Hintergrund Sicherheit mit IT
Bereits 2002 entstand in der Hauptstadtregion eine Technologieinitiative zur „Sicherheit mit Informationstechnologie“. Nach einjähriger Vorbereitung in einer Expertenrunde startete sie offiziell 2003. Seit 2005 ist „Sicherheit“ ein Handlungsfeld in der Innovationsstrategie des Landes Berlin, seit 2007 eines der Handlungsfelder in der länderübergreifenden Innovationsstrategie von Berlin und Brandenburg. Mit dem „Masterplan für Sicherheitsforschung und –wirtschaft Berlin-Brandenburg“ wurde dies 2008 auch durch die Politik dokumentiert.
Potenzialanalyse Sicherheitswirtschaft
Die Sicherheitsbranche hat sich aufgrund der Anforderungen einer Hauptstadt rasant entwickelt. Zwei Analysen zu Sicherheitswirtschaft und –forschung erbrachten umfangreiche Erkenntnisse zur Branchenstruktur, den Geschäftsfeldern sowie der Kundenstruktur in Berlin und der Region. Danach gibt es gegenwärtig ca. 250 Unternehmen, die teilweise oder hauptsächlich Produkte und Dienstleistungen zu Sicherheitsaspekten anbieten. Sie beschäftigen 27.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erwirtschafteten einen Umsatz von 3,0 Mrd. Euro (2010). Damit hat die Hauptstadtregion einen Anteil von zwölf Prozent am deutschen Markt für zivile Sicherheit. Die Unternehmen sind vorrangig auf die Industrie als Abnehmer ausgerichtet. In erster Linie wird Sicherheitstechnik (40,6 Prozent der Unternehmen) bereitgestellt. Hier sind Unternehmen wie Siemens Building Technology, die Bundesdruckerei, Interautomation, Robowatch oder Kieback & Peter zu nennen. Ein weiteres Standbein der Hauptstadtregion sind die Sicherheitsdienstleistungen (32,9 Prozent). Hauptgeschäftsfelder sind Beratung und Risikomanagement.
Im Segment IT-Sicherheit sind gut ein Viertel der Unternehmen tätig. Ein bekannter Anbieter ist Rohde&Schwarz SIT. Für 64 Prozent aller Unternehmen wird die Geschäftstätigkeit wesentlich durch Sicherheit bestimmt. Hauptproduktgruppen sind Zutrittskontrolle, Sensorik, Brand- und Gefahrenmeldetechnik, Videotechnik sowie Biometrie. Nur 29 Prozent der Unternehmen sind auf den regionalen Markt konzentriert, über die Hälfte agiert bundesweit, immerhin neun Prozent sind bereits auf dem Weltmarkt engagiert.
Breit aufgestellte Sicherheitsforschung
Seit Beginn der Technologieinitiative sind nicht nur zahlreiche Projekte gefördert worden (allein 2005–2007 wurden sechs Mio. Euro Fördermittel bereitgestellt), es haben sich mehrere Netzwerke von Identifikationssystemen über Gebäudesicherheit bis Tunnelsicherheit gebildet. Hier legen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen ihre Kompetenzen zusammen, um gemeinsam eine bessere Marktposition zu erreichen. Die Forschungslandschaft ist breit aufgestellt und wird zunehmend durch die Industrie genutzt und gestärkt. So hat die Bundesdruckerei inzwischen sechs SecurityLabs bei Fraunhofer-Instituten eingerichtet, um gemeinsam die Forschung und Entwicklung moderner elektronischer Personaldokumente voranzutreiben. Zum Sommersemester startet eine Stiftungsprofessur an der Freien Universität Berlin zu „Sichere Identität“, eingerichtet durch die Bundesdruckerei.
Zum gleichen Thema hat Ende 2008 der Verbund von sechs FhG-Instituten, Hochschulen und zahlreichen Unternehmen den Zuschlag für ein FhG-Innovationscluster gewonnen. Hier stehen in den nächsten Jahren insgesamt zehn Mio. Euro für die Sicherheitsforschung zur Verfügung. Gemeinsam mit dem Land Brandenburg ist eine übergreifende Internetseite www.sicherheit.berlin-brandenburg.de eingerichtet, um die Ergebnisse aus dem eingangs genannten Masterplan auch nach außen hin darzustellen. Damit werden die Handlungsfelder des Masterplans bereits in vielen Aktivitäten umgesetzt.
Maßnahmen für eine sichere Hauptstadt
Die gemeinsame Bewerbung im Spitzencluster-Wettbewerb des Bundes hat die Kompetenz des Clusters „Zivile Sicherheit“ verdeutlicht. Es haben sich 125 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden aus Berlin und Brandenburg zusammengeschlossen, um neue Lösungen für die zivile Sicherheit zu entwickeln und zu erproben. Die Jury sah den Markt zwar als perspektivisch attraktiv, den Cluster aber noch nicht als ausreichend entwickelt an. Das SIGNUM-Konsortium hat sich daher entschlossen, die Teilcluster in Eigenregie umzusetzen, um Berlin-Brandenburg in einem ganzheitlichen Ansatz zu einer Sicherheitsregion mit internationaler Ausstrahlung auszubauen. In diesem Rahmen werden die Teilcluster „Sichere Identität“, „Sichere Infrastruktur“ sowie „Integrierte Ausbildung und Nachwuchsförderung für die Sicherheitsbranche“ in einem integrativen strategischen Ansatz miteinander verbunden und in gemeinsamen Projekten entwickelt.
Folgende Projekte werden bearbeitet:
- Schaffung von Zertifizierungskriterien und -strukturen für Gebäude.
- Die neuen Anforderungen an die (digitale) Identität von Personen und Gütern werden im Rahmen des FhG-Innovationsclusters „Sichere Identität“ erforscht.
Die nächste Stufe werden konkrete, marktfähige Applikationen und die Voraussetzungen für die Infrastruktur eines europaweiten Identitätsmanagements sein.
Das nationale Störungszentrum der Infrastrukturbetreiber wird eine Ausbildungs- und Trainingsstätte werden, die den Betreibern kritischer Infrastrukturen die notwendige Kompetenz für ein sachgerechtes Reagieren auf Havarien oder Fremdeingriffe vermittelt.
Das Zentrum für die virtuelle Rekonstruktion
wird bereits 2010 seine Arbeit aufnehmen und seine einmalige Dienstleistung weltweit anbieten. Ein übergreifendes Clustermanagement sichert die Synergien zwischen den Teilclustern.




