SCHMITZ WÜRDIGTE MARLENE DIETRICH

Pressemitteilung vom 27.12.2001

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Chef der Senatskanzlei des Landes Berlin, André Schmitz, hat heute bei der Kranzniederlegung anlässlich des 100. Geburtstags von Marlene Dietrich auf dem Städtischen Friedhof Friedenau folgende Ansprache gehalten:

“Heute vor 100 Jahren wurde sie als Marie Magdalene Dietrich in der Sedanstraße 53, heute Leberstraße 65, in Schöneberg geboren. Sie war eine der ganz Großen des Films des 20. Jahrhunderts. Eine Ikone des öffentlichen Lebens. Viele Rollen hat sie in ihrem Leben perfekt gespielt.

Nicht nur die der großen Künstlerin, auch die Rolle der Mutter, der Geliebten, der Diva, der Sängerin und des Showstars. Bevor ihr am 1. April 1930 mit dem Blauen Engel der Durchbruch zum Weltruhm gelang, hatte sie schon 15 Filme gedreht und in 21 Inszenierungen auf den Theaterbrettern Berlins gestanden, u.a. auch am Deutschen Theater, am Schauspielhaus und im Schlossparktheater. Sie ging nach Hollywood und wurde ein Weltstar, der einzige, den Deutschland in dieser Dimension im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat.

1953 begann sie in Las Vegas ihre Karriere als Sängerin. Die Vollblut-Entertainerin hat mit der ihr eigenen preußischen Disziplin auch diese Rolle perfektioniert. Sie selber schuf das Gesamtkunstwerk Marlene, wie wir es alle heute noch vor Augen haben. Ihre unvergessliche Schönheit, ihre Stimme und ihre Lieder – ‘Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt’ – wer könnte das je vergessen? Immer vollkommen und alterslos, gleichzeitig frech und frivol, erscheint sie uns vor unserem geistigen Auge. So wird sie in uns und in den kommenden Generationen fortleben. Was für ein Leben!

Mit ihrem Auftreten, ihrer Kleidung und ihrer Lebenshaltung prägte sie auch einen neuen selbstbewußten Frauentyp. Wer hat nicht Marlene im Frack in Erinnerung? Nicht nur ihre Lied-Texte und ihre Rollen ließen die Moral des Kleinbürgers hinter sich. Mit dem selbstgewählten Lebensweg war sie vielen Zeitgenossen weit voraus.

Auch ohne die Gnade der späten Geburt erkannte sie aus eigenen freien Stücken, dass man mit Nazi-Deutschland nicht paktieren durfte. In diesem Deutschland sah sie trotz aller verlockender Angebote der Nazis nicht ihre Heimat, sondern wählte den steinigen Weg der Emigration. Sie trat allein im Frühjahr 1944 innerhalb von 9 Wochen in 68 Vorstellungen vor 150.000 GI’s auf. Aus Liebe für das andere Deutschland, für die Kulturnation ihres heiß verehrten Herrn Goethe. Das wahre Deutschland hat sie damit nicht verraten!

Sondern sie hat sich mit den Kräften verbündet, die die Barbarei bekämpften. Hätten es doch nur mehr Deutsche getan. Beschämend für unsere Stadt waren die Anfeindungen von z.T. unglaublicher Bösartigkeit, die ihr noch 1960 bei ihrem ersten Auftritt im Titania Palast entgegenschlugen. Selbst bei ihrer Beerdigung 1992 war davon noch etwas zu spüren. Berlin bittet dafür um Entschuldigung.

Auf ihren eigenen Wunsch hin liegt sie hier begraben. Ihr umfangreicher Nachlass ist in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt. Im neuen Filmmuseum an der Potsdamer Straße wird sie geehrt. Ein großer neuer Platz unweit davon im Herzen des Neuen Berlins trägt ihren Namen.

‘Ich bin Gott sei Dank Berlinerin’ ist der Titel ihrer Erinnerungen. Spät ist sie wieder zu Hause angekommen, auch in den Herzen der meisten Berlinerinnen und Berliner. Wir gedenken einer unerreichbar großen Künstlerin und einer eindrucksvollen Persönlichkeit.

Der Senat von Berlin widmet diesen Kranz voller Dankbarkeit und Bewunderung einer Berliner Ehrenbürgerin honoris causa.”

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