Polizeikommissar Marco T.

"Es macht Spaß, so vielfältige Aufgaben zu haben."

Polizeikommissar Marco T.
Bild: Polizei Berlin

 Herr T. wurde bereits während seines Studiums interviewt. Schon damals war er mit Leib und Seele dabei sich seinen Kindheitstraum, einmal Polizeibeamter zu werden, zu erfüllen.

Nach der Ausbildung stellte sich der frisch gebackene Polizeikommissar noch einmal gerne für ein aktuelles Interview zur Verfügung.

Wurden Ihre Erwartungen an die Ausbildung / das Studium erfüllt?

Kurze Antwort: Ja!
 
h3. Was hat Ihnen an dem Studium am besten gefallen?

Gut fand ich, dass die Dozenten aus unterschiedlichen Richtungen kamen, also sowohl von der Polizei als auch aus der Justiz, dazu Rechtsanwälte und Mitarbeiter aus der Wissenschaft wie z. B. Kriminologen. Diese Mischung hat mir ganz gut gefallen, weil man sich so die Themen einmal aus unterschiedlichen Perspektiven anschauen konnte. Man hatte zu verschiedenen Rechtsfragen nicht nur Rechtsanwälte, die einem die Verteidigersicht nahe bringen, sondern auch Richter, die einem die Sicht eines Vorsitzenden darlegen und erklären, was man als Polizeibeamter beachten muss. Das fand ich gut. Und natürlich die Praxis, die Praktika!

Schildern Sie Ihre interessantesten Erlebnisse während des Studiums.

In der Ausbildung gefielen mir die Praktika sehr gut. Da war ich auf 3 verschiedenen Abschnitten, bei einer Hundertschaft und beim Referat Verbrechensbekämpfung in der Direktion 5. Da hatte ich viele interessante Einsätze, Durchsuchungsmaßnahmen und auch sehr viele Großveranstaltungen mit der Einsatzhundertschaft. Im Rahmen der Ausbildung durfte ich auch zweimal im Führungsstab der Direktion 1 im Rahmen der Walpurgisnacht hospitieren. Das war auch sehr spannend die Aufgaben des Führungsstabes einmal live zu erleben.

Schildern Sie Ihre interessantesten Erlebnisse nach dem Studium.

Ich bin derzeit auf dem Abschnitt 54 eingesetzt, in Neukölln, und da auch im Funkwageneinsatzdienst, von daher gibt es dort eigentlich jeden Tag recht viel, was man erleben kann. Das alles wieder zu geben, würde den Rahmen sprengen. Ich habe bis jetzt einen sehr abwechslungsreichen Alltag.

Welche Tipps haben Sie für Berufsanfänger/innen?

Ich würde sagen, dass jeder bereit sein muss noch einmal neu zu lernen. Man sollte nicht von der Fachhochschule oder aus der Ausbildung kommen und denken, man hat jetzt alles gelernt. Sondern das Lernen fängt nochmal von vorne an. Und da sollte man schon bereit sein, sich nochmal viele Sachen neu anzulernen und man sollte auch offen sein und sich anbieten, also versuchen alles Mögliche an Aufgaben mitzunehmen. Man sollte sich nicht verstecken, sondern wirklich viel selbst machen. Das kommt erstens gut bei den Kollegen an und zweitens hilft es einem auch am meisten, wenn man Dinge selbst tut und selbst lernt. Was ich auch noch empfehlen kann: sich die verschiedenen Ansichten der Kollegen anhören. Jeder geht anders an verschiedene Themen ran, geht vielleicht anders am Tatort vor oder spricht anders mit den Zeugen oder mit den Beschuldigten. Und wenn man versucht sich von jedem das Beste herauszupicken, dann ist das, glaube ich, ein ganz guter Tipp.

Auf welcher Dienststelle sind Sie jetzt tätig? Was sind dort Ihre Aufgaben?

Ich bin derzeit sowohl im Funkwageneinsatzdienst als auch in der Vorgangsbearbeitung eingesetzt. Ich mache nebenbei auch ab und zu den Wachdienst oder bin in der Alarmhundertschaft, bereite Dienstgruppeneinsätze vor und führe sie durch. Die Facette ist recht groß. Es waren bis jetzt schon viele interessante Einsätze dabei, auch einer, den ich selbst geplant hatte zur Durchführung eines Ermittlungsverfahrens. Es waren 2 Durchsuchungsmaßnahmen die parallel liefen. Das war auch deshalb besonders, weil mehrere Dienststellen mit im Boot waren.

Was möchten Sie noch erreichen bzw. welche Bereiche innerhalb der Polizei möchten Sie noch kennenlernen?

Ich bin derzeit in meiner Dienstgruppe sehr zufrieden und habe ein sehr umfangreiches Aufgabenspektrum. Von daher bin ich zufrieden mit dem, was ich habe und möchte dort weiter voran kommen.

Wie ist aus Ihrer Sicht das Image eines Polizeibeamten / einer Polizeibeamtin in Berlin zu bewerten?

Ich denke, es kommt sehr stark darauf an, wo man seinen Dienst versieht und in welcher Situation man gerade ist. Man ist natürlich als Polizeibeamter auf der Straße oft der „Buhmann“, weil man dem Bürger aufzeigt, dass er einen Fehler gemacht hat. Aber auf der anderen Seite gibt es auch Situationen, in denen man wirklich merkt, dass man hier gebraucht wird, dass man auch helfen kann und gerne gesehen wird. Ich denke, man kann pauschal nicht sagen, wie das Image des Polizeibeamten in Berlin ist, das kommt wirklich darauf an, wo man eingesetzt wird und zu welchem Anlass man gerade vor Ort ist.

Welche positiven und negativen Erfahrungen haben Sie als Polizeibeamter bzw. als Polizeibeamtin bisher gemacht?

Negative Erfahrungen sind mit Sicherheit, dass man einen tiefen Einblick in das Leid und auch in die Not der Stadt hat. Man sieht viel, was der normale Bürger vielleicht nicht sieht oder nur im Vorbeigehen. Also z. B. hilflose Personen oder auch Wohnungen, deren Zustand man von zu Hause aus nicht so kennt. Man hat natürlich auch viel mit Straftätern zu tun, das gehört dazu. Man sieht häufig die Schattenseiten der Stadt. Oft ist man auch dem Vorwurf ausgesetzt, jetzt parteiisch oder irgendwie unrechtmäßig zu handeln, obwohl man seinen Job richtig macht. Das ist etwas, was mich sehr ärgert, da ich draußen immer mein Bestes gebe. Aber es gibt natürlich auch oft Situationen, in denen man z. B. helfen kann, worüber ich sehr froh bin, wenn das angenommen wird. Wenn man wirklich das Gefühl hat, jetzt etwas Gutes getan zu haben. Das Gleiche sind natürlich die Situationen, in denen man einen Täter auf frischer Tat festnehmen kann und man dazu beiträgt ein Strafverfahren ordentlich durchzuführen. Das sind dann die positiven Erlebnisse.