Berlin Fashion Week SS2018 – Ein Rückblick

17.07.2017

Vier Tage Fashion Week – das waren 70 Modeschauen und 3.500 neue Kollektionen. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten engagiert sich Mercedes-Benz in der internationalen Modewelt. In diesem Jahr verlagerte der Titelsponsor sein Engagement weg von den zur Schau gestellten Mode-Plattformen hin zu der Förderung von Talenten. In einer Stadt voller Selbermacher setzt das neue Kräfte frei.

© Premium_SS2018

Allem vorweg macht sich die Berlin Fashion Week einen großen Namen, wenn es um Nachhaltigkeit geht, denn an keinem anderen Modestandort der Welt wird dem Thema so viel Raum und Aufmerksamkeit geschenkt, wie in Berlin. Dafür ist diese Saison der Fashion Council wie auch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe besonders verantwortlich. Sie machten das Thema Green Fashion zur Bedingung für die Teilnahme an dem diesjährigen Mentoring-Programm, welches junge Designtalente unterstützt. BENU Berlin und Philomena Zanetti wurden zu den Gewinnern gekürt. Nachhaltige Labels sind auf dem Vormarsch und Modemarken, die bisher nicht nachhaltig agierten, lassen sich von der Strömung inspirieren.

Auch das Thema „Technologie trifft Mode“ ist dank der FashionTech ein USP der deutschen Hauptstadt. Hier treffen sich die Pioniere und diskutieren, wie man Mode mit neuesten Erfindungen koppeln kann. Auch dies geschieht meist in Anbetracht der Nachhaltigkeit, Materialverwertung und -produktion sowie funktionale Bekleidung, die das Leben der Träger vereinfachen kann. Spielereien, wie leuchtende Kleider gehören natürlich dazu. In der Kreativhochburg Berlin werden eben keine Grenzen gesetzt.

Und das ist auch das Schöne, wenn man die Vielfalt der Designtalente, die während einer Fashion Week zeigen, betrachtet. Junge Talente, wie William Fan, der die wichtigsten Meinungsträger während seiner Show versammelt oder Marina Hoermanseder, die in wenigen Jahren internationalen Erfolg erlangen konnte, zeigen im gleichen Rahmen mit weltweit erfolgreichen Labels wie BOSS. BOSS wiederum präsentierte nach einigen Jahren Abstinenz auf der Berlin Fashion Week eine sensationelle neue Kollektion von Jason Wu ganz im Sinne von Berlin meets New York, zeitgenössische Kunst fusioniert mit modernem Design, Historie trifft auf eine Muse von heute. So beschreibt BOSS Artistic Director Jason Wu seine eigens für die Berlin Fashion Week entworfene BOSS Gallery Collection, die in der Galerie St. Agnes in Berlin präsentiert wurde.

Im Rahmen der Fashion Week haben die Designer erneut bewiesen, wie viel Inspiration aus Berlin in die Welt gelangt. Die Designer trauen sich gewagte Kreationen zu präsentieren und Übliches unüblich zu machen, wodurch es besonders wird. Mode macht hier Spaß und überrascht in seinem Kombinationsfreiraum, bleibt jedoch tragbar in seinen Einzelteilen – so wie die deutsche Mode eben funktioniert. Ein Spagat, von dem sich viele Labels weltweit etwas abgucken können.

Überall sieht man den Neunziger-Jahre-Trend für den Sommer 2018. Denim und florale Muster sind von den Laufstegen nicht wegzudenken. Die Schnitte sind selbstbewusst, die Farben krachen, nichts darf zu unauffällig sein. Man spielt und experimentiert, mit Layering, Stoff- und Mustermixen.

Und so spricht man von einem Aufbruch und Veränderungen, wobei niemand weiß, wo die Reise hingeht. Doch in der Realität stellt sich die Deutsche Mode mehr unter Beweis denn je. Die Designer sind mutiger und zeigen, dass sie im internationalem Vergleich mithalten können. So lockte die Berlin Fashion Week erneut mehr wichtige Marken, Einkäufer und Presseleute an – ein Verdienst, den man ebenfalls der Zusammenarbeit des Fashion Council Germany und der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie der Gründung des kuratierten Berliner Mode Salons nachreden darf.

In Zeiten des Ausbruchs ist aber eines konstant: Die Publikumsresonanz der Messen, die im Rahmen des Berlin Fashion Week vom 04. Juli bis zum 07. Juli ihre Pforten geöffnet hatten: 

Mit rund 1.800 Marken, 81 % davon aus dem Ausland, sowie zahlreichen neuen Brands, die bis zu 30 % der Portfolios ausmachen, bot die PREMIUM GROUP auf all ihren Plattformen – PREMIUM, SHOW&ORDER AT KRAFTWERK BERLIN, SEEK, BRIGHT und #FASHIONTECH – eine Momentaufnahme des internationalen Modemarktes auf insgesamt 51.000 Quadratmetern. Laut PREMIUM GROUP betrug die Besucherdichte einiger Aussteller bis zu 3.000 Personen auf ihren Ständen.

Und auch die 10. Edition der Panorama Berlin war ein voller Erfolg. Die Strukturierung der Hallen nach Segmenten hat sich durchgesetzt. Die Optimierung der Lifestyle-Flächen wurde sehr gut aufgenommen. „Die Panorama Berlin Frühjahr/Sommer 2018 Ausgabe war sehr erfolgreich, die Zahl der Besucher identisch mit der des letzten Sommers. Es zeigt sich, dass Messen wichtiger denn je sind, was den Bedarf an Information und Kommunikation angeht. Insofern lagen wir mit unserem UNITED Claim in dieser Saison richtig und werden den Community-Aspekt in den kommenden Saisons weiter stärken. Die Durchmischung der Segmente mit Lifestyle-Artikeln wird von den Einkäufern begeistert angenommen und wir werden den Anteil an Lifestyle-Produkten in Zukunft deutlich steigern“, zeigt sich Jörg Wichmann, CEO der Panorama Berlin, mehr als zufrieden.

Der Berliner Mode Salon hat sich in seiner sechsten Saison als einer der wichtigsten Events der Berlin Fashion Week durchgesetzt. Die Initiative zur nationalen sowie internationalen Förderung deutscher Kreativtalente gefördert von der Sentasverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, residierte vom 3. bis zum 8. Juli 2017 erneut in den herrschaftlichen Räumen des Berliner Kronprinzenpalais und findet am Freitag ihren Höhepunkt in der Gruppenausstellung mit 36 Modelabels.

Im internationalen Vergleich hat die Berlin Fashion Week sehr gut abgeschnitten. Die Messen von von Florenz bis Paris haben erhebliche Besuchereinbrüche bis zu fast 20% zu verzeichnen, währenddessen die Besucherzahlen der Berlin Fashion Week in Anbetracht der erheblichen Veränderung im Bereich des stationären Einzelhandels nahezu konstant geblieben sind.

Deutsche Mode vermocht auch in diesem Jahr durch ihre kreative Substanz zu überzeugen. Besonders die neben den größeren deutschen Bekleidungsherstellern wie Boss, Marc Cain und Dorothee Schumacher vertretenen Berliner Designer wie Nobi Talai, Lala Berlin oder Dawid Tomaszewski müssen den internationalen Vergleich mit Paris oder Mailand nicht scheuen.

Es sind verschiedenste Strömungen, die in Berlin zusammentrafen: Stil heißt, keinen festen Stil zu haben und ein Trend ist all das, was Trend sein möchte. Mode macht hier Spaß und mit dem Hintergrund der Nachhaltigkeit und dem Know-How der Technologie-Branche, vereint die Deutsche Mode so viele wichtige Kategorien, dass die Berliner Fashion Week unauffällig internationale Maßstäbe setzt, die man vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennt. Auf lange Sicht gesehen sind diese jedoch wesentlicher, als große Shows von großen Namen und einer Scharr an Prominenz.