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Kopf des Monats November 2006:

Gabriela Ender

Gründerin und Geschäftsführerin von OpenSpace-Online

Links:

mehr aufwww.openspace-online.com
Gabriela Ender, Gründerin und Geschäftsführerin der OpenSpace-Online GmbH

Gabriela Ender ist Gründerin und Geschäftsführerin des Berliner Internet-Unternehmens OpenSpace-Online. Sie hat eine Internet-Konferenzmethode entwickelt, deren Konzept und Anwendung bislang einmalig ist: In Echtzeit und ohne Moderator können dezentral agierende Arbeits- und Interessengruppen Wissen teilen, Probleme lösen und Themen diskutieren. Vor kurzem wurde OpenSpace-Online vom "World E-Gov Forum" und PoliticsOnline mit dem "Top 10 World Changer 2006" Award ausgezeichnet. Mit dem Preis werden Vordenker und Macher geehrt, die die Zusammenarbeit im Internet nachhaltig verändern und demokratische Prozesse fördern. Das textbasierte Konferenz-System der Berliner Entwickler kann in 16 Sprachen weltweit genutzt werden. Im Interview mit Projekt Zukunft spricht Gabriela Ender über die Möglichkeiten von OpenSpace-Online, weltweite Veränderungen im beruflichen wie privaten Umfeld zu bewegen, und über die Zusammenhänge zwischen Internetnutzung und globaler Demokratisierung.

Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung des "World E-Gov Forum" und "PoliticsOnline"! Welchen Beitrag leistet OpenSpace-Online zur Ausweitung demokratischer Prozesse im Internet?

Wir freuen uns wirklich sehr über diese ganz besondere Anerkennung. Ich denke, die Jury hat uns nominiert, weil sie den Wert der "Do-it-yourself"-Philosophie von OpenSpace-Online und seinen weltweiten Nutzen für vielfältigste Lern-, Lösungs-, Beteiligungs- und Veränderungsprozesse in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Bildung und Forschung erkannte und als besonders hoch einschätzt. In der zweiten Auswahlrunde rief die Jury Interessierte aus aller Welt auf, sich an der Auswahl der "Top 10 World Changer" zu beteiligen, und zu unserer großen Freude gehören wir dazu.
Seit über vier Jahren verbreitet sich die OpenSpace-Online Konferenzmethode mehr und mehr rund um den Globus - hauptsächlich durch Empfehlungen. Weltweit gibt es kein anderes Internet-Tool, das einen virtuell begleiteten Echtzeit-Workshop-Prozess bietet, in dem kleine und große Gruppen hochverschlüsselt, also durch Einblicke von außen geschützt, brennende Fragen und komplexe Themen völlig eigenständig, hochdemokratisch und gleichzeitig sehr ergebnisorientiert innerhalb weniger Stunden bearbeiten können. Besonders ist auch, dass mit Beendigung der Echtzeit-Konferenz sofort eine sehr ausführliche Dokumentation vorliegt, die eine schnelle Weiterarbeit ermöglicht.

Wo kann die Software eingesetzt werden, und welche Prozesse werden damit unterstützt?

Die Internet-Konferenzen können ohne technisches oder methodisches Vorwissen von jeder Person und jeder Organisation schnell zu unterschiedlichsten Themen und Anlässen eingesetzt werden. Der Kreativität in der Anwendung sind fast keine Grenzen gesetzt: Städte ermöglichen eine lebendige Bürgerbeteiligung, nationale oder internationale Manager erarbeiten Strategien, Parteien unterstützen die Zusammenarbeit ihrer Mitglieder, soziale Netzwerke planen Projekte, Forschungsinstitute integrieren ihre qualitative Forschung über gezielte Beteiligung, Jugendliche diskutieren wichtige Themen mit internationalen Partnerschulen und werten die Ergebnisse unter verschiedenen Aspekten im Unterricht aus. Präsenz-Veranstaltungen wie Symposien, Workshops, Tagungen, Projektsitzungen werden durch OpenSpace-Online Follow-Ups zudem effektiver und nachhaltiger.
Denken Sie nur an die neue und längst überfällige Debatte zum Thema Klimaschutz und dem Jahrzehnte alten Wunsch, Ökonomie und Ökologie besser vereinbaren zu können. Stellen Sie sich vor, jede große Organisation der Welt würde in Zukunft nur fünf Prozent ihrer Geschäftsreisen zur Durchführung von Präsenz-Meetings einsparen und die restlichen 95 Prozent Meetings und Tagungen mit sehr effektiven Online-Meetings und Follow-Ups ergänzen und bereichern.

Inwieweit wird mit Ihrer Lösung das herkömmliche Internet- Kommunikationsverhalten verändert?

Der Einsatz und die Verbreitung der OpenSpace-Online Methode trägt zu einem Bewusstseinswandel im Bereich ganzheitlicher und nachhaltiger Kommunikation bei, die weit über das herkömmliche Internet-Kommunikationsverhalten hinausgeht. Die Methode ermöglicht völlig neue Wertebrücken zwischen Online- und Face-to-Face-Kommunikation. Hier steht nicht die Technik und nicht die Methode, sondern der Mensch und das Interesse an der Bearbeitung wichtiger Themen oder Fragen im Mittelpunkt. Deshalb wird auch auf die Einbindung eines menschlichen Online-Moderators verzichtet. Sehr umfangreiches Moderationswissen steckt bereits in der Konferenzsoftware, die jeden einzelnen Teilnehmer und die ganze Gruppe mit Hilfe eines virtuellen OpenSpace-Begleiters durch den Echtzeit-Prozess führt.
Während dieser Konferenzen, die meist zwischen drei und fünf Stunden dauern, sind die Mitwirkenden selbst die Experten. Sie sind es, die die Agenda entwickeln und die mit ihren Ideen, Anliegen und Erfahrungen zum Erfolg der Konferenzen beitragen. Das Ermöglichen von zielgerichteter und nachhaltiger Zusammenarbeit und das bewusste Begleiten entsprechender Kommunikationsprozesse wird in Zukunft zu den wichtigsten Schlüsselkompetenzen von Führungskräften gehören.

Kritiker haben Zweifel, ob das Internet zu mehr Demokratie beitragen kann. Nach wie vor bleibt vielen Menschen der Zugang zu Internet und Neuen Medien verwehrt. Welche Maßnahmen sind nötig, um die digitale Kluft zu überwinden, und welche Tendenzen zeichnen sich ab, mehr demokratische Prozesse im Internet abzubilden?

Für mich gibt es keinen Zweifel daran, dass das Internet zu mehr Demokratie beiträgt. Seine Erfindung, Weiterentwicklung und Nutzung beruhen ja geradezu auf demokratischen Verhältnissen. Das Internet selbst befördert, belebt und verändert die Demokratien immer wieder aufs Neue. Das Dilemma der digitalen Kluft ist ziemlich komplex. Es hat viele verschiedene nationale, kulturelle und technologische Facetten und Ausprägungen.
So wie die Bekämpfung von weltweiter Armut, Hunger, Durst und Krankheiten eine Aufgabe aller sein sollte, so sollte auch die Versorgung mit frühkindlicher Bildung, lebenslanger Weiterbildung und der Zugang zum Internet eine Aufgabe aller Nationen sein. Je mehr sich auch arme Länder oder ärmere Bevölkerungsgruppen in allen Ländern an Bildung oder Wissensaustausch beteiligen können, desto größer ist die Chance für ein friedliches und tolerantes Miteinander rund um den Globus, das weit über Kulturen und Religionen hinaus reicht. Meines Erachtens müssten viel mehr Anstrengungen unternommen werden, um diese Kompetenzen in Schulen, Universitäten, Verwaltungen, Ministerien, Städten und Kommunen zu tragen.


Sie haben den renommierten Preis als Berliner Unternehmen gewonnen. Berlin ist Internet-Hauptstadt. Finden Sie hier Bedingungen vor, die Sie bei der Realisierung Ihrer Projekte unterstützen?

Bevor wir die internationale Markteinführung unseres Konferenzsystems in 2002 starteten, wurde ich als technologieorientierte Gründerin vom Technologie Coaching Center Berlin mit einigen kostenlosen Coaching Stunden unterstützt. Darüber hinaus hatte ich keine weitere Unterstützung nachgefragt. In 2003 wurde die OpenSpace-Online GmbH von Berlin Partner als "GründerPartner von Berlin" ausgezeichnet. Als waschechte und begeisterte Berlinerin freue ich mich über diese Auszeichnung selbstverständlich sehr.

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