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Hintergrund Berliner Kunstmarkt

Kunstmarkt in Berlin

Nach dem Mauerfall hat sich der Berliner Kunstmarkt auf die Gegenwartskunst konzentriert und Berlin ist in die erste Reihe der führenden Kunststandorte in Europa aufgestiegen. Gegenwartskunst hat weltweit die höchsten Wachstumsraten. Trotz guter Ausgangsbedingungen und anhaltender Sogwirkung liegt Berlin allerdings bei den Umsätzen mit Kunst noch weit hinter London und New York zurück. Berlin ist jedoch erfolgreichster Produktionsstandort mit dem größten Zuzug von Bildenden Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt.

2007 kamen über die Hälfte der auf der Biennale in Venedig und der Documenta in Kassel vertretenen Künstlerinnen und Künstler aus Berlin (Hohmann/Ehlers 2007). 60% der Bildenden Künstlerinnen und Künstler gaben in einer DIW Befragung (Mundelius 2006) an, sich in Produzentengalerien oder Internetplattformen selbst zu vermarkten, d. h. ein hoher Prozentsatz agiert unabhängig und nimmt dafür Umsatzeinbußen in Kauf. Möglicherweise liegt auch deshalb das durchschnittliche Einkommen bei Kunstschaffenden im unteren Drittel der Einkommensklassen in Berlin.

Mit mindestens 420 Galerien gilt Berlin inzwischen als dichtester Galerienstandort Europas. Zu den Pionieren, die einst in der eigenen Wohnung begannen, gehören Galeristen wie Friedrich Loock oder Gerd Harry Lybke. Mit internationalen Kooperationen begannen Galerien wie Neugerriemschneider oder Klosterfelde. Arndt & Partner, Contemporary Fine Arts oder Max Hetzler entwickelten ihre Galerieräume fast zu Ausstellungshallen. Renommierte Galerien aus dem gesamten internationalen Raum haben heute Dependancen in Berlin – darunter Nordenhake oder Gerhardsen. Im Gegenzug haben einige Berliner Galerien Brückenköpfe im Ausland aufgebaut, wie Volker Diehl in Moskau und Alexander Ochs in Peking. Mit der Villa Grisebach hat das erfolgreichste deutsche Kunstauktionshaus seinen Sitz in Berlin. Die Auktionshäuser Lempertz und Ketterer haben Dependancen in Berlin eröffnet. Sammler wie Berggruen oder Scharf-Gerstenberg ergänzen eine der vielfältigsten Museumslandschaften der Welt.

Investoren wie Christian Boros entwickeln brachliegende Gebäude zu attraktiven Orten der Kunst – gelungene Beispiele dafür, wie strukturschwache städtische Räume durch Kunst neu-kodifiziert und umgenutzt werden können.

Die Berliner Museen können ihre wichtige Funktion als Akteure des Kunstmarktes nur unzureichend erfüllen. „Berlin sammelt Sammler“ – so resümierte Peter-Klaus Schuster die rege Sammlertätigkeit und die fehlenden Einkaufsetats der Berliner Museen. Das Art Forum Berlin, das allerdings für das Jahr 2011 abgesagt werden musste, veränderte sich in den acht Jahren unter der Leitung von Sabrina van der Ley zu einer der spektakulärsten Messen der Gegenwartskunst und begründete damit den heutigen Ruf der Stadt. (Daneben entwickelten sich weitere Messen und Formate wie die „Preview“, die „Berliner Liste“ oder der „Berliner Kunstsalon“. Zusammen mit Kunstausstellungen wie der „Berlin Biennale", dem „Gallery Weekend" und der neu konzipierten „Art Berlin Contemporary (ABC)" bilden diese das Spektrum internationaler Gegenwartskunst ab. Dennoch finden viele Bildende Künstlerinnen und Künstler noch keine angemessenen Ausstellungsmöglichkeiten in der Stadt vor.

Mit der Ausstellung „based in Berlin“ präsentiert sich die Berliner Kunst im Sommer 2011 unter der Leitung von Klaus Biesenbach, Christine Macel und Hans Ulrich Obrist an fünf verschiedenen Ausstellungsorten in der Stadt als Beitrag im „Dialog zwischen Kunstwelt, Öffentlichkeit und Politik“.

Vom Kunstmarkt profitieren zahlreiche vor- und nachgelagerte Wirtschaftszweige – von Fotoateliers und Druckereien bis zu Transportfirmen und Versicherungen. Neue Geschäftsfelder entwickeln sich, wie beispielsweise Kunstvermittlung und kunstbezogene Stadtführungen, die von Unternehmen wie Arthur-Berlin oder GoArt! angeboten werden. In Berlin sind mit Monopol, Artery-Berlin oder dem Kunst Magazin neue Zeitschriften rund um die Kunst entstanden. Allein drei große internationale Kunst- und Galerienportale werden von Berlin aus betrieben. Bereits vor zehn Jahren wurde artnet gegründet, das weltweit größte Online-Galerien-Netzwerk, mit dessen Hilfe Kunst recherchiert, erworben und verkauft werden kann. Mehr als 2.000 Galerien präsentieren von Berlin aus über 100.000 Arbeiten von rund 25.000 Künstlern weltweit. Die „Price Database“ ist das umfassendste Archiv von Auktionsverzeichnissen und zeigt Preistrends auf. Von den Alten Meistern bis zur Gegenwartskunst beinhaltet die Datenbank mehr als 3,6 Mio. Kunstwerke von über 180.000 Künstlerinnen und Künstlern . Welche Bedeutung das Nebeneinander von Kunstmarkt und öffentlichem Kunstangebot in Berlin für den Kulturtourismus hat, lässt sich bisher nicht quantifizieren, die Bedeutung der Kunst für den Städtetourismus ist aber unbestreitbar.

Ein Schlüsselprojekt ist das von der Landesinitiative Projekt Zukunft initiierte und 2007 gestartete Museumsportal, das einen Überblick über die Sammlungen von rund 200 Berliner Museen gibt und aktuell um ein Berliner Galerienportal erweitert wird. Das Portal präsentiert öffentliche und private Angebote sowie Dienstleistungen von Museen und Kunstmarkt nebeneinander und orientiert sich damit an den übergreifenden Interessen des Kunstpublikums. Das Portal wird von der x:hibit GmbH privatwirtschaftlich betrieben, die Redaktion erfolgt durch die landeseigene Kulturprojekte Berlin GmbH.


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