Umwelt- und Explosivstoffe
Umwelt- und Explosivstoffanalytik
Die im Februar 2005 neu gebildete Fachgruppe unterstützt die polizeilichen Ermittlungsdienststellen insbesondere bei der Bekämpfung von Umweltdelikten und bei Straftaten mit Explosivstoffen. Tatortarbeit, Probennahmen, physikalische und chemische Analytik sowie fachliche Bewertung und Beratung bei einer erfolgten Kontamination und Freisetzung von Gefahrstoffen aller Art sowohl vor Ort als auch im Labor sind ebenso wie die sachgerechte Lagerung von chemischen Beweismitteln im Chemieasservatenlager klassische Arbeitsbereiche dieser hoch spezialisierten Organisationseinheit.
Die Fachgruppe setzt sich aus Akademikern verschiedener Fachdisziplinen, Ingenieuren, Laborfachpersonal und technischen Assistenten zusammen. Erfahrene Umweltreferenten wirken wissenschaftlich und technisch bei der Entdeckung und Verfolgung von Umweltdelikten mit. Sie beraten bei der Gefahrenabwehr und Eigensicherung, sichern Beweismittel durch Probennahmen und Messungen vor Ort, überprüfen Betriebsanlagen, erstellen gutachterliche Stellungnahmen, bewerten Untersuchungsbefunde und unterstützen ebenso wie die Umweltingenieure Ermittlungsdienststellen bei der Planung und Durchführung von Einsätzen. Für die qualifizierte analytische ABC (Atomare, Biologische, Chemische) - Erkundung befinden sich Chemiker / Ingenieure rund um die Uhr in Bereitschaft. Bei besonderen Lagen gliedern sich die Mitarbeiter/-innen in einer besonderen Organisationsform als „Analytische Task Force (ATF)“. Sie können dann auch als einer von bundesweit vier ATF-Standorten über die Landesgrenzen Berlins hinaus eingesetzt werden. Die Mitarbeiter/-innen haben qualifiziertes analytisches Fachwissen im Umgang mit Gefahrstoffen und sind in der Lage, Gefahrensituationen fundiert aufzuklären und zu beurteilen. Die Identifizierung der Schadstoffe ergibt konkrete Stoffdaten, deren physikalische, chemische und toxikologische Eigenschaften zur Gefahrenbeurteilung durch Recherche in Datenbanken ermittelt werden. Auf der Grundlage der konkreten Analysedaten erfolgt die Beratung der Einsatzleitung, um die geeigneten Maßnahmen zur Gefahrenabwehr, zum Schutz der Bevölkerung und der eingesetzten Kräfte sowie zur Dekontamination ergreifen zu können. Die Mitarbeiter/-innen für die Tatortarbeit werden nach speziellen Untersuchungsmethoden arbeitsmedizinisch überprüft und in der Handhabung der Schutzausrüstung einschließlich des raumluftunabhängigen Vollschutzeinsatzes unterwiesen.
Die Dienststelle verfügt im Bereich der ABC-Erkundung über moderne und komplexe stationäre und mobile Technik zur Detektion, Messung und Analyse radiologischer und chemischer Stoffe. Dazu gehört auch die Ferndetektion von Giftstoffen. Dem qualifizierten Personal steht neben moderner Geräteausstattung ein Sicherheitslabor zur Verfügung, indem chemische Kampfstoffe (Chemical Warefare Agents) und hochtoxische Substanzen, aber auch Explosiv-/Sprengstoffe und Selbstlaborate (USBV) unter entsprechenden sicherheitstechnischen Bedingungen analysiert werden. Ferner werden chemische Untersuchungen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Umweltkriminalität (Wasser, Boden, Luft und Abfälle) durchgeführt.
Als Beleg für die hohe Fachkompetenz konnte das Labor im Jahr 2007 für mehrere wissenschaftliche Prüfverfahren vom „Deutschen Akkreditierungsrat“ die Akkreditierungsurkunde in Empfang nehmen.
Das ebenfalls hier betriebene Chemieasservatenlager am Kaiserdamm ist eine seit Jahren bewährte Einrichtung. Es verfügt über die baulichen Sicherheitseinrichtungen für die Lagerung gefährlicher Chemikalien. Zu den Aufgaben gehört die Asservierung, Verwaltung, Ausgabe und Entsorgung von Chemieasservaten für die gesamte Berliner Polizei.
USBV / Entschärfer (Unkonventionellen Spreng- und Brand-Vorrichtungen)
Kaufhaus wegen Sprengstoffalarm geschlossen. Experten der Berliner Polizei untersuchten den gestern früh aufgefundenen verdächtigen Koffer und entschärften die Bombe.“
So oder ähnlich kann man in der Presse über die Tätigkeit dieses Bereichs nachlesen. Die Entschärfer kommen immer dann zum Einsatz, wenn Polizeibeamten ein Gegenstand sprengstoffverdächtig vorkommt oder Täter damit drohen, Sprengstoff einzusetzen. Sie werden aber auch bei Funden von Sprengstoffen, Pyrotechnik oder Munition, beispielsweise bei Durchsuchungen, hinzugezogen. Der Umzug der Bundesregierung brachte steigende Einsatzanlässe, wie z. B. Staatsbesuche, mit sich, die präventiv begleitet werden müssen. Nicht zuletzt sorgen immer wieder zumeist jugendliche Bastler, die explosive Gemische herstellen, für Arbeit. Ein weiteres nicht unerhebliches Tätigkeitsfeld ergibt sich aus der kriminaltechnischen Begutachtung von USBV, die vom sachverständigen Entschärfer bis zur Vertretung des Gutachtens vor Gericht durchgeführt wird.
Weitere Aufgaben der Entschärfergruppe des LKA Berlin sind Beschulungen vielfältiger Art, z.B. von Polizeiangehörigen sowie Mitarbeitern von Justiz und Berliner Feuerwehr. Außerdem ist Berlin das einzige Bundesland, das bei entsprechenden Einsatzlagen auch unter Wasser tätig werden kann.
Explosiv- und Kampfstoffangelegenheiten
Die vielschichtigen Aufgaben dieser Fachgruppe lassen sich schon erahnen, wenn man die ca. 20 Gebäude der Dienststelle im Grunewald sieht. Die jeweils nach Bestimmungszweck eingesetzten Baustoffe variieren von leichter Holzbauweise bis hin zu schweren Stahlbetonbauten mit bis zu 100 cm Wandstärke.
Ein wichtiges Aufgabengebiet ist die klassische kriminaltechnische Untersuchung von konventionellen militärischen Munitionskörpern hinsichtlich Aufbau, Funktionsweise und Inhaltsstoffen. Diese Zuarbeit für andere kriminalpolizeiliche Dienststellen und für die Staatsanwaltschaft dient zur Feststellung der strafrechtlichen Zuordnung einer Tathandlung nach dem Sprengstoffgesetz oder ggf. dem Kriegswaffenkontrollgesetz sowie ihrer Einordnung als Ordnungswidrigkeit, Vergehen oder Verbrechen.
Ein Schwerpunkt der Fachgruppenarbeit ergibt sich aus der Tatsache, dass diese Dienststelle Ordnungsbehörde für die Beseitigung nicht-chemischer Kampfmittel ist. Während die planmäßige Suche durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unter Einbindung gewerblicher Firmen organisiert wird, ist die Entschärfung, der Transport und die Vernichtung aufgefundener Kampfmittel Aufgabe dieser Gruppe.
Entschärfung einer russischen 1000 kg Bombe
Da Berlin vom Herbst 1943 bis zum Frühjahr 1945 fast täglich Luftangriffen ausgesetzt und die Stadt in den letzten Kriegswochen auch am Boden umkämpft war, erstaunt es nicht, dass die Polizeifeuerwerker ca. tausendmal im Jahr zu Munitionsfundorten gerufen werden. Seit 1947 wurden bereits über 1,8 Mill. Sprengkörper in Berlin aufgefunden und hier vernichtet. [Bild 27: Entschärfung einer russischen 1000 kg Bombe]
Die Ermittlung, Bergung und Beseitigung chemischer Kampfmittel stellt eine weitere Ordnungsaufgabe der Fachgruppe dar. Sowohl das Heeresversuchslabor auf der Zitadelle Spandau wie auch einige chemische Betriebe forschten bis fast zum Kriegsende an bzw. produzierten Haut-, Lungen- und Nervenkampfstoffe(n). So kommt es bis zum heutigen Tage zu Einzelfunden von Kampfstoffgranaten, die durch ausgebildete Chemiefeuerwerker der Fachgruppe mit Unterstützung der Chemiker bearbeitet werden.
Auch heute noch scheint sich Berlin im „Kriegszustand“ zu befinden: Jedes Jahr werden der Fachgruppe durch die Gerichte und Polizeidienststellen ca. 3.000 Waffen zur Vernichtung übergeben, die dann unter Aufsicht in einem Hochofen verbrannt werden.
Weitere Aufgaben der Fachgruppe bestehen in der Lagerung und Verwaltung aller in Berlin im Rahmen von Strafverfahren sichergestellten Materialien mit explosions-gefährlichen Stoffen, der Zwischenlagerung von explosionsgefährlichen Druckgasflaschen, die von der Feuerwehr aus Bränden geborgen werden sowie der Vernichtung gerichtlich eingezogener pyrotechnischer Artikel.
Spezialtechnik, Täterfallen
Von LKA KT 64 werden auf Antrag der den Ermittlungsvorgang führenden Dienststellen Täterfallen ausgelegt, um Täter entweder auf frischer Tat festnehmen zu können oder zumindest möglichst viele Informationen zu erlangen, damit eine Täteridentifizierung im Rahmen nachfolgender Ermittlungen ermöglicht wird.
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