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Berliner Kunstmarkt muss sich wirtschaftlich noch behaupten

Podiumsdiskussion der Landesinitiative Projekt Zukunft diskutiert den Stellenwert Berlins als Kunstmarkt

Berlin, 14. Dezember 2011 – Der Berliner Kunstmarkt ist ökonomisch noch nicht an der Weltspitze angekommen – so lautet die wichtigste Erkenntnis einer Podiumsdiskussion der Landesinitiative Projekt Zukunft. Beim 59. Zukunftsgespräch am 7.12. diskutierten die Kunstsammlerin Erika Hoffmann-Könige, der Galerist Volker Diehl, die Kunstagentin Valeska Hageney, Marek Claaßen, Direktor der Kunstmarkt-Datenbank artsfact.net sowie Barbara Wiegand, Kulturredakteurin beim inforadio und bei Deutschlandradio Kultur. Aber der vermeintliche Nachteil muss keiner sein - wenn verstärkt auf die Qualität von Kunstwerken gesetzt wird.

Berlin gilt als weltweit interessantester Produktionsstandort für Kunst. Rund 15.000 Künstler leben und arbeiten hier – so die Schätzungen der Experten auf dem Podium.  Galerien, Ausstellungen und Messen machen die Kunst sichtbar und bringen Künstler, Kuratoren und Sammler zusammen. Laut Eva Emenlauer-Blömers von der Landesinitiative Projekt Zukunft ist die wirtschaftliche Bedeutung allerdings noch sehr gering. Der Umsatzanteil des Kunstmarktes an der Berliner Kreativwirtschaft insgesamt liege bei nur zwei Prozent. Das habe Konsequenzen für die internationale Attraktivität. Die Stadt spiele im internationalen Kunstbetrieb nicht an der Tabellenspitze, Höchstpreise würden hier nicht erzielt, merkte Volker Diehl an.

Welche Konsequenzen dieser Status hat, zeigte der Exkurs zur Kunstmesse Art Forum. Die sei nach Meinung des stellvertretenden LVBG-Vorstands Cai Wagner im Frühjahr abgesagt worden, weil dort keine Spitzenpreise erzielt worden waren. Dabei seien Rekorderlöse gar nicht nötig: Ein Kunstwerk könne von hoher Qualität, müsse aber nicht zwangsläufig teuer sein. Um den Berliner Kunstmarkt zu stützen, müsse man „good news“ schaffen, so Marek Claaßen. Sammlerin Erika Hoffmann-Könige verwies auf die Chancen von Produzentengalerien nach Vorbild der Leipziger Schule.

Galerist Volker Diehl sieht in der großen Zahl an Künstlern aber auch ein Problem: Der Großteil der Künstler produziere Werke, die von eher geringer Qualität seien und daher kaum Marktrelevanz hätten. Erika Hoffmann-Könige merkte kritisch an: Bei vielen Berliner Künstlern sei die Haltung verfestigt, dass sie von staatlicher und politischer Seite unterstützt werden müssten. Politische Einmischung jedoch, darin waren sich die Podiumsgäste einig, schränke jede Kreativität ein. Um hochwertige, „gute“ Kunst zu schaffen, müssten sich die Künstler anstrengen und durchsetzen. Die Politik könne höchstens Rahmenbedingungen schaffen.

Die Beschäftigung mit Kunst erfordere eine intellektuelle und emotionale Auseinandersetzung mit den Werken. Aber es würde immer nur über den Preis gesprochen, den ein Kunstobjekt erzielt hat. Worum es eigentlich in der Kunst ginge, würde damit übertüncht, bemängelte Erika Hoffmann-Könige. Die Besprechung von Kunst in den Medien gehe auch nie auf die Inhalte ein, sondern immer nur auf den materiellen Wert einer Schau, so die Kulturredakteurin Barbara Wiegand. Einen Ausweg aus der Preisfixiertheit sehen die Diskussionsteilnehmer in einer Verweigerung der großen internationaler Kunstevents. Kunst sei zu intellektuell, als dass sie sich eventisieren ließe, so Marek Claaßen. Stattdessen müssten wieder Inhalte die Kunst bestimmen. Auch alternative Präsentationsformate wie das „Gallery Weekend Berlin“ könnten dazu beitragen, dass der Qualitätsaspekt stärker gefördert wird.

Das 59. Zukunftsgespräch wird in voller Länge am 18.12.2011 ab 11:05 Uhr im inforadio ausgestrahlt. www.inforadio.de

Ein kurzer Film der Diskussion ist auf der Internetseite von Projekt Zukunft zu sehen.


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