Hintergrund Buch- und Pressemarkt Berlin
Buchverlage
Seit der Wiedervereinigung ist Berlin zu einem der wichtigsten Verlagsstandorte in Deutschland geworden. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels führt in Berlin 300 Verlage mit einer regelmäßigen Buchproduktion. Die Zahl an Verlagen in der Umsatzsteuerstatistik ist mit unter 200 deutlich geringer. Dies zeigt, dass viele Verlage in Berlin zu den kleineren Unternehmen zählen, die den Grenzwert der Umsatzsteuerstatistik von 17.500 Euro nicht überschreiten.
Eine besondere Stärke am Standort sind die Wissenschafts- und Fachverlage. Zu den renommiertesten internationalen Wissenschaftsverlagen zählen die Springer Science+Business Media AG, die Platz zwei in der Weltrangliste der STM-Anbieter (Science, Technology, Medicine) einnimmt, der Verlag Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, der nach dem Erwerb der Verlage K.G. Saur und Max Niemeyer im Jahr 2006 zu den größten geisteswissenschaftlichen Verlagen Europas zählt, sowie die Cornelsen Verlagsgruppe als führender Anbieter von Bildungsmedien in Deutschland. Bei den Publikumsverlagen sind viele kleine unabhängige Unternehmen vertreten, die mit ihren Programmen den deutschen Buchmarkt bereichern. Dazu gehören der Verlag Klaus Wagenbach, der sich selbst als „unabhängiger Verlag für wilde Leser“ bezeichnet, die CH. Links GmbH mit Schwerpunkten auf politischen und historischen Sachbüchern u. a. zur DDR-Vergangenheit und der Suhrkamp Verlag, der 2010 seinen Sitz nach Berlin verlegt hat. Zu den größeren Verlagsgruppen gehören die traditionsreiche Ullstein Buchverlage GmbH, die 2004 nach Berlin zurückgekehrt ist, und die bereits zu DDR-Zeiten renommierte Aufbau Verlagsgruppe. Ein weiterer wichtiger Zweig im Verlagswesen sind die Comicverlage, deren Bedeutung in den letzten Jahren gestiegen ist. Wichtigste Vertreter sind der Egmont Ehapa Verlag mit seinem breiten Programmspektrum, der MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag, der die bereits in der DDR beliebte Comicreihe „Abrafaxe“ herausgibt, und der Verlag Reprodukt, dessen Zeichnerinnen und Zeichner aus der Independent-Szene kommen.
Buchhandel
Der Buchhandel in Deutschland hat sich in den letzten Jahren durch den Konzentrationsprozess verändert. Trotz steigender Marktanteile der Filialisten hat sich dieser Trend in Berlin nicht so stark niedergeschlagen wie in anderen Städten. Berlin steht neben den Buchhandlungen mit allgemeinen und wissenschaftlichen Sortimenten für viele unabhängige, aber auch Fach- und Spezialbuchhandlungen, die in solcher Dichte und programmatischer Vielfalt in kaum einer anderen Stadt anzutreffen sind. Hinzu kommen über fünfzig Antiquariatsbuchhandlungen, die ebenfalls ein breites thematisches Spektrum abdecken.
Autorinnen und Autoren
Berlin ist die deutsche Hauptstadt der Autorinnen und Autoren, die im In- und Ausland hohe literarische Anerkennung genießen. In den letzten Jahren wurden mehrfach der Ingeborg-Bachmann-Preis, der Georg-Büchner-Preis und der Bremer Literaturpreis an Berliner Schriftsteller und Schriftstellerinnen vergeben.
Kooperationsprojekte
Um ein überregionales Publikum für Produktionen von Berliner Verlagen und Autoren zu interessieren, unterstützt das Land Berlin direkt bzw. über den Hauptstadtkulturfonds und die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin zahlreiche Literaturveranstaltungen in Berlin. Dazu gehören u. a. die Veranstaltungsreihe Stadt Land Buch, die Kunstbuchmesse Miss Read, das Internationale Literaturfestival (ilb), das Poesiefestival der literaturWERKstatt Berlin und die Berliner Märchentage.
Eine aktuelle Studie zum Medien- und Konsumverhalten von Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 13 Jahren (KidsVA 2010) bestätigt, dass Lesen nach wie vor eine wichtige Freizeitbeschäftigung vieler Kinder ist. Immer selbstverständlicher wird daneben der Umgang mit elektronischen Medien, 28% der Kinder surft täglich im Internet. Für die Zukunft des Buchmarkts ist wichtig, weiterhin Kinder und Jugendliche für das Medium Buch zu begeistern. Der Buchhandel leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Seit 2008 werden jährlich Buchhandlungen in Berlin, die sich besonders für die Leseförderung einsetzen, mit dem „Gütesiegel Leseförderung“ ausgezeichnet.
Pressemarkt
Der Berliner Pressemarkt gehört zu den dichtesten Medienmärkten Deutschlands. Hier arbeiten die meisten der bundesweit 17.000 fest und frei tätigen Zeitungsjournalisten, hier werden heftige Kämpfe um die Vorrangstellung im medialen Wettbewerb ausgetragen.
Keine der Tageszeitungen vermochte es bisher, den Rang einer Hauptstadtzeitung mit überregionaler Bedeutung einzunehmen. Der Leserschaft in der Hauptstadt stehen insgesamt zehn Tageszeitungen und acht Wochenzeitungen mit Redaktionssitz in Berlin zur Verfügung. In Berlin erscheinen „B.Z.“, „Berliner Kurier“, „Berliner Zeitung“, „Bild“, „Der Tagesspiegel“, „die tageszeitung“ (taz), „Junge Welt“, „Neues Deutschland“ und „Die Welt“/„Berliner Morgenpost“. Mit nennenswerter Auflage erscheinen zudem die Wochenzeitungen „Bild am Sonntag“, „Welt am Sonntag“, „Freitag“, „Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung“, „Jüdische Allgemeine“, „Europa Ekspress“ (russisch), „Russkaja Germanija“ (russisch). Die in Berlin beheimateten Zeitungen haben mit einem Marktanteil von 90% auf dem lokalen Markt eine starke Marktstellung inne.
Der Berliner Pressemarkt steht vor großen Herausforderungen. Die seit Jahren stagnierenden bzw. teilweise rückläufigen Auflagen der Tageszeitungen machen deutlich, dass neue Formate gefragt sind, die den Status der Zeitung als zentrales Informationsmedium untermauern. Die Berliner Verlage weiten daher die redaktionellen Bereiche ihrer Medienangebote im Internet stetig aus.
Ausführliche statistische Daten und weitergehende Fakten bietet der Kulturwirtschaftsbericht 2008.



