Frank Castorfs Kunsttempel ist alles andere als ein Ort der Heiligkeit. Er zieht mit seinem Brachialtheater überwiegend junge Leute zwischen 18 und 35 Jahren an. „Das Schlimmste am Theater ist für mich die totale Verwechselbarkeit“, sagt Castorf, seit 1992 Intendant der Volksbühne. Nun, verwechselbar ist seine Volksbühne vom Spielplan bis zur Ästhetik kaum.
Im Gegenteil, ist sie für viele doch der beste Beweis, wie sich das gute alte Medium Darstellungskunst mit dem Theater in die Gegenwart hinüberretten lässt. Die Volksbühne unter dem Meister des Stückezertrümmerns und Neureflektierens ist eben ein sehr offenes, experimentierfreudiges, ziemlich innovatives Theater. Und das Schmählichste, was man dem Chef vorwerfen kann, ist, dass sein Theater „richtig“ sei: „Wenn im Theater etwas richtig ist, ist es schon überflüssig, weil es nur noch langweilt.“ Dabei langweilt er bisweilen schon in seinen tendenziell immer länger dauernden Inszenierungen. Aber er versucht bewusst zu langweilen, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, um wieder aufzuschrecken. Darin ist er ein großer Meister.
Dabei kann sich der Regisseur auch auf ein außergewöhnliches Ensemble verlassen. Mit Sophie Rois, Astrid Meyerfeld, Herbert Fritsch, Bernhard Schütz, Alexander Scheer oder Martin Wuttke verfügt Castorf gar über ein beträchtliches Arsenal an Ausnahme-Schauspielern, die jedes normale Stadttheater-Ensemble sprengen würden. Allerdings ist nach 15 Jahren Sturm am Rosa-Luxemburg-Platz zuletzt ein wenig Leerlauf eingetreten.
Mit Schmuddellust scheucht der Chef sein multitalentiertes Ensemble – mit Hilfe seiner Hausregisseure René Pollesch (für die Nebenspielstätte Prater), Dimiter Gotscheff und der Choreographin Meg Stuart – durch die einschlägigen Diskurse zwischen Pop und Politik: Existentialismus, Elementarteilchen, wüste Welt. Stets mit viel Ironie, inklusive Geschlechter-Crossing (Schauspieler spielen Frauenrollen, Schauspielerinnen Männerrollen) und musikalischer Einlage.
| Adresse: |
Volksbühne
Linienstr. 227
10178
Berlin
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| Telefon: | 030 24 065 5 |
| Internet: | www.volksbuehne-berlin.de |
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