Kriminalkommissar André J.

André J.
Bild: Polizei Berlin

Was waren die Gründe für die Berufswahl Polizeibeamter?

Zusammenhalt, Offenheit und anderen Menschen zu helfen sind Attribute, die ich schon immer sehr schätzte, und waren zeitgleich Anforderungen, die ich an meine Berufswahl stellte. Demnach konnte ich mich mit dem Polizeiberuf früh identifizieren, da der Polizeibeamte nicht nur für die bestehende Rechtsordnung und Sicherheit der Bevölkerung einsteht, sondern auch gemeinsam in einem Teamgefüge Probleme analysiert und löst. Weiter bietet der Polizeiberuf eine enorme Vielschichtigkeit und einen großen Pool an Arbeitstätigkeiten. Ein einziger Beruf, der so vielschichtig, abwechslungsreich und herausfordernd sein kann, hat mir die Entscheidung leicht gemacht.

Wurden Ihre Erwartungen an das Studium erfüllt?

Ich hatte sehr hohe Erwartungen an das Studium, die an der Hochschule in hohem Maße erfüllt wurden. Wir haben hoch qualifizierte Professoren und praxiserfahrene Dozenten in allen Bereichen der Rechtswissenschaften, Kriminalistik, Kriminologie, Soziologie und weiteren Wissenschaftsfeldern. Viele Dozenten und Professoren sind und waren Polizeibeamte aus dem höheren Dienst. Demzufolge ist das Studium polizei- und praxisnah, da eigene und dritte Erfahrungswerte mit der Theorie verknüpft werden.

Was hat Ihnen an dem Studium am besten gefallen? Was müsste ggf. verbessert werden?

Während des Studiums gibt es sogenannte Praxissemester, um die theoretisch erlangten Kenntnisse abseits der Unterrichtsräume auf den Berliner Kriminaldienststellen anzuwenden und zu vertiefen. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass während meines Studiums die Möglichkeit eines Auslandspraktikums bestand. Nach vorausgegangenen Tests zwecks Prüfung meiner persönlichen Eignung, absolvierte ich mein Auslandspraktikum auf unterschiedlichen Polizeidienststellen der USA. Meine Hauptpolizeibehörde, das Menlo Park Police Department, organisierte mir Hospitationen in Los Angeles, Sacramento und San José. Ich hospitierte dort u.a. bei der Drogensondereinheit, beim Streifendienst, bei der Mordkommission und bei der SWAT-Unit (eine Spezialeinheit für Sondereinsätze). Von den amerikanischen Kollegen hatte ich viel im Bereich der Verbrechensbekämpfung, der Einsatztaktik und im Bereich der Prävention lernen können. Das ist u.a. auch ein Vorteil dieses Studiums. Es besteht die praktische Möglichkeit über den „Tellerrand der Deutschen Polizeiarbeit“ hinauszuschauen.
Ich persönlich empfand das Studium als sehr umfassend und theoretisch orientiert. Es wäre sinnvoll die erwähnten Praxisphasen in einem entsprechenden Umfang beizubehalten, um eine ideale Symbiose zwischen Theorie und Praxis zu erreichen.

Schildern Sie Ihre interessantesten Erlebnisse während des Studiums.

Gerade die ersten Gehversuche und Erfahrungen als Polizeibeamter sind in jederlei Hinsicht unbeschreiblich interessant, spannend und prägend. Persönlich habe ich mich insbesondere während meines Auslandspraktikums in den USA beruflich und kulturell weiterentwickeln können. Gemeinsam mit drei Polizisten der Drogensondereinheit war ich auf einer Streifenfahrt, als wir einen Van kontrollierten, aus dem Cannabisgeruch wahrgenommen werden konnte. Bei der Überprüfung der Gangmitglieder und dem Fahrzeug haben wir eine geladene Maschinenpistole, mehrere Reservepatronen, Crack, mehrere Tüten Cannabis, 12.000 Dollar in szenetypischer Stückelung und einen Polizeiradar feststellen können und beschlagnahmt. Dieses Erlebnis hatte mir erneut die Gangproblematik in den Staaten als auch die Bedeutung der polizeilichen Eigensicherung vergegenwärtigt.

Auf welchen Dienststellen waren Sie bisher tätig? Was waren dort Ihre Aufgaben?

Nach meinem Studium war ich auf Dienststellen des Landeskriminalamtes Berlin, die für die Bekämpfung der Schwer- und Schwerstkriminalität zuständig sind, als auch auf Dienststellen der Direktion 3, die für die mittlere Kriminalitätsbekämpfung im Bereich Berlin-Mitte verantwortlich ist, tätig. In der Direktion 3 ermittelte ich eingangs im Bereich der Rauschgift- und Eigentumskriminalität. Die Aufgabe der dortigen Ermittlungsarbeit liegt vor allem darin, unbekannt gebliebene Tatverdächtige durch kriminalistische Kleinstarbeit bzw. Heuristik zu ermitteln und den Tatverdächtigen die zur Last gelegten Straftaten nachzuweisen. Diese Ermittlungsarbeit stellt eine ganz besondere Herausforderung dar und erfordert kontinuierlich flexibles Denken, da sich jeder Fall von dem anderen unterscheidet. Auf diese Weise entwickelt man sich jeden Tag weiter und steht fortwährend vor neuen, abwechslungsreichen Herausforderungen. Weiter durfte ich in der Direktion 3 beim Kriminaldauerdienst tätig sein. Dieser führt bei Delikten der mittleren und schweren Kriminalität, wie z.B. Raub-, Eigentums-, Sexualdelikte aber auch Todesermittlungsverfahren, alle aus polizeilicher Sicht unaufschiebbaren Sofortmaßnahmen durch. Ein Bestandteil dieser Tätigkeit ist die sogenannte Spurensicherung am Tatort oder das Befragen bzw. das Vernehmen von Zeugen. Der ständige Bürgerkontakt und die Möglichkeit zu jeder Tageszeit unterschiedliche kriminalpolizeiliche Sachverhalte zu bearbeiten, sind die Vorteile dieser Tätigkeit.
Zusammenfassend bleibt mir zu sagen, dass die vielen abwechslungsreichen und unterschiedlichsten Ermittlungstätigkeiten es mir frühzeitig möglich machten das allgemeine polizeiliche Grundverständnis weiter zu schärfen und eigene Erfahrungswerte zu vertiefen. Dies gilt insbesondere für die Aneignung „kriminalistischen“ Know-Hows, der Spurensuche am Tatort und für die professionelle und bürgerfreundliche Interaktion mit den unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen dieser Stadt.

Schildern Sie Ihre interessantesten Erlebnisse nach dem Studium.

Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass der Polizeiberuf neben den spannenden Ermittlungs- und Einsatzerlebnissen, insbesondere durch eine hohe Kollegialität und Teamarbeit geprägt ist.
Alle umfangreichen Ermittlungsverfahren werden in der Regel durch mehrere Kriminalisten im Team bearbeitet. Genauso verhält es sich auch bei den Ermittlungen des Kriminaldauerdienstes. Hier müssen sich die Beamten nicht nur aus Eigensicherungsgründen bedingungslos aufeinander verlassen können, sondern auch aus kriminalistischer Sicht arbeitsteilig tätig werden, um ein effizientes Arbeiten zu ermöglichen.

Was möchten Sie noch erreichen bzw. welche Bereiche innerhalb der Polizei möchten Sie noch kennenlernen?

Ich denke, dass mir der Polizeiberuf weiterhin viel Spaß bringen wird und hoffe dass in Zukunft weiter die Möglichkeit besteht, viele Dienststellen kennenzulernen, weil ich mich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend entscheiden könnte, wo ich in Zukunft arbeiten will. Ich persönlich will viele Erfahrungen sammeln, um im Beruf erfolgreich sein zu können.

Wie ist aus Ihrer Sicht das Image eines Polizeibeamten /einer Polizeibeamtin in Berlin zu bewerten?

Ich habe persönlich die Erfahrung gemacht, dass der Polizeiberuf in der Bevölkerung nicht nur eine hohe Akzeptanz findet, sondern zu einer der anerkanntesten Berufsgruppen zählt. Auch wenn nicht immer alle Bürger mit der Arbeit der Polizei vollends zufrieden sind, gibt es dennoch eine große Mehrheit in der Bevölkerung, die sich mit der Arbeit der Hauptstadtpolizei identifiziert und der Polizei ihr Vertrauen schenkt.

Welche positiven und negativen Erfahrungen haben Sie als Polizeibeamter bisher gemacht?

Zu einer der positivsten Erfahrungen zählt neben der eigentlichen Ermittlungstätigkeit die Erkenntnis, dass ich bis zum heutigen Tag gerne zur Arbeit fahre und meine Berufsentscheidung nicht bereue. Meine anfänglichen Erwartungen, die ich an den Polizeiberuf geknüpft hatte, konnten im vollen Umfang erfüllt werden. Eine berufliche Zufriedenheit ist der Grundstein für ein erfolgreiches Arbeiten, und somit wesentlicher Bestandteil der polizeilichen Arbeit. Ich denke, dass dies auch die Kondition eines jedes Polizeibeamten sein dürfte, um der großen polizeilichen Hoheitsverantwortung gerecht zu werden und das erarbeitete Vertrauen der Bevölkerung nicht zu verlieren.
Nachteilig ist die selektive Konfrontation mit Leid, Armut oder gefährlichen Einsatzsituationen, die gelegentlich mit dem Beruf einhergehen.

Welche Tipps haben Sie für Berufsanfänger/innen?

Der Polizeiberuf ist ein abwechslungsreicher und spannender Beruf. Alle Bewerberinnen und Bewerber sollten sich physisch und sachlich auf den Einstellungstest vorbereiten. Aktuelle Informationen über die Polizeibehörde und das Studium werden im Internet über die berlin.de-Seiten und die Polizei-Seite zur Verfügung gestellt. Wer einen praktischen Einblick in die Polizeibehörde erhalten möchte, kann auch ein sog. “Schülerpraktikum” bei der Berliner Polizei absolvieren.