Polizeimeisterin Tugba K.

"Bürgernähe ist für mich sehr wichtig!"

Polizeimeisterin Tugba K.
Bild: Polizei Berlin

Frau K. wurde bereits während ihrer Ausbildung interviewt. Schon damals war sie voller Freude und Engagement „bei der Sache“.

Nach der Ausbildung stellte sich die junge Polizeimeisterin noch einmal gerne für ein aktuelles Interview zur Verfügung.

Wurden Ihre Erwartungen an die Ausbildung erfüllt?

Meine Erwartungen wurden erfüllt. Vor allem im 3. Ausbildungsjahr, wo wir im Rahmen unseres Praktikums sehr viel in der Praxis Erfahrungen sammeln konnten, was ich in der Ausbildung auch für sehr wichtig halte. Aber man muss auch dieses Fingerspitzengefühl gegenüber den Bürgern entwickeln. Wie trete ich als Polizeibeamtin auf? Wie komme ich an? Das lernt man alles nur in der täglichen Arbeit. Deswegen finde ich auch die Praxis so wichtig.

Im 3. Ausbildungsjahr fand ich gut, dass wir im Praktikum auf einer Einsatzhundertschaft und auf einem Abschnitt waren. Hier lernt man die Theorie mit der Praxis zu verknüpfen. Es ist selbstverständlich auch wichtig rechtlich fit zu sein, da sich alle meine Maßnahmen die ich durchführe darauf stützen. Die Routine und weitere Praxisnähe erhält man dann erst nach der Ausbildung im täglichen Dienst.

Was hat Ihnen an der Ausbildung am besten gefallen?

Mir hat am meisten unser AE-Unterricht (Ausbildung für den Einsatz) Spaß gemacht. Wie ich schon vorhin gesagt habe, da hat man die gewisse Praxisnähe. Hier wird gelehrt wie man mit den Bürgern umgehen soll in verschiedenen Situationen. Auch werden Lehrgänge angeboten, wie Verhaltenstraining, wo man als Polizeibeamter lernt mit Provokationen umzugehen und seine eigenen Grenzen zu erkennen.

Mir hat außerdem unser 4-wöchiges Praktikum Spaß gemacht. Hier waren wir für die Planung unserer eigenen Einsätze zuständig, die wir letztendlich selber durchführen durften. Das war sehr interessant. Ansonsten hat mir in der Ausbildung das Rechtsfach SOL (Sicherheits- und Ordnungslehre) sehr viel Spaß gemacht

Was müsste an der Ausbildung ggf. verbessert werden?

Man müsste die Ausbildung an die anderen Bundesländer anpassen. In Hamburg hat man z. B. gleich von Anfang an ein längeres Praktikum. In Berlin absolviert man zu Beginn der Ausbildung ein so genanntes Schnupperpraktikum, welches eine Woche dauert. Eine längere Hospitation würde den angehenden Polizeibeamten zeigen, dass es nicht wie im Fernsehen bei der Polizei zugeht. Somit könnten sie auch die Struktur der Polizei besser kennenlernen.

Was mir persönlich nicht so gefallen hat, waren die Ausrüstungsgegenstände im Bereich Sport. Die waren zu alt. Vor allem im Bereich der Selbstverteidigung wäre eine Erneuerung der Gerätschaften schön.

Schildern Sie Ihre interessantesten Erlebnisse während der Ausbildung

Da muss ich natürlich wieder in den praktischen Teil, da ich im SOL Unterricht nicht so viel Interessantes erlebt habe (lacht). Während des 3. Ausbildungsjahres absolvierte ich mein Praktikum auf meiner jetzigen Verwendungsdienststelle. Der Einsatzanlass war eine Spontanversammlung in Kreuzberg. Hier habe ich zum ersten Mal Flaschen und Steine fliegen sehen und einen Molotow-Cocktail, welcher an unserem Fahrzeug zersprang. Das war als angehende Polizeibeamtin natürlich meine erste Erfahrung. Hier dachte ich: „Jetzt bist du mitten drin! Jetzt stehst du als Polizeibeamtin im Mittelpunkt und die Erzählungen, die du im SOL-Unterricht gehört hast, erlebst du jetzt tatsächlich und machst deine eigenen Erfahrungen.“ Erst in solchen Situationen wird einem bewusst, was für einer Gefahr man als Polizeibeamter ausgesetzt ist. Außerdem war es für mich als Praktikantin interessant, mit mir zu dem Zeitpunkt fremden Kollegen zusammenzuarbeiten, Festnahmen durchzuführen und Verantwortung für einander zutragen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, zudem war es ein sehr interessantes Erlebnis.

Schildern Sie Ihre interessantesten Erlebnisse nach der Ausbildung

An meinem ersten Tag, nach der Ausbildung fuhren wir anlässlich einer Hausräumung nach Kreuzberg. Wir waren gerade beim Einsatztraining für die Neuen, da kamen die Kollegen runter und sagten „Los, los, los, wir müssen losfahren“. Ich dachte natürlich zunächst, dass es eine Übung sei, da es mein erster Tag war und wir uns beim Einsatztraining befanden. Die Hausräumung war natürlich für mich gleich ein interessantes Erlebnis.

Welche Tipps haben Sie für Berufsanfänger/innen?

Von Anfang der Ausbildung bis zum Schluss sollten sie versuchen rechtlich sowie sportlich fit zu bleiben. Denn Wissenslücken können in gewissen Situationen gefährlich für einen selbst werden (Strafvereitelung im Amt). Das wäre so mein Tipp.

Auf welcher Dienststelle sind Sie jetzt tätig? Was sind dort Ihre Aufgaben?

Ich bin zurzeit in einer Einsatzhundertschaft tätig. Unsere Einsatzorte sind Mitte, Wedding, Moabit, aber wir fahren natürlich auch berlinweit. Dabei sind Großeinsatzlagen wie Demonstrationen und Fußballspiele meistens unser Tätigkeitsfeld. Wir machen auch Verkehrskontrollen, Durchsuchungsmaßnahmen und arbeiten auch mit anderen Dienststellen zusammen. Wenn wir keine Einsätze haben, unterstützen wir die Funkwagen.
Wir können auch beispielsweise in Uniform oder zivil Streife fahren. Weiterhin können wir auch selber Einsätze planen, was ich auch schon machen durfte, obwohl ich noch nicht lange dabei bin. Somit ist die Selbständigkeit auch in einer Einsatzhundertschaft gegeben. Die Arbeit macht auch Spaß, da ich die Möglichkeit habe zu sagen, heute haben wir eine Demo, morgen haben wir Fußball, am nächsten Tag können wir draußen in zivil arbeiten“. Sie ist sehr abwechslungsreich.

Was möchten Sie noch erreichen bzw. welche Bereiche innerhalb der Polizei möchten Sie noch kennenlernen?

Erreichen möchte ich viel (lacht)! Innerhalb der Polizei möchte ich viele Dienststellen durchlaufen, weil ich das wichtig finde. Je mehr Dienststellen man auf dem Buckel hat, desto interessanter ist man für weitere Spezialdienststellen. Desto mehr Erfahrungen macht man in verschiedenen Bereichen. Für mich wäre natürlich besonders interessant die AGIM (Arbeitsgebiet Integration und Migration). Bei meinem Migrationshintergrund bietet es sich an in diesem Bereich zu arbeiten. Ansonsten im zivilen Bereich oder im LKA. Mein Ziel ist es eine Menge Dienststellen zu durchlaufen und Erfahrungen zu sammeln. Und ich denke schon, dass es mich auch weiter bringt. Ich könnte mir auch vorstellen, an der LPS (Landespolizeischule) als Fachausbilderin zu arbeiten. Aber das natürlich zu einem späteren Zeitpunkt. Denn ich benötige die Erfahrung, um etwas vermitteln zu können.

Wie ist aus Ihrer Sicht das Image eines Polizeibeamten / einer Polizeibeamtin in Berlin zu bewerten?

Das ist ganz unterschiedlich. Es ändert sich selbstverständlich von Bezirk zu Bezirk. Auch ist davon abhängig, ob ich in Uniform oder Einsatzanzug unterwegs bin. Ein anderer Eindruck entsteht natürlich, wenn aus einem Fahrzeug acht Personen aussteigen oder zwei. Daher haben die Abschnittskollegen es natürlich auch schwerer.
Ich habe natürlich positive als auch negative Erfahrungen gemacht. Die ältere Generation hat mehr Respekt vor der Polizei, als die jüngere Generation. Das musste ich in dem einem Jahr nach meiner Ausbildung auch schon feststellen. Man vertraut der Polizei nicht. Leider! Und dagegen muss man halt etwas machen. Man muss mit den Jugendlichen viel mehr zusammen arbeiten, denen zeigen, wie die Polizei arbeitet und diese Vorurteile der Polizei gegenüber abbauen. Daher finde ich es ganz schön wichtig, dass man in der Richtung auch arbeitet, denn das Image der Polizei ist nicht überall gut. Natürlich spielt auch die Erziehung eine wichtige Rolle. Das was den Kindern im frühen Alter vermittelt wird, tragen sie auch in sich.

Welche positiven und negativen Erfahrungen haben Sie als Polizeibeamter bzw. als Polizeibeamtin bisher gemacht?

Positive Erfahrung… Für mich ist es auch eine positive Erfahrung, wenn ich einer Oma über die Straße helfe oder mich mit ihr unterhalte. Das ist zwar total altmodisch, aber das zeigt auch Bürgernähe, das ist z. B. etwas, wo sich das Image eines Polizeibeamten verbessern lässt und Vertrauen der Bürger erweckt.
Positive Erfahrungen… Ich habe positive Erfahrungen gemacht, in dem sich mein Fingerspitzengefühl verbessert hat, was ich aber natürlich noch nicht 100 %ig entwickelt habe. Aber wenn ich z. B. mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu tun habe, arbeite ich mit ihnen anders. Die nehmen mich auch ganz anders wahr.
Beispiel: Wenn ich im Rahmen einer Kontrolle dem Jugendlichen mit Migrationshintergrund sage:“ Bitte nimm die Hände aus den Taschen.“, ist meistens die Antwort: „Ja, das machst du doch nur weil ich Türke bin, du willst mich doch schikanieren“. Da frage ich immer: „Kennst du mich? Nein! Ich kenn dich auch nicht. Ich weiß nicht, was für ein Mensch du bist, ob du ein Messer in deiner Tasche hast oder was auch immer. Ich will gesund nach Hause zu meiner Familie, es hat nichts mit dir persönlich zu tun. Ich kenn dich nicht und aus Eigensicherungsgründen möchte ich, dass du die Hände aus den Taschen nimmst“. Meistens verstehen sie es auch. Das habe ich auch damals von einem Kollegen gelernt, der immer zu mir gesagt hat: „ In 90 % der Fälle kann man einem Widerstand durch Kommunikation ausweichen, zwar nicht immer aber oft“.
Negative Erfahrungen macht man auch viel, z. B. auf Demonstrationen. Oft wird man beschimpft und es ist wenig Verständnis gegenüber unserer Arbeit da.

Genau wie die Bürger positive und negative Erfahrungen mit der Polizei machen, machen wir als Polizeibeamte diese ebenso.