Polizeimeister Muhiddin K.

„Die Wahrheit braucht keine Fahne schwenken, denn wir erkennen sie immer!“

Herr K. wurde bereits während seiner Ausbildung in 2010 interviewt. Seit September 2011 ist er als Polizeimeister im Einsatz und hat sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. Herr K. hat sich gerne noch mal für ein Interview zur Verfügung gestellt.

Wurden Ihre Erwartungen an die Ausbildung erfüllt?

Meine Erwartungen an die Ausbildung wurden erfüllt und sogar übertroffen. Ich habe mich in der Zeit menschlich sehr entwickelt und sehr viel dazugelernt. Ich hatte in meinem damaligen Interview vor zwei Jahren schon gesagt, wenn man etwas erreichen möchte, auch etwas dafür tun muss. Das kann ich jetzt im Zusammenhang mit der Ausbildung auf alle Fälle bestätigen.

Was hat Ihnen an der Ausbildung am besten gefallen?

Das Miteinander, man hat viele Leute kennengelernt und neue Freunde gewonnen. Der Unterricht an sich war sehr gut, sehr vielfältig. Es hat einfach Spaß gemacht. Ich bereue es auf keinen Fall. Wenn ich nochmal auf diese Welt kommen würde, würde ich es genauso machen.

Kam es Ihnen am Anfang auch so vor, dass man ganz viele neue Gesetze kennengelernt hat und man damit erst einmal nicht so viel anfangen konnte?

Ich hätte damals, bevor ich mit der Ausbildung begonnen hatte, niemals gedacht, dass ich irgendwann mal mit Rechtssachen umgehen könnte. Ich habe es dann aber gelernt, so wie man auch lesen gelernt hat, Stück für Stück. Man lernt in der Ausbildung damit umzugehen, man lernt sich Eselsbrücken zu bauen, irgendwann denkt man nicht mehr darüber nach.

Wie sah es mit dem Sport und dem Einsatztraining während der Ausbildung bei Ihnen aus?

Damit hatte ich überhaupt keine Probleme, bis auf Schwimmen. Da war ich wohl einer der Schlechtesten (lacht). Ich habe es trotzdem geschafft, ich bin angekommen. Wenn das jetzt auch mein Sportlehrer lesen würde, der würde sich freuen. Es musste ja auch einfach klappen, weil ich sonst keine Sportnote bekommen hätte und dann wird man auch nicht für die Prüfung zugelassen.

Hatten Sie besonders interessante Erlebnisse während der Ausbildung?

Nach einem Jahr hatten wir eine Leistungsstandabfrage, die sogenannte „Leistungsshow“, vor den Führungskräften. Da war man natürlich besonders motiviert.
Bei meinem ersten Praktikumstag bei der Einsatzhundertschaft musste ich gleich einem Zigarettenhändler hinterher rennen. Ich habe ihn auch bekommen. So hat es angefangen.

Bei meinem Praktikum auf dem Abschnitt ist jemand nach einer Körperverletzung weggerannt, dem musste ich 300 Meter hinterher rennen. Den habe ich auch gekriegt. Das waren damals so die spannendsten Erlebnisse.

Jeder Sachverhalt stellt sich anders dar. Man fährt wegen Diebstahl irgendwo hin und hat am Ende einen Betrugsfall oder einen Aufenthaltsverstoß. Es kommt keine Routine auf.

Schildern Sie Ihre interessantesten Erlebnisse nach der Ausbildung.

Nach der Ausbildung habe ich schon viel erlebt. Wir waren zum Beispiel beim Kastortransport in Gorleben. Das war eine sehr neue Erfahrung.

Auch Fußballspiele oder Großlagen in Berlin, die Türken-Kurden-Demo zum Beispiel. Oder auch der 1. Mai, wo man als Mannschaft sehr zusammen arbeiten muss. Da war einer, der hat einen großen Holzbalken aus zwei Meter Entfernung auf uns geschmissen und ist dann weggerannt. Wir sind dann mit der ganzen Ausrüstung (Körpervollschutz, Helm) 200 Meter hinterher gesprintet und haben ihn noch eingeholt. Das geht aber auch nur mit Teamwork und mit dem Willen, diese Person dann zu kriegen.

Welche Tipps haben Sie für Berufsanfänger/innen?

Man muss gerne in einem Team arbeiten, lernfähig sein und an seine Grenzen gehen können. Man muss lernen mit Kritik umzugehen und Sachen zu machen, die man eigentlich nicht so gerne macht.

Wenn man zum Beispiel der Neueste ist und „Aufrüsten“ muss. „Aufrüsten“ bedeutet, dass das Fahrzeug vor Abfahrt schon streifenfertig ist, also die Materialien für die Verkehrsüberwachung in den Wagen bringen usw. Das ist wie beim Fußball, wenn man vom Jugendbereich in den Männerbereich kommt, dann muss man auch die Bälle aufpumpen oder die Trikottasche tragen. Das ist am Anfang bei der Einsatzhundertschaft genauso.

Ansonsten muss man sich viel Zeit nehmen für den Beruf, gerade in der Ausbildung. Ich habe zum Beispiel sehr gerne Fußball gespielt, das war mein Leben, aber jetzt ist das durch den Beruf nach hinten gefallen.

Man muss unbedingt Prioritäten setzen und entscheiden, ob einem der Beruf oder die Freizeit wichtiger ist. Es ist nämlich kein Beruf, beim dem man um 8 Uhr zur Arbeit geht und um 16 Uhr Feierabend hat. Man arbeitet im Schichtdienst. Dann will man seine freien Tage natürlich genießen und nicht so viele anderen Verpflichtungen haben.

Was möchten Sie noch erreichen bzw. welche Bereiche innerhalb der Polizei möchten Sie noch kennenlernen?

Ich bin ja erst seit knapp einem Jahr fertig und habe festgestellt, dass ich auf jeden Fall eine Führungsposition übernehmen möchte, angefangen mit der Gruppenführerposition.

Dann würde ich gerne im zivilen Bereich arbeiten. Ich denke, dass ich durch mein Aussehen und meine Art Sachen beobachten kann, die ein anderer Kollege vielleicht nicht so machen kann.

Später würde ich gerne auch mal auf eine Spezialdienststelle, mich auch weiter verbessern. Das Landeskriminalamt würde mich interessieren.

Wie ist aus Ihrer Sicht das Image eines Polizeibeamten/einer Polizeibeamtin in Berlin zu bewerten?

Wenn man es nur auf Berlin bezieht, dann kann ich vier Straßen nennen, wo das Image der Polizei sehr schlecht ist.

Ansonsten ist unser Image gar nicht so schlecht. Ich habe sehr wenige Probleme mit dem Bürger. Vielleicht liegt es auch an meiner Art, weil ich sehr locker rüberkomme. Ich gebe dem Bürger nicht das Gefühl, dass er der größte Schwerverbrecher ist, sondern ich versuche das schon ein bisschen angemessen rüberzubringen. Das kommt natürlich auch auf den Umstand an.

Das Image ist gut, der Respekt ist da. Wir versuchen alle respektvoll zu behandeln, das sollte auch zurückkommen.

Wenn wir in anderen Bundesländern sind, dann hört man das auch, dass die Leute Respekt vor der Berliner Polizei haben. Ich finde es gut, dass bekannt ist, dass wir die notwendigen Maßnahmen auch durchführen.