Kriminalhauptkommissarin Kerstin H.

"Neugier als Voraussetzung!"

Kriminalhauptkommissarin Kerstin H.
Bild: Polizei Berlin

Was waren die Gründe für die Berufswahl Polizeibeamtin/-beamter?

Ich wollte einen Beruf ausüben, der interessant und abwechslungsreich ist, bei dem ich nicht nur am Schreibtisch sitze, sondern draußen arbeiten kann.
Außerdem halte ich diesen Beruf für einen wichtigen Beruf. Bereits zu Grundschulzeiten wurde mein Interesse daran geweckt, weil der Vater eines Schulfreundes bei der Polizei war und ich durch einige Erzählungen neugierig geworden bin. Das hat meine Berufswahl forciert. Ich habe mich zunehmend dafür interessiert, mit dem Beruf beschäftigt und bin dann Kriminalpolizistin geworden.
 
h3. War die Kripo schon immer die erste Wahl gewesen oder wären Sie auch zur Schutzpolizei gegangen?

Ich wollte direkt zur Kriminalpolizei. Das war 1990, als ich mit der Schule fertig war, auch direkt möglich. Die Tätigkeiten bei der Kriminalpolizei haben mich mehr gereizt, weil da auch die Kriminaltechnik und die Kriminalistik mit einfließen. Das Aufklären von Straftaten, durch sozusagen das Zusammenfügen von „Puzzleteilchen“, durch Maßnahmen in der Strafprozessordnung fand ich spannender.

Haben Sie diese Wahl bereut? Würden Sie sich wieder bewerben?

Eindeutig nein, ich habe die Berufswahl nicht bereut. Der Beruf macht mir auch nach 22 Jahren noch Spaß. Hauptvoraussetzung ist natürlich -was bei mir auch gegeben ist-, dass man ein tolles, gut funktionierendes Team hat, in dem man arbeitet. Darüber bin ich sehr froh.
Ich habe damals Berlin gewählt, weil ich aus Berlin stamme und weil damals nur in drei Bundesländern der direkte Einstieg in den gehobenen Dienst der Kriminalpolizei möglich war.

Wo werden Sie zurzeit eingesetzt? Was sind Ihre Aufgaben?

Ich bin seit September 2016 als Kommissariatsleiterin im LKA 24 eingesetzt. Das ist ein Dezernat, das für Betrug (Waren-/Leistungsbetrug, Betrug im Zahlungsverkehr zw. Konten und Cybercrime) zuständig ist. Dort bin ich im Kommissariat LKA 243 tätig, in dem qualifizierter Waren-/Leistungsbetrug bearbeitet wird. Ein Schwerpunkt sind Warenbestellungen im Internet, bei denen der Erhalt der Ware ausbleibt, Leistungen von Handwerkerfirmen, die nicht ausgeführt werden sowie betrügerische Wohnraumvermietung. Des Weiteren erhalten wir Geldwäscheverdachtsanzeigen von Banken, mit dem Anfangsverdacht, dass betrügerisch Warenverkäufe über das Konto umgesetzt werden.

Das Kommissariat umfasst 12 Mitarbeiter. Ich bin für die Gewährleistung des täglichen Dienstbetriebes (insbesondere Vorgangseingang/-ausgang), für die Personalentwicklung, das Erstellen von Beurteilungen,
die Gestaltung/das Ermöglichen der entsprechenden Arbeitsbedingungen und somit für die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter verantwortlich.

Wie war Ihr bisheriger Werdegang? In welchen Dienststellen wurden Sie bisher eingesetzt?

Nach der Ausbildung habe ich eine zweijährige Probezeit durchlaufen. Da wurde ich in drei verschiedenen Hauptbereichen eingesetzt. Ich war im Betrugsbereich beschäftigt, anschließend in der Sofortbearbeitung. Das ist eine Dienststelle, die für den „ersten Angriff“* zuständig ist, sei es Trickdiebstahl oder Wohnungseinbruch, Autodiebstahl, also alles was gemacht wird, wenn die Schutzpolizei vor Ort ist und feststellt, das ist ein Delikt, was in den Kripobereich gehört.

Dann bin ich im Bereich der Schleusungskriminalität gelandet und im Großen und Ganzen dort hängen geblieben. Es geht da um Scheinehe, Schleusung, illegale Einreise und die Urkundenkriminalität, die damit einhergeht. Zwischendurch habe ich dann noch, zusammen mit dem Arbeitsamt, die illegale Beschäftigung auf Baustellen bekämpft.

Zuletzt war ich 10 Jahre als Erste Sachbearbeiterin (stellvertretende Kommissariatsleiterin) im Bereich für Schleusungs- und Dokumentenkriminalität tätig. Dort speziell in einem Kommissariat, das sich mit Urkundendelikten beschäftigt, also mit falschen Personaldokumenten, wie Pässen, Ausweisen und Führerscheinen. Neben der Bearbeitung von Ermittlungsverfahren, habe ich als Erste Sachbearbeiterin auch den Kommissariatsleiter vertreten Führungsaufgaben wahrgenommen.

  • Begriffserklärung „Erster Angriff“
    Der Erste Angriff umfasst ein polizeiliches Handeln beim Vorliegen einer Straftat (Tatortarbeit) oder einer Gefahr vor Ort. Mit „Angriff“ ist hierbei gemeint, dass man einen Sachverhalt erfassen und analysieren muss.

Schildern Sie Ihr interessantestes Erlebnis in Ihrem Berufsleben.

Ich kann mich an eine Silvesternacht vor Jahren erinnern. Zu diesem Zeitpunkt war ich bei der Sofortbearbeitung. Das war die wahnsinnigste Schicht, die ich je hatte, weil wir so viele Einsätze hatten, dass man fast den Überblick verloren hat. Es gab zahlreiche kleine Brände, die von Feuerwerkskörpern verursacht wurden. Viele wurden von Balkonen abgeschossen und trafen gegenüberliegende Häuser. Da ging es richtig hoch her.
Ein anderes interessantes und sehr schönes Erlebnis war für mich die Fußball-WM 2006 in der Stadt. Ich hatte speziell für unseren Deliktsbereich im Vorfeld ein Konzept zur Dokumentenkriminalität ausgearbeitet.
Während der Weltmeisterschaft hatten wir dann viel mit den eingereisten Ausländern der verschiedenen Nationalitäten hier in der Stadt zu tun und sie in Hinblick auf ihre Pässe und Dokumente direkt vor Ort überprüft.
Wir haben nur positive und gut gelaunte Leute getroffen. Die Stimmung war überall friedlich und super, alle haben einen sehr entspannten Eindruck gemacht.
Das war mal ganz gegensätzlich zur sonstigen Arbeit, bei der ich oftmals auf Leute (meist Beschuldigte) treffe, die von unserem Erscheinen nicht gerade entzückt sind und daher eher unfreundlich reagieren.

Welche Tipps haben Sie für Berufsanfänger / -innen?

Zunächst einmal sollte man sich zu Beginn hinreichend informieren. Also sich mal die Internetseite der Berliner Polizei ansehen und sich die Informationen gut durchlesen. Einen Einstellungsberater befragen, sich mit Leuten beschäftigen, die diesen Beruf ausüben, vielleicht im Bekannten-, Verwandten- oder auch Freundeskreis, um Antworten und Meinungen von Leuten zu erhalten, die Einblick in die Praxis haben.
Für diejenigen, die die Ausbildung gerade abgeschlossen haben, empfehle ich, die Kollegen in der jeweiligen Dienststelle darauf anzusprechen, dass man viel selbst tätig sein möchte (Vernehmungen machen, Durchsuchungen planen etc.), auch wenn dann mal Fehler passieren. Nur so kann man lernen und Erfahrungen sammeln. Zudem stärkt man sein Selbstbewusstsein, um in bestimmten Situationen entsprechend auftreten zu können.
Man sollte für diesen Beruf Neugierde mitbringen! Eine gewisse Teamfähigkeit ist eine weitere wichtige Voraussetzung. Insbesondere, wenn wir Maßnahmen, wie zum Beispiel die Durchsuchung einer Wohnung oder eine Festnahme, durchführen müssen. Dann muss arbeitsteilig vorgegangen werden und man muss sich aufeinander verlassen können. Darüber hinaus sollte man eine gewisse Ausgeglichenheit mitbringen, damit man in brenzligen Situationen auch Ruhe bewahren kann.