Wo sonst im Berliner Raum, als in der Siemensstadt, findet sich diese einzigartige Harmonie aus Industrie, Wohnen und Natur", fragt Karl Bienek wohl eher rhetorisch. Denn für den Siemensstädter ist klar: Er wohnt in einem besonderen Stadtteil und das seit nunmehr 20 Jahren. Bienek ist seine "Stadt" ans Herz gewachsen. Er besitzt exzellente Kenntnisse über Architektur und Geschichte der Großsiedlung. Die gibt er gern in Büchern und Führungen weiter. Ob wohl seit der Ernennung zum Weltkulturerbe im Sommer 2008 mehr Wissbegierige anklopfen? Er merke davon nichts, sagt er. Gruppengröße und Anzahl der Führungen haben sich kaum verändert.
Vielleicht aber melden sich Interessenten auch vermehrt bei Siemens direkt. Denn das Unternehmen fühlt sich eng mit der Siedlung verbunden, obwohl es trotz Namenpatenschaft weder an Finanzierung noch an Planung beteiligt war. Der fortschrittlich denkende Stadtbaurat Martin Wagner war es, der die Wohnsiedlung in Betriebsnähe mit einem Zusatzbauprogramm auf den Weg brachte. So entstand ab 1904 -zunächst in Spandau -sukzessive die Wohn- und Arbeitsstadt.
Deren Erweiterung, die Großsiedlung Siemensstadt, wurde dann zwischen 1929 und 1931 unter der Leitung von Architekt Hans Scharoun in Charlottenburg Nord als östliche Erweiterung der Spandauer Siemensstadt errichtet. In zwei Bauabschnitten entstanden nach Entwürfen -unter anderem von Walter Gropius, Otto Bartning, Hugo Häring, Fred Forbat und Paul Rudolf Henning -knapp 1400 Geschosswohnungen zwischen Heckerdamm und Mäckeritzstraße. Fast 80 Prozent der Einheiten haben eineinhalb- und zweieinhalb-Zimmer. Früher wohnten vielköpfige Familien darin. Heute sind es meist Singles oder Paare ohne Kind. Jede der Wohneinheiten wurde mit Bad und Innentoilette, Zentralheizung sowie Warmwasserversorgung ausgestattet. "Für die damalige Zeit ein unglaublicher Luxus", sagt Bienek. Wärme und heißes Wasser kamen vom siedlungseigenen zentralen Heizwerk. "Das erste seiner Art in Berlin. Deswegen hieß die Siedlung auch rauchlose Stadt." Heute leben etwa 2800 Menschen hier.
Karl Bienek wohnt im "Panzerkreuzer", einem Wohnblock am Jungfernheideweg. "Man fühlt sich hier an ein Schiff erinnert mit Kommandobrücke, Reling und Bullaugen." Bekannte Bauten sind auch der "Lange Jammer" von Otto Bartning mit seiner monotonen, langen und gekrümmten Vorderfront, und die Wohnzeilen von Hugo Häring mit ihren ockerfarbigen Klinkerverschalungen und den halbelliptischen Balkonen. "Diese Architektur war fortschrittlich, weil sie soziale Aspekte berücksichtigte und sachlich sowie zweckbetont ist", sagt Bienek.
Beim gegenwärtigen Zustand ist allerdings einige Fantasie nötig, um der ursprünglichen Motivation folgen zu können. Der Zahn der Zeit nagt sichtbar am Bauwerk. Schließlich ist die Siedlung fast 80 Jahre alt. "Der Zugang am Panzerkreuzer sieht schlimm aus", bedauert Bienek. Trotzdem lebt er gern hier, wie viele seiner Nachbarn auch. Die meisten sind ältere Leute. Nachbarschaftshilfe sei deshalb ein wesentliches Bindeglied.
| Adresse: |
Siemensstadt
Goebelplatz
13627
Berlin
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|---|---|
| Architekt: | Hans Scharoun (Gesamtplanung) |
| Stil: | Neues Bauen |
| Nahverkehr: | Bus:
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