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Komische Oper

Mit intelligentem Musiktheater und wohldosierten, kleinen Skandalen – stets in deutscher Sprache gesungen – profiliert sich das kleinste der Berliner Opernhäuser

Sex-Skandal an der Oper! Ruft die Boulevardpresse lüstern. Zuwendungen einstellen! Fordert DaimlerChrysler Berater Matthias Kleinert kleingeistig. So viel Schlagzeilen gab es lange nicht um die Komische Oper. Sie hatte zum Ende der Spielzeit 2003/2004 den Katalanen Calixto Bieito, einen Quentin Tarantino der Opernregie, für die Inszenierung von Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ verpflichtet. Bieito entrümpelte die mozartsche Wohlklangoper total, spürte die Nackten und die Toten in der Musik auf, verlegte die ganze Handlung kurzerhand ins Bordell und rührte so im gesittet-konservativen Feuilleton die alte Frage auf, was Kunst darf. Womit man im Sprechtheater keinen mehr provozieren kann – in der Oper funktionierts noch.

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Sinnlicher Kick aber ist es, was Intendant Andreas Homocki dem Haus verpassen will. Damit interpretiert man das Credo „Oper als Theater“ von Hausgeist Walter Felsenstein, dem Begründer der realistischen Opernregie, gewissermaßen konsequent weiter. Früher waren Operninszenierungen vor allem kostümierte Konzerte: Die Sänger standen nett dekoriert auf der Bühne herum und sangen. An der Komischen Oper beendete Walter Felsenstein seit 1947 diese unselige Tradition und inszenierte Oper konsequent als Theater. Der Sänger musste wie ein Schauspieler glaubhaft in der Rolle sein und in seinem Ton: Das Singen sollte aus der Emotion begründet sein. Felsensteins Meisterschüler Götz Friedrich, später Intendant der Deutschen Oper im Westteil der Stadt, und Joachim Herz, der das Haus nach dem Tod Felsensteins übernahm, führten dieses Konzept kongenial weiter.

Auch Harry Kupfer drückte, als er 1981 auf Herz folgte, der Komischen Oper 20 Jahre lang erfolgreich seinen Stempel auf, indem er Felsensteins „Musiktheater ohne Täuschungskünste“ weiterentwickelte. Als neue Hoffnungsträger an der Behrenstraße profilierten Andreas Homoki und sein Chefdirigent Kirill Petrenko das kleinste Haus in der Opernstiftung mit guter Hand für Stoffe und Regie hervorragend. Es wurde zum „Opernhaus des Jahres 2007“ gewählt. Zu den Regisseuren der Komischen Oper Berlin gehören so unterschiedliche Namen wie Peter Konwitschny, Hans Neuenfels, Sebastian Baumgarten, Barrie Kosky, Willy Decker, Richard Jones und eben der eingangs erwähnte Calixto Bieito. 2012 soll der 1967 geborene australische Regisseur Barrie Kosky neuer Chefregisseur und Intendant der Komischen Oper werden.

So schließt man wieder an die Glanzzeiten der Komischen Oper an, Götz Friedrich inszenierte hier 1970 eine legendäre Produktion von „Porgy und Bess“ – mit Manfred Krug in der Hauptrolle des Sporting Life. Auch Brigitte Mira, die Volksschauspielerin, machte übrigens an der Komischen Oper erstmals von sich Reden. Heute aber heißen hier die Stars Noëmi Nadelmann und Guntbart Warns. Oder ausnahmsweise für einen Abend auch mal Thomas Gottschalk. Der ergänzte den Chor bei einer Vorstellung von Mozarts „Zauberflöte“.

Adresse: Komische Oper
Behrenstraße 55-57
10117  Berlin
Telefon: 030 47 99 74 00
Internet: www.komische-oper-berlin.de(Externer Link)
Nahverkehr:
U-Bahn:
Bus:
S-Bahn:
S+U Friedrichstr. Bhf: S1, S2, S25, S3, S5, S7, S75
Tram:

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