkeit und die Internationalität unserer Stadt sie anziehen. Das sind unsere Pluspunkte.

Nicht verschweigen möchte ich, dass wir auch künftig keine Wohltaten verteilen können. Um den Landeshaushalt zu sanieren, müssen wir auf äußerste Sparsamkeit achten. Aber wir werden dafür sorgen, dass es bei den anstehenden Entscheidungen gerecht zugeht. Alle, die daran mitgewirkt haben, unsere Stadt weiter zu entwickeln und ihr ein menschliches Gesicht zu geben, möchte ich ermuntern, ihr Engagement fortzusetzen. Lassen Sie uns zusammen weiter für Berlin arbeiten. Es lohnt sich, gemeinsam eine weltoffene und tolerante, wirtschaftlich starke und kulturell vielfältige Stadt zu formen. Ich wünsche allen, die in Berlin leben, glückliche und friedvolle Feiertage.
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