Kriminaloberkommissar Robert G.

"Ich würde mich auch aus meiner heutigen Sicht unbedingt wieder bewerben."

Kriminaloberkommissar Robert K.
Bild: Polizei Berlin

Was waren die Gründe für die Berufswahl Polizeibeamter?

Die Idee hatte ich damals gar nicht selbst, sondern ein Schulfreund wollte sich bei „der Kripo“ bewerben. Das klang natürlich erst mal cool, auch wenn mir gar nicht klar war, was das im Einzelnen bedeutet. Wie viele andere wusste ich nicht genau, was ich nach dem Abitur konkret machen wollte. Wichtig war für mich, dass ich ein positives Bild von der Polizei hatte und auch, dass ich mir vorstellen konnte, „Beamter“ zu werden.

Im Laufe des mehrstufigen Bewerbungsverfahrens entwickelte ich dann immer mehr Ehrgeiz, die Stelle auch wirklich zu bekommen.

Haben Sie diese Wahl bereut? Würden Sie sich wieder bewerben?

Ich frage mich oft, was ich wohl heute machen würde, wenn das damals nicht geklappt hätte. Vielleicht wäre ich Lehrer geworden? Ich dachte in der ersten Zeit des FH-Studiums auch, dass ich ja auch noch einen anderen Beruf ergreifen könnte, wenn mir dieser hier nicht gefällt. Ich habe das später aber nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Dafür gab es auf den Dienststellen, auf denen ich war immer zu viel Neues und Interessantes. Und auch, wenn ich vielleicht nicht immer jeden Tag gerne zur Arbeit fahre – wo gibt es das schon? – würde ich mich auch aus meiner heutigen Sicht unbedingt wieder bewerben.

Wo werden Sie zurzeit eingesetzt? Was sind Ihre Aufgaben?

Ich bin zurzeit Tatortsachbearbeiter in einer Mordkommission beim Landeskriminalamt. Wir bearbeiten versuchte und vollendete Tötungsdelikte in ganz Berlin. Meine Aufgabe ist es, die Spurensuche und Dokumentation am Tatort zu koordinieren, nach Beweismitteln zu suchen und am Tatort alle Informationen zusammen zu tragen, die die Ermittlungen unterstützen könnten. Später beantrage ich dann die notwendigen Untersuchungen und bereite die gesammelten Informationen für Staatsanwaltschaft und Gericht auf. Das erfordert einerseits penibles Arbeiten, andererseits kommuniziere ich sehr viel mit allen anderen Dienststellen, die meine Arbeit unterstützen und muss auch viele Entscheidungen zum unmittelbaren Vorgehen vor Ort treffen. Eine Arbeit, die mich sehr fordert – aber auch unglaublich interessant und erfüllend ist.

Wie war Ihr bisheriger Werdegang? In welchen Dienststellen wurden Sie bisher eingesetzt?

Ich war nach einer zweijährigen Rotation auf verschiedenen Dienststellen zunächst in Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf für Betrugsdelikte zuständig und habe später dort im Kriminaldauerdienst gearbeitet, also im Schichtdienst u.a. Einbrüche, Raubtaten und alle anderen kriminalpolizeilich relevanten Sachverhalte aufgenommen. Dann wechselte ich in die Spurensicherungsgruppe beim LKA und machte dort auch erste Bekanntschaft mit meiner heutigen Tätigkeit, sicherte aber auch Spuren für viele andere Dienststellen. Seit etwa zweieinhalb Jahren bin ich bei der Mordkommission.

Schildern Sie Ihr interessantestes Erlebnis in Ihrem Berufsleben.

Nicht erst seit ich bei der Mordkommission bin, gibt es Vieles, das ich als interessant bezeichnen würde. So konnte ich bereits kurz nach der Ausbildung in einem Kommissariat, das auch Vermisste und ungeklärte Todesfälle bearbeitete, einen Tag lang auf einem Boot der Wasserschutzpolizei bei der Suche nach einer Wasserleiche mitfahren, was mich damals schwer beeindruckt hat – auch wenn wir sie letztlich nicht auffanden.
Ein weiteres Highlight war in meiner Zeit bei der Spurensicherung der Besuch im Helmholtz-Zentrum in Zehlendorf. Dort wurden „Atommüll-Fässer“ gelagert, in denen sich echte Erde aus Tschernobyl befunden haben soll. Die Fässer wurden bei einer Demo für den Atomausstieg sichergestellt und sollten nach Spuren untersucht werden. Die Spurensuche selbst war unspektakulär. Aber das Drumherum war ziemlich einmalig! Begleitet wurden wir von einem LKA-Sachverständigen für ABC-Schutz. Wir kamen in einen Sicherheitsbereich, erhielten ein „Dosimeter“, das die Strahlung maß, der wir ausgesetzt waren. Dann wurden wir von Ingenieuren und Wissenschaftlern mit Geigerzählern in eine unscheinbare Halle geführt, wo die Fässer standen. Auch wenn uns versichert wurde, dass die Strahlung zu gering sei, um irgendwelche Schäden zu verursachen, war es doch ein komisches Gefühl und mal eine andere Erfahrung, als „der Gefahr der Straße“ ausgesetzt zu sein. Der Einsatz endete mit einer kurzen Führung durch die Forschungsstätte und der Leistung diverser Unterschriften für Sicherheitsformulare.

Welche Tipps haben Sie für Berufsanfänger/ -innen?

Wer sich bewirbt sollte sich natürlich gut vorbereiten. Aber alle Tests sind von und für Menschen gemacht und schaffbar. An Defiziten kann man arbeiten. Es hilft ungemein, von sich und seinen Fähigkeiten überzeugt zu sein, natürlich ohne hochmütig zu werden, und diese Überzeugung auch im Bewerbungsverfahren zu präsentieren. Nicht nur für die Bewerbung bei der Polizei und die Ausbildung bzw. das Studium, sondern auch im späteren Berufsleben erleichtert es vieles, wenn man positiv an die Dinge herangeht und sich diese Ansicht als Grundeinstellung zu eigen macht.