GRUSSWORT DER AUSLÄNDERBEAUFTRAGTEN DES SENATS ZUM JAHRESWECHSEL 2001/2002

Pressemitteilung vom 28.12.2001

Sperrfrist: 31. Dezember 2001
(frei für Montag-Ausgaben)

Die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen – Ausländerbeauftragte – teilt mit:

Anlässlich des Jahreswechsels 2001/2002 hält die Ausländerbeauftragte des Senats, Barbara John, folgendes Grußwort:

„Liebe Berlinerinnen und Berliner aller Nationalitäten und Glaubensrichtungen,

es war kein leichtes Jahr, das hinter uns liegende 2001. Die persönliche Bilanz zieht jeder natürlich sehr unterschiedlich, ob das Jahr im Rückblick erfolgreich war oder nicht. Aber betrachten wir uns das Zusammenleben der Menschen. International gesehen haben wieder einmal Krieg, Gewalt und Hass dem Jahr ihren furchtbaren Stempel aufgedrückt. Die schrecklichen Terroranschläge in den USA haben ihre Auswirkungen auch auf das Leben hier bei uns. Fassungslosigkeit, Entsetzen über die Maßlosigkeit des Verbrechens, aber auch Wut, dass die Täter noch nicht zur Verantwortung gezogen werden konnten, oder Angst vor weiteren Anschlägen, Misstrauen und Verunsicherung greifen um sich und vergiften nicht selten den vertrauensvollen Umgang zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft oder Religion. Dabei sind sich die Religionen und Glaubensgemeinschaften einig: Terror und verbrecherische Gewalt werden von keinem Gott gedeckt. Hass und Gewalt widersprechen unseren Grundwerten total.

Ganz wesentliche Fundamente unserer gemeinsamen Zivilisation sind Achtung und der Respekt voreinander. Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Wir müssen uns nicht alle immer mögen oder gern haben, wir müssen uns aber alle mit Respekt und Achtung begegnen. Sonst kann das Zusammenleben gerade in einer von Einwanderung geprägten Gesellschaft nicht gelingen.

Um den hohen Anforderungen, die beispielsweise unsere Religionen an uns stellen, gerecht zu werden, ist jeder Einzelne Tag für Tag gefordert. Denn im Alltag ist es nicht immer leicht, die anderen Menschen in ihrer Vielfalt und Verschiedenheit ernst zu nehmen und sie zu achten. Große Worte und Appelle an die Toleranz sind schnell ausgesprochen, die Worte aber mit Inhalt zu füllen, ist häufig viel schwieriger, als man es sich zunächst vorstellt. Gegensätze, Konflikte, unterschiedliche Überzeugungen begleiten uns überall; darin liegt an sich aber kein Problem. Zum Problem werden diese Gegensätze nur, wenn jemand meint, seine Position über die des anderen stellen zu wollen, wenn er meint, Konflikte seien mit Gewalt zu lösen, und zu Hass und Gewalt aufruft.

Leider sind diese Gemeinsamkeiten im Alltag nicht jedermann geläufig. Auch nach vielen Jahren des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religion wissen wir oft zu wenig voneinander. Klischeevorstellungen führen nicht selten zu Vorurteilen. Diese können in Diskriminierung und Ausgrenzung münden. Deswegen dürfen wir auch nicht zulassen, dass Misstrauen und Klischees unser Verhältnis zu Menschen unterschiedlicher Nationalität, Religion oder Herkunft bestimmen. Ich bin daher froh, dass sich auch die Religionsgemeinschaften in letzter Zeit stärker öffnen für den Dialog und für die Begegnung. Das sind ermutigende Zeichen, die das Zusammenleben stärken.

Diesen Weg gilt es auch im neuen Jahr weiter zu beschreiten. Konflikte und Probleme wird es auch weiterhin geben. Das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Nationalitäten ist voll davon. Arbeitslosigkeit, ein mangelhaftes Ausbildungsniveau, unzureichende Sprachkenntnisse, schlechte berufliche Perspektiven – all dies gehört dazu. Diese Probleme müssen gelöst werden, damit sie nicht Spannungen zwischen den Gruppen schüren. Sie gehen uns alle an, nicht nur bestimmte Minderheitengruppen. Denn unsere Gesellschaft wird auch in Zukunft von Zuwanderung und Vielfalt geprägt werden, weit mehr noch als bisher. Davor dürfen wir die Augen nicht verschließen, sondern sollten dies als Chance begreifen und das Zusammenleben vernünftig und gleichberechtigt ordnen. Das Bekenntnis zu Vielfalt und tolerantem Umgang miteinander steht also auch im kommenden Jahr weiterhin ganz oben auf der Prioritätenliste!

Für die Feiertage und das neue Jahr wünsche ich Ihnen, Ihren Familien und Freunden Gesundheit, Erfolg und Zufriedenheit.“ – - – - -

Rückfragen:
Dr. Klaus-Peter Florian
Telefon: 9028-2743