Senat befragt Arbeitgeber: Berliner Arbeitsmarkt robust und dynamisch

Meldung vom 21.10.2014
Dilek Kolat
Bild: dpa

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt in Berlin ist nach wie vor robust und gleichzeitig auf Basis spezifischer Bedingungen anhaltend dynamisch. Das stellte die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen bei der Vorstellung des Betriebspanel Berlin 2013 fest, die jetzt im Senat erörtert worden ist.

Das Betriebspanel ist das Instrument der Landesregierung, um sich mit Hilfe einer Umfrage bei Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern in der Stadt einen vertieften Einblick in das Berliner Wirtschafts- und Arbeitsleben zu verschaffen. Kolat: „Berlin nimmt daran seit 1996 teil, so dass wir aufgrund der langen Beteiligung sehr gut Trends absehen können.“

Bei der Analyse, so die Senatorin weiter, komme es besonders auf die Faktoren Dynamik, Abbau der Arbeitslosigkeit sowie Wachstum an. Kolat verwies auf die auch seitens der Bundesregierung gerade erfolgte leichte Korrektur der Wachstumserwartungen nach unten: „Berlin ist jedoch wegen seiner besonderen Struktur etwas krisenresistenter.“ Man müsse das Jahresende abwarten, um zu erkennen, ob sich auch in der Hauptstadt eine „Wachstumsdelle“ zeige.

Senatorin Kolat erläuterte die zentralen Ergebnisse der Befragung zu mehreren wichtigen Themen:

  • BETRIEBSZAHL: Seit dem Jahr 2005 verzeichnet Berlin ein stetiges Anwachsen der Zahl von Betrieben mit mindestens einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Waren es 2005 79.657 Betriebe, sind es 2013 bereits 90.136 gewesen. Kolat: „Das ist eine neuer Höchststand.“
  • BESCHÄFTIGUNGSENTWICKLUNG: Setzt man das Jahr 2005 als 100 Prozent für die Entwicklung der Beschäftigung in Berlin und im Bundesdurchschnitt, dann liegt Berlin 2013 bei einem Zuwachs von 17 Prozent gegenüber nur 12 Prozent im Bund. Berlins Beschäftigungswachstum liegt also insgesamt über dem Bundesdurchschnitt. Kolat: „Eine erfreuliche, nachhaltige Entwicklung.“
  • BESCHÄFTIGUNGSSTRUKTUR: Im Vergleich zu den Bundeszahlen ist der Berliner Anteil von Beschäftigten mit Hochschulabschluss mit 24 Prozent gegenüber 13 Prozent überproportional hoch. Der Anteil einfacher Tätigkeiten ist in Berlin mit 19 Prozent gegenüber 21 Prozent im Bund etwas niedriger.
  • FACHKRÄFTEBEDARF: 32 Prozent der Berliner Betriebe will ebenso wie 2012 Fachkräfte einstellen. Kolat: „Diese Ziffer ist 2013 gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben, obwohl der Bedarf von rund 100.000 auf 90.000 im Jahresvergleich gesunken ist.“
  • NICHTBESETZUNGSQUOTE: Davon spricht man, wenn Betriebe ihre Arbeitsplätze in diesem Fall für Fachkräfte tatsächlich nicht besetzen können. Diese Quote liegt 2013 in Berlin bei 30 Prozent gegenüber 24 Prozent im Bundesschnitt. Kolat: „Diese Quote ist ein Indikator dafür, ob es tatsächlich einen Mangel an Fachkräften gibt. Das ist in Berlin der Fall.“ Die Höhe dieser Quote, so die Senatorin, sei auch ein Faktor der wirtschaftliches Wachstum dämpfe.
  • EINSTELLUNGSKOMPROMISSE: Berliner Unternehmen haben bei der Einstellung von Fachkräften Abstriche gemacht, um ihren Bedarf zu decken. Mit 56 Prozent an der Spitze liegt die Erhöhung des Aufwands für die Einarbeitung. 21 Prozent, das ist rund ein Fünftel, bezahlen mehr. Kolat: „Es wird zunehmend häufiger vorkommen, dass an der Vergütungsschraube gedreht wird.“ Viel weiteres Potenzial sieht Kolat bei der Änderung der Arbeitszeit (derzeit 17 Prozent der Kompromisse), weil Fachkräfte diesbezüglich immer mehr Wünsche haben beispielsweise wegen Kindern oder wegen Pflegefällen in der Familie. Es zeige sich, dass Arbeitgeber auch dabei immer mehr zu Zugeständnissen bereit seien. Kolat: „Bei Einstellungen muss in der Wirtschaft umgedacht werden.“
  • AUSBILDUNGSBETRIEBE: Besorgnis erregt bei der Senatorin die Tatsache, dass Berliner Betriebe immer weniger ausbilden. Nur noch 19 Prozent gegenüber 21 Prozent im Vorjahr haben 2013 ausgebildet. Bundesdurchschnitt dagegen 2013: 29 Prozent. Kolat: „Das ist der absolute Tiefstand nach einem erneuten Rückgang.“ Sie appellierte an die Wirtschaft, wieder mehr auszubilden: „Wer heute nicht ausbildet, dem fehlen morgen die Fachkräfte.“
  • ÜBERNAHMEQUOTEN: Auch 2013 bestand bei der Übernahme fertig ausgebildeten Personals eine Diskrepanz zwischen Berlin und dem Bundesdurchschnitt. Im Bund wurden 67 Prozent übernommen, in der Hauptstadt dagegen nur 59 Prozent. Kolat fordert auch dabei ein Umdenken der Arbeitgeber: „In Berlin hat sich bedauerlicherweise eine Mentalität breit gemacht, die davon ausgeht, dass die Fachkräfte schon irgendwoher kommen werden, wenn sie gebraucht werden.“
  • WEITERBILDUNG: Auch der Anteil Berliner Betriebe und Berliner Beschäftiger, die Weiterbildung betreiben, liegt unter dem Bundesdurchschnitt und ist zudem rückläufig. Kolat: „Auch das ist Besorgnis erregend, denn Weiterbildung dient dem Erhalt von Fachkräften, die dadurch auf dem aktuellen Stand der Dinge gehalten werden.“
  • ATYPISCHE BESCHÄFTIGUNG: Atypisch ist Beschäftigung, die nicht in Vollzeit, nicht sozialversichert und nicht unbefristet ist. Der Anteil der Leiharbeit (2013: 1,2 Prozent) liegt aufgrund geringeren Industrieanteils in Berlin unter dem Bund (1,6). Bei geringfügiger Beschäftigung ist der Anteil leicht auf 10 Prozent gestiegen, liegt jedoch noch unter dem Bundesschnitt (12). Der Anteil befristeter Beschäftigung liegt stabil bei 12 Prozent über dem Bund (8). Teilzeit liegt mit stabil 19 Prozent ebenfalls über dem Bundesdurchschnitt (17). Kolat: „Selbstverständlich muss bei Teilzeit immer differenziert werden zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Teilzeit“.

Insgesamt, unterstich Senatorin Kolat, lasse das Panel sehr gut Chancen und Probleme des Arbeitsmarkts erkennen. Auf diese Daten sei das Programm BerlinArbeit passgerecht aufgesetzt.

Die Berliner Sondersituation resultiere auch, erläuterte Kolat weiter, aus der starken Zuwanderung. 2013 sei ein Plus an 29.366 Erwerbstätigen zu verzeichnen gewesen, es seien jedoch nur 3683 Arbeitslose weniger gewesen. Das zeige, dass das Wachstum der Erwerbstätigkeit noch nicht weitgehend genug auf die Berliner Arbeitslosen durchschlage. Deshalb seien u.a. Maßnahmen wie Job-Coaching unverzichtbar.